Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

27. April 1907 
BAUZBITUNG 
131 
Synagoge Frankfurt a. M. 
Fassaden 
werden. Volkstümliche Feste größeren Stils sollen hier 
veranstaltet werden, aber ist der Platz hier oben jetzt 
schon knapp, so wird durch die geplanten neuen Riesen 
bauten die letzte Möglichkeit für solche Festlichkeiten 
beseitigt. Die vaterländische Gesinnung soll hier sich 
neu beleben und stärken, aber wie ist das denkbar vor 
steinernen Truggebilden, die gar nichts mit vaterländischen 
Erinnerungen zu tun haben, die vielmehr eine willkürliche 
Schöpfung der Neuzeit sind? Vaterländische Sammlungen, 
Zeugnisse des Gewerbefleißes der Grafschaft Mark, sollen 
hier untergebracht werden; aber wo diese hernehmen und 
nicht stehlen? Das, was in Altena bisher für einen 
solchen Zweck gesammelt ist, ist in zwei bis drei kleinen 
Zimmern unterzubringen und hat nur geringen Wert. Die 
StädteDortmund, Soest 
u. s. w. aber werden 
sich sorglich hüten, ihre 
kostbaren Schätze nach 
Altena abzugeben. Er 
holung soll der moderne 
Mensch nach vollbrach 
ter schwerer Tages 
oder W ochenarbeit hier 
oben finden; aber findet 
er diese hier nicht viel 
besser inmitten der 
jetzigen romantischen, 
blühenden, grünenden 
Herrlichkeit als zwi 
schen den geplanten Steinmassen, die noch dazu 
die Aussicht in die prächtigen Täler und auf die hohen 
Berge der Umgegend ganz unnötig beeinträchtigen? Wo 
bleiben also alle Zweckbestimmungen des umfangreichen 
Neubaues, bei dessen Herstellung der Architekt mit 
600 000 M. auszukommen hofft, der aber nach ander 
weitiger Schätzung Millionen verschlingen wird? 
Wir bedauern aufrichtig, zu dieser öffentlichen Fest 
stellung gezwungen worden zu sein. Niemand kann ver 
ehrungsvoller unsers erhabenen Herrscherhauses gedenken 
als wir; niemand kann sich mehr freuen als wir, wenn 
das Jahrhundertfest der Vereinigung der Grafschaft Mark 
mit Kurbrandenburg feierlich begangen und die schuldige 
Dankbarkeit gegen die Hohenzollern hierbei bekundet wird. 
Aber nach unsrer festen Ueberzeugung konnte nichts aus 
gedacht werden, was dem der geplanten Feier zugrunde 
liegenden guten und gesunden Gedanken mehr schaden 
könnte als der jetzt vorliegende Entwurf. Angesichts 
der unmittelbar drohenden Gefahr, daß Millionen für 
einen den Absichten der Geber und der Grafschafts 
eingesessenen geradezu widersprechenden, historisch un 
wahren, kunstgeschichtlich unhaltbaren, praktisch völlig 
wertlosen Plan verausgabt und daß unschätzbare histo 
rische und landschaftliche Stimmungswerte unwiederbring 
lich zerstört werden, darf uns keine Rücksicht davon 
abhalten, eindringlich vor dem Plan in seiner gegen 
wärtigen oder in einer ihm auch nur annähernd ähnlichen 
Gestalt zu warnen. 
Münster und Hagen, im Februar 1907. 
Dr. Hermann Ehrenberg, ordentl.Professor der Kunst 
geschichte an der Uni 
versität Münster i. W. 
Karl Ernst Osthaus, 
Besitzer und Leiter 
des Museums Folkwang 
zu Hagen. 
Die Wtirfel- 
festigkeit des 
Stampfbetons 
Von Baurat Schmid 
In den Leitsätzen für 
die Vorbereitung, Aus 
führung und Prüfung von Bauten aus Stampfbeton, welche 
im vergangenen Jahre unter Mitwirkung von Vertretern 
der Ministerien und Versuchsanstalten deutscher Bundes 
staaten sowie andrer Sachverständiger vom Deutschen 
Betonverein aufgestellt und in den Buchhandel gegeben 
worden sind, ist unter den Bauvorlagen und Eingaben 
auch die Angabe der für jeden Bauteil erforderlichen 
Druckfestigkeit des Betons, welche vom Unternehmer 
gewährleistet wird, aufgeführt. Als die Druckfestigkeit, 
welcher ausschlaggebende Bedeutung für die Bewertung 
des Betons zugemessen ist, wurde dabei die Würfel- 
festigkeit nach 28 Tagen bezeichnet. In den zugehörigen 
Erläuterungen wird gesagt, daß auf die Festigkeit des 
Betons außer dem Mischungsverhältnis von wesentlichem 
Einfluß sind: die Eigenschaften der Baustoffe, die Wasser 
menge, die Art der Bereitung und der Verarbeitung der
	        

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