Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

10. FEBRUAR 1906 
BAUZEITUNG 
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könne aus der bewußten Pflege der den einzelnen Gegen 
den eigentümlichen traditionellen Bau typen im Verein 
mit der freien Individualisierung solcher historischen 
Formengebungen, welche in ihrem Ausdruck der Gegen 
wart am nächsten stehen. Nachdem der Vortragende als 
weiteren gewichtigen Faktor in dieser Hinsicht die zweck 
mäßige Anwendung der modernen Materialtechniken be 
zeichnet hatte, erläuterte er noch kurz die Tendenzen 
der modernen Städte- und Gartenbaukunst. Wohlver 
dienter Beifall belohnte den Vortragenden für seine Aus 
führungen. Sodann gedachte der Vorsitzende in beredten 
W orten der Bedeutung des Tages, indem er einen Rück- 
blick auf die Vereinsgeschichte, einen Aus 
blick auf die neuen Vereinsaufgahen und 
Hinweis auf die Pflichten der einzelnen Mit 
glieder gab. Stud. arch. Werner feierte die 
erschienenen Gäste, stud. arch. Rieckbr die 
Alten Herren; die Hauskapelle endlich 
wartete mit ernsten und heiteren Weisen auf. 
Eine gelungene „Mimik“ ließ zum Schluß 
des offiziellen Teils noch die Schauspieler 
talente zu ihrem Hecht kommen und bildete 
den Anfang der Fidelitas, die manchen Scherz 
und Kantus zeitigte und die Getreuesten 
noch lange beisammenhielt. 
WÜRTTEMBERGISCHER InGENIEURYEREIN. Die 
Monatsversammlung des Vereins fand am 
1. Februar im Großen Saal des Oberen Mu 
seums in Stuttgart unter zahlreicher Betei 
ligung statt. Professor Thomann von der Tech 
nischen Hochschule in Stuttgart sprach in 
zweistündiger, überaus interessanter Rede über 
Turhinenregulatoren. Der Vortragende ging 
von der bekannten Tatsache aus, daß ein Zentri 
fugalregulator zu schwach ist, die Regulier 
vorrichtung einer Turbine zu bewegen, und be 
leuchtete dies durch die Angabe, daß moderne große Turbinen 
zur Regulierung einer Arbeit von 1000 und mehr Meter 
kilogramm bedürfen, die in wenigen Sekunden zu leisten 
sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, diese Arbeit 
einem Hilfsgetriebe, einem Servomotor, zuzuweisen, der 
von dem Zentrifugalregulator ausgelöst wird. Der ge 
schichtlichen Entwicklung folgend zeigte der Vortragende 
eine der ersten Konstruktionen, den Kauffmannschen 
Regulator mit Riemenwendegetriebe. Demselben haftete 
der Mangel an, daß er sehr langsam regulierte und dann 
über das Ziel hinausschoß, welch letzterer Umstand fort 
währende Schwankungen der ümlaufzahl der Turbine 
hervorrief. Den Uebelstand des Ueberregulierens be 
seitigte Farcot durch die Erfindung der „Rückführung“, 
welche für die Turbinenregulierung von grundlegender 
Bedeutung ist. An Hand von Lichtbildern wurden die 
verbesserten Konstruktionen mechanischer Regulatoren 
mit Rückführung der Firmen Voith - Heidenheim und 
Piccard, Pictet & Co. in Genf erklärt. Einige Regulier 
diagramme zeigten den Einfluß der Schlußzeit des Regu 
lators, seiner üngleichförmigkeit und der vorhandenen 
Schwungmasse auf die Größe der Regulierschwingungen 
und ihre Dämpfung. Es ging aus ihnen hervor, daß mit 
diesen Konstruktionen eine befriedigende Regulierung 
möglich ist, wenn die bei ihnen immer vorhandenen Ver 
spätungen und Massenwirkungen nicht zu groß sind. Bei 
den gesteigerten heutigen Ansprüchen an rasche Regu 
lierung trifft diese Voraussetzung allerdings nicht mehr 
zu, wie sofort ein Regulierdiagramm zeigte, in dem die 
Verspätungen und Massen Wirkungen dieser mechanischen 
Regulatoren zahlenmäßig berücksichtigt waren. Ver 
besserungen, besonders im Hinblick auf die Ausschaltung 
des Einflusses der Massenwirkungen, weisen die neueren 
mechanischen Regulatoren der Firma Voith (Patent Schmitt- 
henner), der Maschinenfabrik Geislingen und der Maschinen 
fabrik Germania in Chemnitz (Patent Thomann) auf. Sie 
werden aber noch übertroffen durch gute hydraulische 
Regulatoren, deren allgemeiner Aufbau an Hand einiger 
Konstruktionen von Escher, Wyß & Co., Th. Bell & Co. 
und I. M. Voith erläutert wurde. Der Servomotor eines 
hydraulischen Regulators besteht in einem hydraulischen 
Preßzylinder, dessen Kolben entweder nur auf der einen 
oder auf beiden Seiten unter veränderlichem Druck steht. 
Bei hohen Gefällen dient das der Turbinenzuleitung ent 
nommene und nachher filtrierte Wasser als Druckflüssig 
keit, bei kleineren Gefällen und allzusehr verunreinigtem 
Wasser wird jene in besonderen Pumpen, in neuerer Zeit 
mit Vorliebe in Kapselpumpen, erzeugt. Das wichtigste 
Aus „Ohmanns Entwürfe etc.“ Verlag Schroll & Co. in Wien 
Veranda des Hauses Barth in Ludwigsburg. Architekt Fr. Haußer-Ludwigsburg
	        

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