Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

24. FEBRUAR 1906 
BAUZEITUNQ 
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nächsten Sitzung sicher zu erwarten sei. Als Tag für 
die heurige Mitgliederversammlung, bei der zugleich 
Neuwahl des Ausschusses stattzufinden hat, wird der 
6. Mai 1906 festgestellt, und zwar soll dieselbe vormit 
tags 10Vz Uhr beginnen. Diese Mitgliederversammlung 
findet hier statt, das Lokal wird später bekanntgegeben. 
Den 17. Februar 1906. Der Ausschuß. 
Eintrittserklärung: David Zimmbrmann, Bauwerkmeister 
heim Kameralamt in Schussenried. 
Mittelrhein. Architekten- und Ingenieurverein in 
Darmstadt. Regierungsbaumeister Privatdozent Zeller 
hielt kürzlich vor den Mitgliedern des Vereins einen inter 
essanten Vortrag über die romanische Baukunst in Hildes 
heim. Die Hildesheimer romanische Baukunst, so führte der 
Vortragende u. a. aus, ist in hervorragender Weise aus 
geprägt, und die Stadt ist als eines der wichtigsten 
Zentren frühmittelalterlichen deutschen Bauwesens anzu 
sehen. Mit dem großen Bischof Bernward beginnt die 
Monumentalkunst. Ein Hauptwerk ist die St. Michaelis 
kirche, eine flachgedeckte Pfeilersäulenbasilika mit zwei 
Querschiffen und Doppelchoranlage, typisch durch die 
Anordnung von sogenannten Engelchören, d. h. überein 
anderstehenden Galerien in den Enden der Querhäuser, 
die für Prauenchöre eingerichtet waren. Viele Einzel 
heiten der Raumgestalten zeigen einen römischen Ein 
fluß (wahrscheinlich alte Peterskirche in Rom). Charakte 
ristisch ist die vorwiegende künstlerische Ausgestaltung 
des Innern, das eigentümliche Stützemsystem, Pfeiler— 
Säule, Säule—Pfeiler, und die durch Anlage breiter 
Seitenschiffe bedingte harmonische Raumwirkung. Das 
Aeußere, ursprünglich schlicht und monumental in seiner 
Einfachheit, hat durch spätere Zutaten stark gelitten. 
Das größte Prachtstück ist die wahrscheinlich unter Abt 
Ratmann hergestellte Malerei der Holzdecke, die dies 
seits der Alpen nicht ihresgleichen hat. Der Dom zu 
Hildesheim ist baugeschichtlich am kompliziertesten. Schon 
als nordischer Holzbau ist er von den Chronisten er 
wähnt, und hat als solcher etwa von 815—840 bestanden; 
er ging indessen bald zugrunde. Altfrid (851—74) er 
setzte ihn durch einen Steinbau; seine Grundrildisposition 
wurde im wesentlichen auch bei späteren Umbauten bei 
behalten. Erhalten ist noch der westliche Teil der Krypta. 
Nach der Befestigung der sogenannten „Domfreiheit“ 
durch Mauern und Türme unter Bernward (1001) baut 
der Nachfolger Godehard 1029 an Stelle der alten Dom 
westseite ein sogenanntes Paradies mit Säulengängen 
und einem Westturmpaar, das 1035 vollendet wird. 
Durch den großen Brand von 1046 gingen die Dom 
bauten zugrunde; Azelin, ein weitschauender Mann, ver 
sucht weiter westwärts den Dom neu zu erstellen, muß 
aber aus Mangel an Mitteln von der Vollendung Abstand 
nehmen, so daß Hezilo, sein Nachfolger (1054—79), sich 
entschließt, wieder an alter Stelle zu bauen. Der Neu 
bau ist 1061 fertig; der Apsisbau selbst wird von Berthold 
vollendet. Der Bau ist in seinen Hauptteilen bis heute 
erhalten, indessen durch Anbau gotischer Kapellen an 
der Nordseite um 1388, die Anlage eines nördlichen 
Paradieses (1412), endlich die Umgestaltung des Innern 
in prachtvollem Barock von Rossi und Caminada (1724 bis 
1730) und den modernen, leider mißlungenen Umbau der 
Westseite (1842—49) stark verändert. Indessen hat das 
Gebäude dadurch teilweise, namentlich im Innern, hohe 
Reize; die Barockarchitektur gehört zum Besten, was 
wir in Deutschland haben. Dann ist der frühromanische 
Domkreuzgang zu erwähnen; eines der poetischsten Bil 
der ist bekannt durch den Rosenstock. Die Kirche 
St. Godehard, ein Werk aus einem Gusse, wurde 1133 
durch Bischof Bernhard zu Ehren des auf dem Konzil 
zu Rheims 1131 heiliggesprochenen Godehard errichtet. 
Der Bau schließt sich mehr südlichen, speziell auch fran 
zösischen Motiven (Chorumgang) an und ist im wesent 
lichen um 1172 vollendet. Adelong hat auch hier die 
letzte Hand angelegt. Der Versuch einer zu wölbenden 
Vierung ist zwar begonnen, indes nicht durchgeführt, 
obwohl die Stützenverhältnisse hier besser angeordnet 
sind als in der später ebenfalls in Chor, Vierung und 
Querschiff gewölbten Michaeliskirche. St. Godehard 
entzückt namentlich durch die malerischen Gruppierungen 
der Chorschlüsse, die Ostseite speziell darf als Leistung 
ersten Ranges bezeichnet werden. Von den übrigen ro 
manischen Bauten Hildesheims ist St. Andreas total um 
gebaut und nur Teile der Westseite innerhalb der goti 
schen Westseite erhalten, während die Heiligkreuzkirche 
und St. Moritz durch die Barockzutaten stark verändert 
sind. Im Heiligkreuz begegnen wir der einen Pfeiler 
basilika mit Emporen und flachen Holzdecken, eine sel 
tene Anlage, während St. Moritz als eine Säulenbasilika 
(1068) von großem Interesse, insofern wahrscheinlich der 
spätere Bischof Benno von Osnabrück, ein geborener 
Schwabe und in Straßburg, Reichenau und Speyer vorher 
tätig, die spezifisch süddeutsche Form der Säulenbasilika 
dem Norden überliefert hat. Die kleine Kirche bildet 
trotz ihrer barocken Zutaten auch jetzt eine der stimmungs 
vollsten Raumschöpfungen der Hildesheimer Baukunst. 
Deutscher Arbbitgeberbund eür das Baugewerbe. 
Die Tagesordnung für die am 14. und 15. März in Mün 
chen stattfindende 7. ordentliche Generalversammlung 
befaßt sich u. a. mit folgenden wichtigen Fragen: Ein 
richtung von Arbeitsnachweisen, Versicherung gegen 
Streikschäden, Sicherung der Bauforderungen, Statuten 
änderungen, Auflösung des Aufsichtsrats und des Arbeits 
ausschusses. Das Nähere enthält die im Anzeigenteil 
veröffentlichte Tagesordnung. 
WETTBEWERBE 
Freiburg. Der Verband ehemaliger Angehöriger von 
Korps an den technischen Hochschulen Deutschlands, der 
Weinheimer S.-C., erließ vor einiger Zeit unter seinen 
Mitgliedern ein Preisausschreiben zu einem Krieger 
denkmal (mit Festhalle und Festplatz für die jährlichen 
Tagungen des Verbandes), das auf den 400 m hohen 
Wachenberg bei Weinheim zu stehen kommen soll, der 
sagenumwobenen Burg Windeck gegenüber. Unter den 
16 Bewerbern erhielt Diplom-Ingenieur W. Bauer in 
Freiburg (in Firma Ludwig Mayer & W. Bauer, Archi 
tekten) den ersten Preis. 
Vereinshaus des Bonner Eisklub, Bonn. Auf das Aus 
schreiben sind 61 Entwürfe eingelaufen. 
Friedhoekapelle und Portal zu Zerbst i. A. Der 
Wettbewerb erfuhr eine sehr starke Beteiligung; es liefen 
223 Entwürfe ein. 
Bad Harzburg. Wettbewerb zur Erlangung von Ent 
wurfskizzen für kleine Sommervillen im Harz. Ein 
solches Landhaus soll außer Küche und Nebenräumen 
enthalten: Wohnzimmer (125 qm), Elternschlafzimmer 
(20—25 qm), zwei bis drei Kinder- und Dienstboten 
schlafzimmer und eine Hauslaube und soll für 7600 M. 
bei 16 M. pro Kubikmeter umbauten Raumes herstellbar 
sein. Das Preisausschreiben wird in der Absicht erlassen, 
den Sommergästen Musterpläne für billige Sommerwohn 
sitze vor Augen zu führen. 
KLEINE MITTEILUNGEN 
Die Aussichten der mittleren Techniker in Württem 
berg. In der unter dieser Ueberschrift veröffentlichten 
Zuschrift in Nr. 7 sind zwei Druckfehler zu berichtigen. 
Seite 57 muß es Spalte 1 heißen: „Notariats-, Verwal- 
tungs- oder Finanzdienst“ und Spalte 2: „durch ihre 
Tüchtigkeit“ statt Tätigkeit. 
Im Württembergischen Kunstgewbrbevbrein sprach 
am 13. Februar Professor Peter Behrens, Direktor der
	        

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