Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

11. Mai 1907 
BAUZEITUNG 
147 
Wolm- u. Geschäftshäuser in Freiburg i.B. 
Architekten Kegierungsbaumeister Mallebrein 
und Professor H. Billing, Freiburg - Karlsruhe 
Die uns zur Reproduktion überlassenen Arbeiten der 
bekannten Architekten dürften unsern Lesern manches 
Neue und Interessante zeigen. In eigenartiger, wirkungs 
voller Auffassung bearbeiten beide Künstler die vielerlei 
Aufgaben, stets Abwechslung bietend in der Gestaltung 
der Gesamtformen wie der Details. Allen Arbeiten ist 
der Stempel der Persönlichkeit aufgedrückt. Besonders 
eigenartig ist die Fassadenentwickung des Geschäftshauses 
der Freiburger Zei 
tung. Hier ist keine 
Kopie und gedan 
kenloses Fortleben 
eines früheren Bau 
stiles, sondern neues 
Weiterentwickeln in 
vorbildlicher Weise. 
Niemand wird be 
haupten , daß diese 
Holzarchitektur des 
Giebels eine Alter 
tümelei sei, nein, sie 
zeigt, daß man noch 
neue Formen erfin 
den kann, die unserm 
modernen Empfin 
den entsprechen.Y on 
den beiden Eckhäu 
sern zeigt insbeson 
dere das zweite einen 
reizvollen Aufbau. 
In wirkungsvoller 
Weise beleben vor 
tretende Säulen die 
sonst einheitlich und 
ruhig gehaltenen 
Fassadenflächen. 
Das ganze Haus hat 
ein repräsentieren 
des, vornehmes 
Aeußere, leider sind 
derartige vorbildlich 
wirkende Anlagen 
noch seltene Erschei- 
Die Architek 
tur großer 
gärtnerischer 
Anlagen 
Wohn- und Geschäfts 
haus in Freiburg i. B. 
Immer mehr wer 
den unsre Architek 
ten zur Projektie 
rung von gärtnerischen Anlagen herangezogen, und es 
ist ein Glück zu nennen, daß schon verschiedene Stadt 
verwaltungen die Vorteile erkannt haben, die hieraus den 
ausschreibenden Städten entspringen. Durch die große 
Fülle der Ideen, die bei derartigen Wettbewerben ent 
gehen, bekommt man mehr Material zur Bearbeitung und 
eventuellen Ausführung, als wenn die Projektierung von 
den Bauämtern, Gartenarchitekten u. s. w. der betreffen 
den Stadt besorgt wird. In neuerer Zeit war es unter 
anderm der Rosengarten-AVettbewerb in Worms, 
der in zahlreichen Entwürfen zeigte, wie die Architektur 
einer großen gärtnerischen Anlage äußerst reizvolle 
Motive bilden kann. Die weiteren Wettbewerbausschrei 
bungen in Biebrich a. Rh., Schöneberg bei Berlin und 
Hamburg geben Zeugnis, daß man in weiten Kreisen 
immer mehr einsieht, daß für gärtnerische Anlagen großer 
Grundstücke die Hilfe eines tüchtigen, ideenreichen 
Architekten nötig ist, damit auch hier wie im Hausbau 
interessante Motive geschaffen werden. Der Aufforderung 
von verschiedenen Seiten folgend, geben wir heute einige 
interessante Partien des Wormser Wettbewerbs wieder, 
die sicherlich auch weiterhin Anregung bieten werden 
und unsre Architekten auf das Studium eines im Städte 
bau wichtigen Gebietes hinweisen. Ist doch gerade in 
großen gärtnerischen Anlagen schon viel verdorben und 
nicht mehr gutzu 
machen. Man sehe 
nur manchen so 
genannten Park und 
die meisten Fried 
hofsanlagen , auch 
die der größeren 
Städte, an. 
Wohl kaum ist 
eine Stadt in deut 
schen Landen so eng 
von Geschichte und 
Sage umwoben wie 
das altehr würdige 
Worms a. Rh. Das 
Nibelungenlied läßt 
es uns als Stätte 
wunderbarer V er 
gangenbeit der alten 
Heldenzeit erschei 
nen. Ebenso hat 
hier die Rosengar 
tensage den Schau 
platz ihrer Hand 
lung, hier blüht und 
duftet in ungezähl 
ten Rosen die Pracht 
des Gartens der 
Kriemhilde. 
Die Erinnerung 
an diese Heldensage 
mitihrem blüten-und 
sagenumgebenen 
Schauplatz in einer 
großzügigen Anlage 
wieder neu aufleben 
zu lassen, beabsich 
tigt der W ormserRo- 
sengartenausschuß. 
Hierzu wurde ein 
Ideenwettbewerb 
unter deutschen 
Künstlern ausge 
schrieben und ein 
genau festgelegtes 
Programm demsel 
ben zugrunde gelegt. 
Eine^bereits vorhandene Anlage ist zum Rosengarten 
zu gestalten; an demselben wird ein 19 m Hügel an 
genau bezeichneter Stelle geplant, ebenso ein Park 
gebäude mit großer Restauration nach ausgearbeiteten 
Plänen des Stadtbauamts. Der vorhandene kreisförmige 
Ulmenplatz soll mit dem Hügel und Parkgebäude der 
Mittelpunkt der Anlage werden. Größere Erdbewegungen 
sind zu vermeiden, der Baumbestand ist möglichst zu 
schonen und eine mäßige Anlage von sprudelndem Wasser 
gestattet. Eine Anlagesumme für das Projekt wurde, 
um angeblich der Phantasie der Künstler keine Be 
schränkung zu tun, nicht vorgesehen. 
Es waren bedauerlicherweise in dem Preisgericht die 
Architekten Regierungsbaumeister Mallebrein 
und Professor Billing, Freiburg - Karlsruhe
	        

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