Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAÜZEITUNG 
Nr. 25 
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Wettbewerb Schulhaus in Heslach. Hauptansicht. Ein Preis 1100 M. 
Architekt Professor P. Bonatz, Stuttgart 
zeit). Bei Anbringung der Garderobe und der Abtritte, 
wie überhaupt, sind die modernen Anforderungen der 
Schulhygiene, mindestens die Anforderungen der Ministerial- 
verfügung vom 27. Dezember 1870 zu beachten. Im Fall 
der Wahl eines hoben Daches soll darauf Bedacht ge 
nommen werden, daß die Dachräume im Bedarfsfall 
nutzbar gemacht werden können. 
Die gesamten Baukosten sollen für das Schulhaus 
am Lerchenrain die Summe von 512 000 M. nicht über 
schreiten. 
Zugelassen waren alle in Stuttgart wohnhaften Archi 
tekten. 
Das Preisgericht bildeten, die Herren Oberbürger 
meister v. Gauß, Bürgerausscbußobmann Dr. Erlanger, 
Prof. Th. Fischer, Prof. Robert v. Haug, Oberbaurat 
Mayer, Oberbaurat v. Reinhardt. 
Für jedes der beiden Schulhäuser waren drei Preise 
zu 1500 M., 1200 M. und 1000 M. ausgesetzt. 
Auf die öffentliche Bekanntmachung dieses Wett 
bewerbes sind im ganzen 106 Entwürfe eingereicht worden, 
und zwar: 
67 für das Schulhaus in Heslach und 
49 für das Schulhaus zwischen Untertürkheim und 
Wangen. 
Nachdem die Pläne in Beziehung auf die Erfüllung 
des Programms einer Vorprüfung unterworfen worden 
waren, ist das Preisgericht am 1. Mai 1907 zusammen 
getreten. Bemerkt wird, daß die Entscheidungen des 
Preisgerichts über die Preisverteilung einstimmig gefaßt 
worden sind. Bei dem Schulhaus in Heslach wurden 
bei einer ersten Prüfung 11 Arbeiten als nicht auf der 
Höhe der übrigen Entwürfe stehend ausgeschieden. Bei 
einer strengeren Prüfung mußten als für die engere Wahl 
nicht geeignet weitere 26 Entwürfe wegfallen. Von den 
verbleibenden 20 Entwürfen schied man sodann in einem 
dritten Rundgang 5 Entwürfe aus, die 
für die Preisverteilung und engste 
Wahl nicht in Betracht kommen konnten. 
Für die engste Wahl waren somit 
noch übrig 5 Entwürfe mit den Kenn 
worten; „Benjamin“, „Am Lerchen 
rain“, „Dominante“ „Am Rain“, „Ost 
ecke“. 
Nach eingehenden Erwägungen kam 
das Preisgericht zu der Anschauung, 
daß die Entwürfe „Benjamin“ und 
„Am Lerchenrain“ als gleichwertig zu 
erachten seien und daß wiederum die 
drei übrigen Entwürfe auf gleicher 
Stufe stehen; das Preisgericht hat 
deshalb von einer Dreiteilung der Preise 
abgesehen und die Summe in der Weise 
verteilt, daß die' Verfasser der Ent 
würfe „Benjamin“, Architekt Paul Bonatz, außerordent 
licher Professor an der Technischen Hochschule, und 
„Am Lerchenrain“, Klatte & Weigle, Atelier für Archi 
tektur und Innenausstattung, Stuttgart, je 1100 M., 
und „Dominante“, Architekt Eduard Brill, Stuttgart, 
„Am Rain“, Architekt F. E. Scholer, Stuttgart, „Ostecke“, 
Architekt Ludwig Bührer, Stuttgart, je 500 M. erhalten. 
Zu diesen letztgenannten Entwürfen äußert sich das 
Preisgericht folgendermaßen: 
„Benjamin“. Um für den Fernblick dem Gebäude 
eine dominierende Wirkung zu geben, ist die ganze An 
lage stark zurückgeschoben worden durch Auffahrtswege 
und Terrassen. Die bauliche Anlage besteht der Haupt 
sache nach aus einem Langbau mit kurzen und breiten 
Eckflügeln und aus einem linksseitigen, niedrigen, aber 
weit vorragenden Flügelanbau, der in einem Untergeschoß 
die Schuldienerwohnung und in zwei weiteren Haupt 
geschossen Klassenzimmer enthält. Charakteristisch für 
die Anlage ist die zwischen den vorspringenden Seiten 
flügeln eingebaute Turnhalle, die nur nach vornen Licht 
und Luft bekommt und sich gegen einen großen Vorplatz 
öffnet und die mit einer Terrasse abgedeckt ist. Die im 
linken Eck derselben geplante Verbindungstreppe mit der 
höher liegenden offenen Eingangshalle ist in der an 
gegebenen Weise kaum ausführbar; sie kann übrigens 
ganz entbehrt werden. Die Zugänge zum Hauptbau sind 
vom unteren Turn- und Spielplatz zu beiden Seiten durch 
symmetrisch angeordnete Treppenaufgänge gedacht. Der 
Hauptbau zeigt eine außerordentlich klare und zweck 
mäßige Grundrißanordnung mit Klassenzimmern in drei 
Geschossen mit gut gelegenen Treppen, geräumigen Vor 
plätzen und günstiger Verbindung derselben mit den 
Klassenräumen, die alle talwärts gerichtet sind. Ferner 
sind zwei getrennte, gutgelegene Abortanlagen durch alle 
Geschosse vorgesehen. Das Aeußere zeichnet sich durch 
eine einfache, aber wirkungsvolle und 
charakteristische Ausgestaltung aus und 
baut sich durch die über der Turnhalle 
angebrachte breite Terrasse in glück 
lichster Weise an dem aufsteigenden 
Gelände auf, wie dies an dem treff 
lichen Modell überzeugend zum Aus 
druck gelangt. 
„Am Lerchenrain“. Die Anlage 
setzt sich zusammen aus einem höher 
gelegenen Langbau mit rückwärts vor 
springenden Flügeln durch alle Stock 
werke und symmetrisch auf die Ecken 
talwärts gerichteten niedrigen, weit 
vorspringenden Flügeln, so daß zwischen 
diesen und dem Hauptbau ein großer 
terrassenartiger ebener Schulhof ent 
steht, der von der unteren Auffahrt 
durch seitliche Treppen zugänglich ist. 
Wettbewerb Schulhaus in Heslach. Hauptgesohoß. Ein Preis 1100 M. 
Architekt Professor P. Bonatz, Stuttgart
	        

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