Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN HESSEN ELr 
SASS - LOTHRINGEN* 
Stuttgart, 27. April 1907 
Inhalt: Entwurfskizzen für einen Synagogenbau in Frankfurt a. M., Westend. — Zum Wiederaufbau der 
Burg Altena in Westfalen. — Die Würfelfestigkeit des Stampfbetons. — Hebung der deutschen Studenten 
kunst. — Bautechnische Rundschau. — Schmiedearbeiten, entworfen von Architekt Chr. Schneider, Berlin. 
— Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Bücher. — Briefkasten. 
Alle Rechte Vorbehalten 
Entwurfskizzen für einen Synagogenbau in Frankfurt a. M v Westend 
In dem diesbezüglichen Wettbewerbe waren folgende 
Bedingungen gestellt: Der Synagogenbau soll 1200 Plätze 
enthalten, davon ca. ein Drittel auf den Emporen. Orgel 
und Plätze für 40 Sänger sind vorzusehen. Eine Wochen 
tagsynagoge mit etwa 60 Sitzen kann als Yorraum für 
die große Synagoge gedacht sein. Für ausreichende, be 
queme und zugfreie Garderoben ist Sorge zu tragen. Es 
sind genügend viele, entsprechend verteilte Klosetts nebst 
Yorräumen mit Waschgelegenheit anzulegen. Ein teil 
barer Empfangssaal für Trauungen ist mit besonderer 
Vorfahrt erforderlich. Ferner sind einige Räume für den 
Gemeindevorstand, Rabbiner, Kantor und Synagogen 
vorstand sowie für das Archiv vorzusehen. In einem 
Nebenbau soll eine Kastellanswohnung, eine Schule mit 
vier Zimmern und die Dienstwohnung für den Rabbiner 
enthalten sein. Die Flächenmaße der Sitze müssen 
56x90 cm betragen. Besonderer Wert wird auf reich 
liche Anordnung und Bemessung der Gänge, Türen, 
Windfänge, Flure, Treppen und Notausgänge gelegt. Für 
die Gesamtanlage wurde als wünschenswert bezeichnet, 
das Nebengebäude mit dem eigentlichen Synagogenbau 
in geeigneter Weise derart zu verbinden, daß eine schöne 
Gebäudegruppe, etwa mit einem kleinen Vorhof, gebildet 
wird. Außerdem war eine ruhige, monumentale ümriß- 
linie des Gebäu 
des anzustreben. 
Für die Baukosten 
stehen 550000 M. 
zurVerftigung. Der 
Bauplatz ist ein 
günstig gelegener 
Eckplatz. 
Trotz der im 
merhin viel Arbeit 
erfordernden, gro 
ßen Aufgabe waren 
nicht weniger als 
109 Projekte ein 
gelaufen , ein Be 
weis, daß die Be 
arbeitung eine 
dankbare und inter 
essante war. Als 
Preisrichter fun 
gierten u. a. die 
Architekten Pro 
fessor Hocheder- 
München, Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann - Darmstadt, 
Geh. Baurat Prof. Landsberg - Darmstadt. Die Preise 
wurden wie folgt verteilt: I. Preis 4500 M. Architekten 
Graf & Röckle - Stuttgart, II. Preis 3000 M. Architekt 
W. Wellerdick-Frankfurt a. M., III. Preis 1500 M. 
Architekt Prof. Fr. Pützer-Darmstadt. Zum Ankauf 
empfohlen wurden die Entwürfe der Architekten H. Fuhr- 
Frankfurt a. M., Graf & Röckle-Stuttgart, E. Römer- 
Berlin, Delisle & Ingwersen-Mtinchen. 
Wir bringen die beiden Entwürfe der Architekten 
Graf & Röckle - Stuttgart zur Darstellung. Das Preis 
gericht äußerte sich darüber wie folgt : Bei dem mit dem 
I. Preis ausgezeichneten Plane ist Grundriß und Aufbau 
in allen Teilen organisch gelöst und vorbildlich durch 
gearbeitet. Die ganze Gebäudegruppe zeigt eine ruhige, 
schön abgerundete Umrißlinie und einen vortrefflichen 
Gegensatz zwischen der gelagerten Masse des Wohn 
hauses und der aufstrebenden Teile der Synagoge. Be 
sonders hübsch ist der durch einstöckige Gebäudeteile 
eingeschlossene Yorhof. Der Plan erscheint ohne wesent 
liche Aenderungen ausführbar. Das angekaufte Projekt 
zeigt mit dem vorbesprochenen im Aufbau manche Aehn- 
lichkeit, ohne an dessen Vorzüge heranzureichen. Im 
Grundriß und Aufbau sind große Vorzüge dem Ent 
wurf nicht abzu 
sprechen, wiewohl 
der Eintritt in das 
Gebäude nicht der 
Würde eines Got 
teshauses ent 
spricht. Die Ein 
fügung einerRaum- 
erweiterung an die 
ser Stelle wäre 
absolut erforder 
lich gewesen. Die 
Ausführung der 
Synagoge erfolgt 
auf Grund der mit 
dem I. Preis be 
dachten Arbeit, so 
wurde den Archi 
tekten Graf & 
Röckle die weitere 
Bearbeitung der 
Pläne u. s. w. über 
tragen. 
Wettbewerb Synagoge Frankfurt a. M., I. Preis. Architekten Graf & Röckle, Stuttgart
	        

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