17. November 1906
BAUZBITUNG
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zu und der Bau wird nach seinem Entwurf ausgeführt.
Wir bringen heute drei Abbildungen des Seidlschen Entwurfs
(eine im Text, zwei auf der Bildbeilage: Hauptprojekt
und Variante) und behalten uns vor, auch die
zwei andern preisgekrönten Entwürfe (H. Preis: Architekten
Troost & Jäger wie Begierungsbaumeister Buchert-München)
zu veröffentlichen. Die Urteilsbegründung des
Preisgerichts ist noch nicht bekanntgegeben worden.
Bei der Variante ist die Front der Ausstellung gegen
die Isarseite gelegt und damit auch die Zentrale, Terrasse
und Restauration. Die Erweiterung ist nach beiden Seiten
hin ermöglicht. Die Raumverhältnisse und Grundrißordnung
bleiben fast die gleichen wie beim Hauptprojekt.
Yereinsmitteilungen
Württembergischer Verein für ßaukunde. Am
6. November nachmittags fand eine Besichtigung der
neuen Stuttgarter Schlachthofanlage in Gaisburg
unter Führung von Oberbaurat Mayer statt. An
der Hand von Plänen wurde zunächst die allgemeine Anordnung
der verschiedenen Bauwesen erläutert und sodann
wurden die Gründungsarbeiten noch eingehender
besprochen. Das ganze Anwesen kommt auf aufgefülltes
Gelände zu stehen. Die Auffüllung wurde zum Teil schon
vor einigen Jahren, zur Zeit der sogenannten „Notstandsarbeit“,
fertiggestellt, der übrige Teil ist gegenwärtig
noch in Arbeit. Das erforderliche Material wurde teils
einem senkrecht zur Talrichtung angelegten gewaltigen
Einschnitt in den Berghang entnommen, der so angelegt
ist, daß er das Landschaftsbild in keiner Weise stört,
teils wird es gegenwärtig
mittels einer Baggermaschine
oberhalb des
Bauplatzes dem Talboden
selbst entnommen.
Die durchschnittliche
Gründungstiefe beträgt
etwa 6 m. Anstatt der
umständlichenPfahlrostgründung
wurde ein vor
etlichen Jahren schon
beim Bahnhofumbau in
Plochingen angewandtes
Verfahren gewählt, das
darin besteht, daß mittels
eines etwa 40 Zentner
schweren eisernen
Stößels, der durch Maschinenkraft
in die Höhe
gezogen wird und sich
dann selbsttätig auslöst,
tiefe Löcher in den Untergrund
gebohrt werden.
Ist der tragfähige Grund
erreicht, so wird zunächst
mittels eines granatförmigen
Gewichts
eine starke Steinvorlage
eingerammt und dann
der Beton nachgefüllt,
der durch dasselbe Gewicht
festgestampft wird.
Die auf diese Weise erstellten,
äußerst tragfähigen
Pfeiler werden
oben durch eisenarmierte
Betonträger verbunden
und bilden so ein durchaus
solides Fundament
für den Bau. Mit einbrechender
Dunkelheit
wurde der Weg nach Untertürkheim angetreten, wo in
der „Krone“ eine Metzelsuppe die Anwesenden noch
etliche Stunden gemütlich vereinigte.
Am Samstag den 10. November besichtigte der Verein
nachmittags die gegenwärtig im Bau begriffene Markuskirche
unter Führung von Oberbaurat Dolmetsch. Die
an der Kreuzung der Filder- und Römerstraße gelegene
Kirche ist ein einschiffiger Bau mit zwei Seitenhallen.
Das Mittelschiff ist mit einem Tonnengewölbe überspannt.
Der Raum über den wesentlich niedrigeren Seitenschiffen
ist durch Rosettenanordnung für die Beleuchtung des
Hauptschiffs, verwertet. Der Chor ist gegen die Stadt
gelegt und enthält auf einem Podium die Orgel; darunter
befindet sich ein großer Konfirmandensaal. Links davon
liegt die Sakristei, rechts ein Eingang und darüber der
Gebläseraum für die Orgel. An der gegenüberliegenden
Seite befindet sich der Haupteingang und seitlich angeordnet
der Turm. Letzterer ist so gestellt, daß er in
die Verlängerung der mittleren Römerstraße fällt. Die
Heizung ist Luftheizung und ist dadurch bemerkenswert,
daß außer den entlang der Seitenschiffe angeordneten
Heizkörpern auch der Fußboden mittels eines Kanalsystems
geheizt wird. Für die Konstruktion des Tonnengewölbes
sowie des Turmaufbaus wurde Eisenbeton gewählt. Es
war so möglich, wesentliche Ersparnisse zu erzielen. Bei
dem Tonnengewölbe wurden die Strebepfeiler dadurch
vermieden, daß die Eiseneinlagen der Hauptgebinde durch
die zwischen Haupt- und Nebenschiffen angeordneten
Säulen bis in das Fundament hinabgeführt wurden. Der
Turm bildet unten ein Viereck, geht dann in ein unregelmäßiges
Achteck über und wird oben rund. Die Strebepfeiler
sind hier nach
innen verlegt und werden
alle 8 m durch eineu
Boden, dazwischen alle
4 m durch einen Ring
zusammengehalten. Auf
diese Weise wurde erreicht,
daß die Mauern
unten 18 cm, oben sogar
nur 15 cm Stärke erhalten
konnten.
Am gleichen Tag
fand abends die 1. ordentliche
Versammlung
des Vereins
statt. BauratHofacker
begrüßte als neuer Vorsitzender
den Verein
und berichtete über die
Neuwahl des Vorstands.
Sodann wurden zwei
Kommissionen gewählt
für die in diesem Winter
zu erledigendenVereinsarbeiten.
Darauf erstattete
Architekt Feil
einen Bericht über den
S.Kongreß für evangelischen
Kirche nbau
in Dresden vom
5.—7. September d. J.
Die Wahl Dresdens war
insofern eine glückliche,
als diese Stadt im protestantischen
Kirchenbau
neuerdings eine
führende Rolle einnimmt
und weil auf der gleichzeitig
dort veranstalteten
III. deutschen Kunstausstellung
die kirchliche