Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

6. Juli 1907 
BAUZEITUNG 
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prinzipielle Bedeutung der Forderung des Achtstunden 
tages nach jeder Richtung hin klar zu werden. 
Im ähnlichen Sinne sprach sich Baumeister V a h 1 - 
Berlin aus, der auch noch auf die wichtigsten (bei 
früheren Gelegenheiten hier schon erwähnten) Vorgänge 
der Bewegung einging. Baumeister Heuer, der zweite 
Vorsitzende des Verbandes der Baugeschäfte von Berlin, 
kennzeichnete gebührend die wandlungsfähige Taktik der 
Gewerkschaften und erläuterte die einzelnen dadurch 
notwendig gewordenen Maßnahmen der Arbeitgeber. In 
dem der Redner die wichtigsten Phasen des Kampfes 
vorführte, war er genötigt, auch manches Schlaglicht aut 
jene Kreise der Industrie und des Handels fallen zu 
lassen, die ihre Unterstützung des Baugewerbes so ziem 
lich nur in schönen Worten erschöpfen. Das sei nicht nur 
bedauerlich für uns, sondern vor allem auch kurzsichtig 
für sie, denn jene Kreise sollten doch bedenken, daß wir, 
als Zwischengewerbe, fast mehr für sie als für uns 
kämpften. Zum Schluß seiner interessanten Ausführungen 
ging Baumeister Heuer auf den letzten Beschluß des 
Verbandes, betreffend die Einstellung der arbeitswilligen 
Leute vom 1. Juli d. J. ab, des näheren ein und richtete 
einen warmen Appell an die Vertreter der auswärtigen 
Verbände, dafür zu sorgen, daß kein Streikender aus 
Berlin anderweitig beschäftigt werde und daß andern 
falls der Zuzug arbeitswilliger Leute nach Berlin in jeder 
Weise gefördert werde. Eine solche Unterstützung Ber 
lins durch die auswärtigen Kollegen werde dazu bei 
tragen, den Kampf in Berlin zu einem guten Ende zu 
führen und die bedrohten Interessen des deutschen Bau 
gewerbes vor schwerem Schaden zu bewahren. 
Nach diesem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen 
Vortrage ging die Diskussion weiter; alle, und besonders 
Herr Fritz-Essen namens der rheinisch - westfälischen 
Verbände, versicherten Berlin ihrer weitestgehenden Unter 
stützung und gaben der Hoffnung auf eine baldige sieg 
reiche Beendigung des Berliner Arheitskampfes Aus 
druck. 
Inzwischen hatte Baurat Felisch eine Resolution ein 
gebracht, in der die Stimmung der Versammelten zum 
Ausdruck kam und die nach Vornahme einiger kleiner 
Aenderungen oder Zusätze durch den Vorstand den folgen 
den Wortlaut hat: 
„Die aus allen Gauen des Reiches heute versammelten 
Mitglieder des Vorstandes des Deutschen Arbeitgeber 
bundes für das Baugewerbe sprechen den Berliner Fach 
genossen und ihrer Vertretung, dem Verband der Bau 
geschäfte von Berlin und den Vororten, zu dem Abwehr 
kampfe gegen die sozialdemokratische und gänzlich 
unwirtschaftliche Forderung, Verkürzung des neunstün 
digen Arbeitstages, ihre wärmste Sympathie aus. Der 
Vorstand betont, daß dieser Kampf wegen der prinzi 
piellen Bedeutung seiner gänzlich außerhalb von Lohn 
differenzen liegenden Ursache geführt wird im Interesse 
des ganzen deutschen Bauhandwerks und des vaterländi 
schen Gewerbes überhaupt, dessen Konkurrenzfähigkeit 
auf dem Weltmarkt die Lasten unsrer sozialen Gesetz 
gebung kaum noch zu tragen vermag und durch eine 
weitere Einschränkung der Produktionsverhältnisse einen 
schwer zu überwindenden Schlag erleiden müßte. Zum 
Wohle der deutschen Volkswirtschaft ist des 
wegen auf das entschiedenste zu wünschen, daß es den 
Bauarbeitgebern Groß-Berlins in ihrem schweren und 
opfervollen Abwehrkampfe gelingen möge, das sozial 
demokratische Prinzip des Achtstundentages zurückzu 
drängen und dadurch nicht allein die bedrohten Interessen 
ihres örtlichen Handwerks, sondern auch die des gesamten 
deutschen Gewerbestandes vor schweren Erschütterungen 
zu bewahren.“ 
Diese Resolution wurde einstimmig angenommen und 
soll in der weitestgehenden Weise durch die Presse in 
der Oeffentlichkeit verbreitet werden. 
Gesteh. Böschung 
Abb. 14. System Feldmann, Elberfeld 
Yereinsmitteilungen 
Württ. Baubeamten-Verein. Da unser Verein sich 
seit seinem Bestehen (1899) vorzugsweise die Aufgabe 
gestellt hat, für die mittleren bautechnischen Beamten 
(geprüfte Bauwerkmeister) die gesetzliche Festlegung 
einer allgemeinen Schulbildung, welche nicht niedriger 
bemessen sein soll, als dieselbe durch Absolvierung der 
VI. Klasse einer höheren Bildungsanstalt erworben wird, 
zu erreichen, so sind wir genötigt, zu den am 19. Juni 
d. J. in der Kammer der Abgeordneten über die Durch 
führung dieses Wunsches geäußerten Bedenken Stellung 
zu nehmen. 
Wir haben zunächst hervorzuheben, daß dieser Wunsch 
dem Kgl. Staatsministerium letztmals in einer wohl- 
begründeten Eingabe vom 3. März 1906 nicht nur von 
uns, sondern auch vom Bauwerkmeisterverein Württem 
bergs und dem Württ. Bautechnikerverband, d. h. von 
den drei größten bautechnischen Vereinigungen des Lan 
des, welche zusammen gegen 2000 Mitglieder zählen, 
eingereicht worden ist. Hierauf ließ unterm 23. Juni 1906 
das Staatsministerium im Einverständnis mit den Kgl. 
Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten, Verkehrs 
abteilung, des Innern, des Kirchen- und Schulwesens 
und der Finanzen durch die Kanzlei des Staatsministe 
riums diesen Vereinen erwidern, daß es zurzeit unserm 
Wunsche nicht zu entsprechen vermöge. Gründe: Sach 
liche Bedenken im Interesse des öffentlichen Dienstes 
und der Kgl. Baugewerkschule, Abwarten der Wirkung 
der neuen Ordnung der Bauwerkmeisterprüfung und 
der Prüfung -im Wasserbaufach. Mit andern Worten: 
AVartet ruhig ab, bis der Bau 
technikerstand wieder so über 
füllt ist, daß die Frequenz 
der Baugewerkschule von 
selbst aufhört; wartet so 
lange, bis der Bautechniker 
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Abb. 16. System Feldmanu, Elberfeld
	        

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