Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-4,1907
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1907/234/
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN HESSEN EL 
SAS S - LOTHRINGEN 
Inhalt: Wettbewerb Sobulhausbauten in Stuttgart. — Einheitlich 
Eine neue Stadterweiterung in Mannheim. — Kirchenrenovierun 
nikern zu Gewerbelehrern in Württemberg. — Yereinsmitteilu: 
teilungen. — Personalien. — B 1 
IE 
(Schluß) 
Wettbewerb Sclmlhansbauten in 
B) Schulhaus zwischen Untertürkheim und Wangen. 
Alle Rechte Vorbehalten 
Das Schulhaus für Untertürkheim und Wangen soll 
auf das rechts an der Straße von Untertürkheim nach 
Wangen gelegene städtische Grundstück zu liegen kommen, 
die Baulinien sind für dasselbe noch nicht bestimmt. Die 
als Projekt eingezeichneten Straßenlinien dürfen nicht 
überschritten werden. Im übrigen ist die Situierung frei 
gegeben mit der Maßgabe, daß auf die Bedürfnisse des 
Gebäudes wie auf eine haushälterische Verwendung des 
Platzes Bedacht zu nehmen ist. Die Stellung unmittel 
bar an der Brückenstraße ist wegen des Lärms und 
Staubs ausgeschlossen. 
Das Grundstück ist auf 225 m über Meer zu erhöhen 
und kann für das Projekt als eben angenommen werden. 
Auf die Erhaltung des Spiel- und Festplatzes und 
der darauf befindlichen Linde ist tunlichst Rücksicht zu 
nehmen. 
Für das Schulhaus in Untertürkheim -Wangen gilt 
dasselbe Baumprogramm wie in Heslach, mit der einzigen 
Ausnahme, daß keine Turnhalle vorzusehen ist. 
In diesem Falle ist darauf Rücksicht zu nehmen, 
daß 8—12 Klassenzimmer mit 1 Saal, 1 Lehrerzimmer 
event. 1 Lehrmittelzimmer und weiteren Zubehörden 
(Abtritte) nicht sofort, sondern erst später ausgeführt 
werden sollen. Die Benutzung des Untergeschosses zu 
einer Schuldienerwohnung ist hier der Hochwassergefahr 
wegen ausgeschlossen. 
Für das Schulhaus in Untertürkheim-Wangen sollen 
die gesamten Baukosten die Summe von 482000 M. nicht 
überschreiten. 
Das Preisgericht mußte bei dem ersten Umgang 
10 Entwürfe ausscheiden, bei dem zweiten Umgang 
20 Entwürfe und bei dem dritten Umgang 12 Entwürfe. 
Für die engste Wahl blieben somit noch übrig 7 Ent 
würfe: „Am Lindeubaum“, „Maielies“, „Natur“, „Form 
undFarbe“, „Zur alten Linde“, „Bodenständig“, „Arcada“. 
Die Beratung des Preisgerichts führte zu dem Be 
schluß, auch in diesem Pall die zur Preisverteilung zu 
Gebote stehende Summe in andrer Weise zu verteilen, 
als geplant war. Es wurden Preise zuerkannt den Ent 
würfen; „Maielies“ 1300M., „Natur“, „Form und Farbe“, 
„Zur alten Linde“ je 800 M. 
Die drei übrigen Entwürfe mußten von der Preis 
verteilung ausgeschlossen werden, da eine wiederholte 
Vergleichung derselben mit den vorgenannten Entwürfen 
zeigte, daß letztere den ersteren gegenüber Vorzüge auf 
weisen. 
Die spätere Ermittlung ergab, daß Verfasser ist von 
Entwurf „Maielies“: Architekt P. Bonatz, außerordent 
licher Professor an der Technischen Hochschule; „Natur“: 
Architekt Fr. Müller; „Form und Farbe“: Architekt 
Fr. Müller; „Zur alten Linde“: Architekt Alfr. Fischer, 
sämtlich in Stuttgart. 
„Maielies“. Der Plan zeigt einen der Brücken 
straße parallel gelegten abgestaffelten einbündigen Lang 
flügel und einen im rechten Winkel anstoßenden zwei 
bündigen Querflügel, welche zusammen mit der Turnhalle 
den gegen die Brückenstraße liegenden Schulhof ein 
schließen. Die Hausmeisterwohnung ist als getrennter 
Bauteil dem Querflügel seitlich vorgelegt. Die Schul 
zimmer liegen gegen diesen Schulhof und gegen den 
Neckar hin. Die Lage gegen den Schulhof bringt zwar 
in der einspringenden Ecke für einen der Säle eine 
nicht einwandfreie Beleuchtung mit sich, sie hat aber den 
Vorteil, daß die Säle südlich liegen und daß die Stadt 
in der Verwendung des nördlich gelegenen Platzes un 
beschränkt ist. Die Entfernung von der Brückenstraße 
(23—30 m) ist eine genügende, so daß Belästigungen 
durch Staub und Lärm nicht zu befürchten sind. Zu 
bemängeln ist die Lage der Zeichensäle gegen Osten und 
die Lage und unorganische Angliederung des einen der 
selben im Erdgeschoß. Zugänge, Treppen und Korridore 
mit Kleiderablagen sind durchaus zweckmäßig in aus 
reichenden Abmessungen vorgesehen und vortrefflich be 
leuchtet. Die Einteilung der Untergeschoßräume beweist 
richtiges Verständnis für die bei einer Schule vorkommen 
den Bedürfnisse. Beim Aeußern ist die geschickte Gruppie 
rung hervorzuheben, mittels welcher bei lobenswerter Ein 
fachheit eine recht ansprechende Wirkung erzielt ist. Die 
Teilung in zwei Bauabschnitte ist in zweckmäßiger Weise 
berücksichtigt. Die Kosten sind mäßig. 
„Natur“. Die Lage des Schulgebäudes ist gut ge 
wählt: Am Eck der Brückenstraße und der neu projek 
tierten Straße, mit großem Schulhof gegen erstere, in 
dessen Mitte der alte Lindenbaum steht, während gegen 
die Turnhalle ein großer Spielplatz angeordnet ist. Durch 
Rücksichtnahme auf eine in Wirklichkeit nicht vorhandene 
Grenzlinie zeigt die bauliche Anlage einen unregelmäßigen 
Verlauf der Rückseite des Schulhofs und einen kleineren 
Flügelanbau auf dessen rechter Seite. Die Hausmeister 
wohnung ist als selbständiger kleiner Bau auf das Eck 
der Bauflucht der Brückenstraße und der einmündenden 
Seitenstraße gelegt. Die Grundrißanordnung des Schul-
        

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