Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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25. Mai 1907 
BAUZEITUNG 
165 
Projekt zu einer Landkirclie mit Pfarrhaus 
Von Architekt ß. Gebhardt, in Firma Mohr & Gebhardt, Stuttgart 
Die projektierte Kirche liegt mit ihrer Westseite an 
der Hauptstraße, Hauptschiff und Pfarrhaus umschließen 
den Kirchplatz, welcher nach der Straße durch eine 
Mauer abgeschlossen ist. Besonderer Wert wurde auf 
ein malerisches Gesamtbild von Kirche und Pfarrhaus 
gelegt. Orgel und Sänger finden im Chor auf einem 
Podium Platz, der Taufstein wird in einem Abteil des 
Chores aufgestellt. Vom Pfarrhaus führt ein gedeckter 
Gang nach der im Erdgeschoß des Turmes befindlichen 
Sakristei. Die Kirche enthält 300 Sitzplätze im Erd 
geschoß und 120 auf den Emporen. Im Pfarrhaus be 
finden sich im Erdgeschoß Studier- und Amtszimmer, im 
Obergeschoß die nötigen Wohnräume. Die Architektur 
ist einfach und gefällig, die Mauerflächen sind geputzt 
und werden teilweise mit Putzornamenten versehen; Ein 
fassungen und Gesimse sind in Haustein gedacht. 
Zum Wettbewerb: SclHilliausbauten 
für Stuttgart und Untertürkheim 
Dieser Wettbewerb hat eine erfreulich große Zahl von 
Arbeiten und, was wichtiger ist, eine erfreulich große 
Zahl guter Arbeiten geliefert. Daß unter solchen Um 
ständen mancher Konkurrent erfolglos seine Kräfte ein 
gesetzt hat, ist natürlich und muß bei der beschränkten 
Zahl der zur Verfügung stehenden Preise jeder Mit 
arbeiter auf einen solchen Ausgang gefaßt sein. Eine 
kleine Kritik an der „Kritik“ sei aber doch gestattet. 
Beim Schulhausbau am Lerchenrain zeigt der mit dem 
I. Preis ausgezeichnete Entwurf eine Lösung für die 
Situierung der Turnhalle, welche meines Erachtens nicht 
ausführbar ist. Es ist dort die Turnhalle unter die vor 
dem Gebäude gelagerte Terrasse eingeschoben, sie ist 
also nur von vorne, d. h. nur von einer Seite be 
leuchtet. Daß dieser remisenartige Raum nicht als 
Turnhalle verwendet werden kann, erscheint einleuchtend, 
denn er entspricht den Anforderungen an Licht und Luft, 
welche an eine solche gestellt werden müssen, in keiner 
Weise. Der künstlerisch auf hoher Stufe stehende Ent 
wurf hätte bei der Wichtigkeit, welche der Turnhallen 
frage beizumessen ist, deshalb beanstandet werden müssen. 
Die übrigen preisgekrönten Arbeiten dieser Auf 
gabe zeigen recht interessante 
Lösungen; daß zum Teil aber 
über die Höhe der Baukosten 
mit souveräner Ueberlegenheit 
weggegangen wurde, möchte 
doch betont sein, da im Bau- 
prograram eine bestimmte Bau 
summe fixiert war, die nicht 
überschritten werden sollte. 
Beim Schulhausbau Unter 
türkheim fällt auf, daß die Be 
stimmung des Programms; haus 
hälterische Verwendung des 
Platzes und tunlichste Erhaltung 
des Spiel- und Festplatzes ganz 
außer acht gelassen worden ist. 
Wenn das Preisgericht auf solche 
Bestimmungen des Programms 
keinen Wert legt, so wäre es 
wohl richtig, solche überhaupt 
nicht aufzunehmen. Ferner ist 
mir aufgefallen, daß eine preis 
gekrönte Arbeit fröhlich auf 
fremdes Gebiet baut. Ob in 
Untertürkheim dies zulässig ist, 
weiß ich nicht; hier in Stuttgart Landkirche mit Pfarrhaus 
würde man jedenfalls üble Erfahrungen mit solchen Ver 
suchen machen. 
Zum Schluß möchte ich noch auf einen Punkt auf 
merksam machen: Außer den vorgeschriebenen Zeich 
nungen ist noch eine Anzahl Modelle von den Kon 
kurrenten eingesandt worden. Ich lege dem Umstand, 
daß gerade diejenigen Arbeiten, welche eine solche Bei 
gabe aufweisen, preisgekrönt sind, keinerlei Bedeutung 
hei, aber ich glaube, es ist richtig, alle nicht verlangten 
Zutaten beiseite zu legen, wie dies hei wichtigeren Kon 
kurrenzen üblich ist. Eine derartige Bestimmung wird 
mit Recht in den Programmen meist ausdrücklich auf 
genommen, um einen gleichen Maßstab zur Bemessung 
der Arbeiten zu besitzen. 
Stuttgart, 15. Mai 1907. 
Carl Heim, Rogierungsbaumeister. 
Y er einsmitteilungen 
Akad, Architekten-Verein „Motiv“, Stuttgart. 
Am 10. Mai fand die Besprechung der eingelaufeneu 
Entwürfe für ein Diplom im Sportszimmer der Lieder 
halle statt. Eingelaufen waren neun Entwürfe, die von 
;—~ 
SÄlliBi 
Architekt R. Gebhardt, Stuttgart
	        

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