Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG 
NR. 8 
historischer Literatur, der 1901 auf 
der Dresdner Kunstausstellung ge 
zeigt wurde, eingerichtet worden. 
Zugleich findet darin gegenwärtig 
eine Ausstellung von Gemälden 
Pankoks sowie von einigen kunst 
gewerblichen und architektonischen 
Entwürfen statt, die zu den gleichen 
Zeiten wie die Gemäldesammlung 
dem Publikum offen steht. Für das 
Zustandekommen dieser Ausstellung 
sowie besonders für die ständige Ein 
richtung diesesSaales in derGemälde- 
sammlung gebührt meiner Ansicht 
nach — und entgegen der Meinung 
der Kritiker unsrer Tagespresse — 
dem verdienstvollen Direktor der 
Gemäldegalerie, Herrn Professor 
Dr. Konrad von Lange, der Dank 
aller Kunstfreunde. Es ist ein 
Brholungsraum für die Sinne, wo 
sich ihnen eine willkommene Ab 
wechslung bietet. Schon der Ge 
samteindruck des Raumes wirkt 
erfrischend: dieser große, hohe Saal 
in seinen lichten Tönen des gelb 
lichen Holzes, der grauen Wand 
bespannung, des Goldes der Rahmen 
hat etwas Heiter-Festliches. Die die 
Heizkörper umkleidenden Schreib 
und Lesetische mit Fachen und Regalen für Bücher und Zeit 
schriften, die gepolsterten Stühle, die Etageren und Schränk 
chen für Werke der Kleinkunst in den Ecken geben dem 
Raume etwas Wohnliches, und das vom Bildersehen er 
müdete Auge studiert mit freudiger Ueberraschtheit die 
Gebilde einer mehr wirklichen Kunst: das interessante 
Linienspiel der Yertäferung und der Wandbekleidung, den 
zierlich leichten Bau der Ecketageren, die organische Bil 
dung der Stühle, die reizvollen Intarsien der Tische. Die 
Bilder drängen sich bei der Größe und Höhe des Lokales 
nicht zur Betrachtung auf; sie wirken mehr wie ein not 
wendiger Schmuck des Raumes, friesähnlich. Mobiliar und 
AVandvertäferung sind aus naturfarben poliertem Eschen 
holz hergestellt und wurden von der Stuttgarter Kgl. Lehr- 
und Versuchswerkstätte, die unter der Leitung von Prof. 
Pankok steht und ganz Vorzügliches leistet, ausgeführt. 
Eine Kritik der Pankokschen Gemälde kann hier nicht ge 
geben werden. Interessant sind die Rahmungen: sie zeigen 
zumeist eigenartige reiche Profilierungen, die auf äußerst 
einfache AVeise mit der Fräsmaschine herstellbar sind; 
einige sind mit reicher Handschnitzerei geziert, so der 
prächtige Rahmen um das Gemälde von Gainshorough, ein 
Beispiel, das, wie bereits einige andre in unsrer Galerie, 
zeigt, daß man alte Bilder recht gut mit modernen Rahmen 
versehen kann. Von den ausgehängten Abbildungen und 
Skizzen von kunstgewerblichen und architektonischen Ar 
beiten Pankoks seien erwähnt: Das Bheschließungszimmer 
in Dessau (s, VI. Jahrg. Kr. 9 der „Dekorativen Kunst“, 
Verlag Bruckmann-München); das AVohnzimmer Hermann 
Ohrists in München mit dem wundervollen baldachinartig 
bekrönten Schrank („Dekorative Kunst“, Jahrg. VIII 
Nr. 9); das Haus Lange in Tübingen (Nr. 7 der „Bauzeitung“ 
und „Dekorative Kunst“, Jahrg. V Nr. 3); ein Entwurf 
zu einem Atelierhaus und zu einem Denkmalsturm; die 
Ausstellungsbauten für Köln und Dresden 1906. In den 
Eckschränkchen sind einige kunstgewerbliche Kleinarbeiten 
ausgestellt: Buchschmuck, Zierat, als Köstlichstes zwei 
Elfenbeinreliefs in reich mit Intarsien verzierten Rahmen 
ständern. AVas die Ausstellung bietet, gibt ein reiches 
Bild vielfältigen künstlerischen Schaffens — und ist doch 
nur ein geringer Bruchteil aus dem Schatze eines unsrer 
größten Künstler. Fbitz Schmidt. 
VEREINSMITTEILUNGEN 
Akademischer Aechitbktenveeein 
„Motiv“ zu Stuttgart. Am 16. d. 
M. fand die Besprechung der Weih 
nachtsferienkonkurrenz (Sommer 
wohnung mit Gartenanlage) unter 
zahlreicher Beteiligung von Gästen, 
AltenHerren und aktivenMitgliedern 
durch Professor Th. Fischee statt. 
Nach der Begrüßung der Erschie 
nenen durch den Vorsitzenden des 
Vereins ergreift Professor Fischer 
das Wort, indem er der Freude 
Ausdruck gibt, daß von den ein 
gelaufenen 16 Projekten fast alle 
gute Lösungen der Aufgabe zeigen. 
Einer allgemeinen Uebersicht über 
die Aufgabe selbst folgte die Kritik 
der einzelnen Entwürfe durch den 
Redner, der die Verfasser der Pro 
jekte aufforderte, ihre Lösungen 
gegenseitig zu kritisieren, wodurch 
manche interessante Gesichtspunkte 
zutage gelegt wurden. Die Haus 
kapelle erfreute die Anwesenden 
mit einigen wohlgelungeneu Musik 
vorträgen. 
Wüettembeegischee Baubeamten- 
Veebin. Die erste Ausschuß 
sitzung in diesem Jahr fand am 11. Februar im Hotel 
Royal in Stuttgart statt. Anwesend waren 10 Mit 
glieder. Der Vorsitzende, Bezirksbaumeister Buek- 
haedt, begrüßte die Erschienenen und gab sodann dem 
Schriftführer das AVort zur Verlesung des Protokolls der 
letzten Ausschußsitzung, welches allseitig gutgeheißen 
wurde. Gestorben sind seit der letzten Ausschußsitzung 
2 Mitglieder, Inspektor Schreiber und Bauwerkmeister 
Käst; derselben wurde in ehrenderWeise gedacht. Aus 
dem Verein ausgetreten sind 4 Mitglieder und neuauf- 
genommen wurden 10 Mitglieder. Nach Erledigung zahl 
reicher Einläufe, worunter auch AVünsche wegen des 
Drucks der Bauzeitung waren, berichtete Stadtbaumeister 
Mössnee über den Stand der gemeinschaftlich mit dem 
Bauwerkmeisterverein und dem Bautechnikerverband be 
schlossenen Eingabe in der Vorbildungsangelegenheit. 
Bei diesem Anlaß kam auch die neuerdings öfters be 
rührte Frage weiterer künstlerischer Ausbildung auf den 
Baugewerkschulen zur Sprache, doch wurde in dieser 
Sache vorerst noch keine Stellung genommen. Auf eine 
Anfrage, weshalb der Baubeamtenverein bei der in der 
letzten Zeit im Hotel Bilfinger hier abgehaltenen Ver 
sammlung von Staatsbeamten nicht vertreten gewesen sei, 
erwidert der Vorsitzende, daß unser Verein zu dieser 
Versammlung nicht eingeladen worden sei, er werde sich 
aber hierwegen mit andern Beamtenvereinen in Verbin 
dung setzen. Einem Wunsche der Bauamts Werkmeister 
im Finanzdepartement, ihre Einladung zu einer Versamm 
lung im Anschluß an unsre Mitgliederversammlung in 
unsre Einladung aufzunehmen, soll entsprochen werden. 
Ueber den Gegenstand „Beitritt zu einem süddeutschen 
Technikerverband“ wurde unter Hervorhebung der seit 
der letzten Ausschußsitzung weiter bekannt gewordenen 
Momente lange debattiert, doch wurde an dem letzten 
Ausschußbeschluß festgehalten, über diese Frage die 
nächste Mitgliederversammlung entscheiden zu lassen. 
Der Punkt „Statutenänderung“ mußte auf eine der 
nächsten Ausschußsitzungen verschoben werden, da bis 
jetzt noch keine Antwort von den zu engerem Anschluß 
an den Baubeamtenverein aufgeforderten Vereinen ein 
gelaufen ist, doch wurde von den Vertretern dieser Ver 
eine in Aussicht gestellt, daß eine Antwort bis zur 
Professor Beknhabd Pankok: Kronleuchter für 
Kerzcnbeleuchtuug aus dem AVohnzimmer Hermann 
Obrists. Ausgeführt von der Kgl. Lehr- und Ver 
suchs werkstätte in Stuttgart (aus der „Dekorativen 
Kunst“, Verlag von F. Bruckmann in München)
	        

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