Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

BAUZESTUN 
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN HESSEN EL 
SAS S - LOTHRINGEN 
Stuttgart, 11. Mai 1907 
Inhalt: Kontinuierliche Balkenbrücken aus Eisenbeton. — Wohn- und Geschäftshäuser in Freiburg i. B. 
— Die Architektur großer gärtnerischer Anlagen. — Kölner Ausstellung 1907. — Vereinsmitteilungen. — 
Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Anfragen. 
•HACKl'HIN' — 
Alle Rechte Vorbehalten 
Kontinuierliche Balkenbrücken aus Eisenbeton 
Von Dipl.-Ing. S. Zipkes, Zürich 
(Schluß) 
Die noch so genaue Durchführung der statischen Berech 
nung kann für die Festigkeit von Eisenbetonkonstruktionen 
nicht allein maßgebend sein. Schon dadurch, daß die 
wirkenden Lasten und statischen Verhältnisse nur selten 
genau ermittelt werden können, ist die sogenannte Ge 
nauigkeit hinfällig. Die Art und Weise der Ausführung 
aber und die praktische Gestaltung der Konstruktion 
kann insofern maßgebend werden, als dieselben dem Ver- 
bundkörper alle diejenigen Eigenschaften verleihen und 
alle die Annahmen bestätigen können, welche der Berech 
nung zugrunde gelegt werden. 
Bei kleineren Spannweiten 
haben wir bei Yerbundkörper 
in der Hauptsache mit zwei 
Arten von Eiseneinlagen zu 
tun. 
Es . werden Längseisen 
als Ober- und Untergurt und 
Quereisen, welche Bügel ge 
nannt werden, zur Verbin 
dung derselben verwendet. 
Die Längseisen haben Scher-, 
Druck- und in der Hauptsache 
Zugspannungen, die Bügel 
in der Hauptsache Schub 
spannungen aufzunehmen. 
Das Material eines solchen 
Balkens wird bekanntlich 
nach allen Eichtungen hin 
verschieden beansprucht, so 
daß die Einlagen durch einen 
entsprechenden Zusammen 
hang in sich und mit dem 
Beton dem entstandenenVer- 
bundkörper diejenigen Eigen 
schaften verleihen, welche 
ihn in die Lage setzen, allen 
diesen nach allen Eichtungen 
hin verschieden wirkenden 
Kräften wirksam zu wider 
stehen. Es sind somit 
nicht nur diejenigen An 
strengungen des Materials 
zu berücksichtigen, welche 
durch die gewöhnliche Er 
mittlung von gewissen Span 
nungen in gewissen Quer 
schnitten bestimmt werden, wobei aber dieser innige Zu 
sammenhang im strengen Sinne unberücksichtigt bleibt. 
Das Vorhandensein dieses erst durch die Praxis be 
stätigten Zusammenhanges hängt in erster Eeihe von der 
Art und Weise ab, wie die Einlagen im einzelnen geführt 
werden und verteilt sind. Die sogenannten Bügel ge 
nügen allein zur wirksamen Aufnahme der Schubspan 
nungen, sobald dieselben keine beträchtlichen Werte er 
reichen, in welchen Fällen andre Vorkehrungen zu treffen 
sind. Mit den Schubspannungen wachsen auch die Zug 
spannungen in der Eichtung 
der Zugtrajektorien; die 
selben werden zuerst gefähr 
lich, indem Zugrisse ent 
stehen können. Demgegen 
über wird ein Teil der Unter 
gurt oder Obergurt schief 
geführt. Diese schrägen Eisen 
haben dann die schiefen Zug 
spannungen und die Schub 
spannungen aufzunehmen. 
Sobald aber die in der Eich 
tung der Zugtrajektorien auf- 
.tretenden größten Zugspan 
nungen aufgenommen sind, 
so werden von neuem die 
Schubspannungen gefährlich, 
in welchem Falle dann der 
Beton und eine Vermehrung 
der Bügel dieselben wirksam 
aufnehmen können. Die Bügel 
haben wichtige Funktionen 
zu erfüllen, und dieselben 
müssen genau ermittelt und 
bei der Ausführung genau 
berücksichtigt werden. 
Je nachdem man einen der 
vorher angeführten Stand 
punkte einseitig einnimmt, 
wird man auf viele sogenannte 
Systeme geführt, welche 
meistens einer dieser Wir 
kungen in der Hauptsache 
Berücksichtigung schenken. 
Was die architektonische 
Ausbildung anbetrifft, so ist 
stets davon auszugehen, den 
Abb. 1 
Mühlgrünkanalbrücke in Cannstatt 
Vergleich des Projektes in Eisen- und Eisenbetonkonstruktion 
Abb. 2
	        

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