Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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FÜR W eIRTTEMBERG 
BADEN HESSEN ELr 
SASS-LOTHRINGEN 
Stuttgart, 6. April 1907 
Inhalt: Balkon- und Fensterblumenschmuck in den Städten. — Unsre Bilder. —Vereinsmitteilungen. 
Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Bücher. — Zur gell. Beachtung! 
' ■KAUSTFIIN. 
Alle Rechte Vorbehalten 
Balkon- und Fensterhlnmensclimnck in den Städten*) 
Von Joseph Buerbaum - Solothurn, früher Düsseldorf 
Ein Spaziergang durch die Straßen. Weich ein freudiges, 
farbenreiches Bild. Den sonst zur Winterszeit so toten 
und kalten Häusermassen ist Lehen eingehaucht. Der 
Blumenschmuck, üeberall grünt und blüht es am Fenster, 
Erker, Balkon, auf der Veranda; sowohl in den reichen 
als auch armen Stadtvierteln. 
Wo im Fenster armer Leute 
O ja. Ach wie wohl tun sie, wie erquickend und er 
frischend wirken sie auf Herz und Gemüt. Die Blumen 
fördern den häuslichen Sinn, die Zufriedenheit und Trau 
lichkeit, sie versöhnen uns mit so manchen Widerwärtig 
keiten des Lebens. Oft sind sie nur der einzige Lichtblick 
in armen Wohnungen, der einzige Schmuck eines sorgen 
vollen Daseins. 
Blumenkästen reichlich stehn, 
Mein’ ich, wohnt in kleiner Hütte 
Sinn fürs Schöne, reine Sitte. 
Ja, eine schöne Sitte, ein recht erfreuliches Zeichen, 
das beweist, wie sehr sich der Mensch nach dem Um 
gänge mit der Natur, mit Blumen und Pflanzen sehnt. 
Von jeher bestand ja zwischen dem Menschengeschlechte 
ünd dem Pflanzenreiche ein inniger Freundschaftsbund, 
und dieser wird auch in Zukunft bestehen bleiben. 
Das Großstadtleben! Wie hastig und aufgeregt es 
dahinfließt. Es läßt dem Menschen fast keine Zeit 
zur wirklichen Erholung. 
Ueberanstrengung der 
Nerven, wo man hinsieht. 
Wie nüchtern oft die 
Beschäftigung, wie kalt 
die Menschen. Die vielen 
Bureauleute! Welch 
bleiche Gesichter! Tag 
für Tag, Jahr für Jahr 
eine an Abwechslung 
wenig reiche Tätigkeit. 
Immer und immer die 
selbe Arbeit in denselben 
eintönigen Bäumen. 
Man kann es ver 
stehen , wie besonders 
diese Menschen sich so 
sehr nach einer Erholung 
sehnen. Wer bringt sie? 
Nur die Betätigung mit 
der Natur. Die Blumen? 
Was werden doch nicht alles für Luftschlösser ge 
baut! Wer hätte nicht einmal den Gedanken, die Hoff 
nung gehabt, dereinst ein trauliches Heim mit einem 
Gärtchen zu besitzen, darin er selbst Blumen, Gemüse 
und Obst heranziehen kann. Aber das Großstadtleben 
bringt es mit sich, daß die Blumenkultur im eignen 
Garten meist ein frommer Wunsch bleibt, nur wenigen 
wird dies Glück zuteil. 
Willkommenen Ersatz dafür bieten uns aber Baikone, 
Fensterbretter, Lauben, Dachgärten u. s. w. Diese mit 
Blumen und Schlinggewächsen geschmückt, verleihen 
dem sonst so einförmigen 
Straßenzuge einen lie 
benswürdigen Anstrich. 
Eine Zierde nicht nur 
für die Bewohner des 
Hauses selbst, sondern 
auch V orübergehende, 
Einheimische sowohl als 
auch Fremde, erfreuen 
sich daran. 
Wir haben also auch in 
der Ausschmückung der 
Häuser mit Blumen ein 
sehr wesentliches Mittel 
zur Verschönerung des 
Städtebildes. Viele Ar 
chitekten tragen bereits 
schon der Neigung und 
den Wünschen der Be 
völkerung Bechnung, in 
dem sie Ealkone, Erker, 
Veranden u. s. w. nach 
Möglichkeit bei Neu 
bauten anbringen. Es ist 
ganz gewiß, daß eine 
Familie zehnmal eher 
*) Aus der Zeitschrift 
„Der Städtebau“ mit Erlaub 
nis des Verlags (Ernst Was- Entwürfe von Studierenden der Kgl. Baugewerkschule Stuttgart unter 
muth-Berlin) entnommen. Leitung von Direktor P. Sohmohl. ßathausentwurf von C. Birk
	        

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