Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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EAUZKITUNö 
Nr. 28 
V 
Wettbewerb Schule für Wangen Ein Preis 800 M. 
Motto „Form und Farbe“ Architekt Fritz Müller, Stuttgart 
xnerat von Straßen und Häusern. Aber Paris hat auf 
die Stimme der Stadtarchitekten gehört, und auf die 
klassisch gewordenen Straßenbauktinste des Präfekten 
Hausmann im Stile des zweiten Kaiserreichs sollen dort 
gerade jetzt wieder zwei große Durchbruchsavenuen 
folgen, deren eine sogar das „Palais Poyal“ in der Mitte 
durchschneidet. Und Wien bekommt seine Wald- und 
Parkgürtelstraße! Das muß für die werdenden Stadtteile 
Groß-Berlins vorbildlich sein! Yon dieser Ueberzeugung 
ist die mit drei größeren Abhandlungen und mit Plänen 
versehene Denkschrift der Architektenvereine erfüllt, und in 
dieser Ueberzeugung spitzt der Ausschuß dieser Vereine 
sein Werk zu dem Yorschlage zu, auf dem Wege eines Wett 
bewerbs einen künstlerisch, hygienisch und sozial vor 
trefflichen Bebauungsplan für das unbebaute Groß-Berlin 
zu erstreben, der da Einheitlichkeit verbürgt, wo jetzt 
die Einzelgemeinden aufeinander nicht Rücksicht nehmen. 
Wälder und Parkanlagen sollen geschützt und geschaffen 
und ein völliges Einverständnis über die notwendigen 
Enteignungsfragen angestrebt werden. Der Denkschrift 
sind u. a. Pläne von Groß-Berlin, der Höhenstraße in 
Wien, der geplanten Pariser Straßendurchbrüche, des 
Columbia-Distrikts, der Parkanlagen von New York bei 
gefügt. E. 
Eine neue Stadterweiternng in Mannheim 
Nur noch wenige Baublöcke des ersten Teiles der 
östlichen Stadterweiterung in Mannheim, dessen Be 
bauung zu Anfang der neunziger Jahre begonnen wurde, 
warten der Bebauung. Vielleicht wären die letzten Plätze 
schon unter dem Baugerüst, wenn auf ihnen nicht zur 
zeit die pompöse Ausstellung in Szene gehen würde, die 
zur Feier des 300 jährigen Bestehens der Stadt aller Welt 
die Vorderfassade der Mannhemia zeigen soll. Jeden 
falls wird das gesamte noch übrige Gelände in aller 
kürzester Zeit nach Schluß des Festjahres vergriffen sein. 
Wettbewerb Schule für Wangen Ein Preis 800 M. 
Motto „Form und Farbe“ Architekt Fritz Müller, Stuttgart 
Aber die Stadtverwaltung sputet 
sich, dem Architekten neue Gebiete zu 
eröffnen — der östlichen Stadterweite 
rung zweiten Teil. Es ist das ein 
ca. 140 ha großes Gebiet zwischen 
Seckenheimer Landstraße, Eisenbahn 
damm der Preußisch-Hessischen Bahn, 
Neckar und östlicher Stadterweiterung 
erstem Teil, jener künstlerisch fast völlig 
mißglückten Schöpfung. Schon seit drei 
Jahren sind vorbereitende Arbeiten im 
Gange, auf dem neuen Gelände ein 
Musterprodukt, eine ästhetisch vollen 
dete Anlage zu schaffen. Man mußte 
auch in der Tat bezüglich dieses zweiten 
Teiles ganz besonders auf der Hut sein, 
zumal einige zur Zeit der Anlage des 
erweiterten Luisenparkes in die Oeffent- 
lichkeit gedrungene Planskizzen die 
Absicht der städtischen Planbearbeiter 
erkennen ließen, das Schema des bisherigen Erweite 
rungsgebietes auf das neue Gelände abzuklatschen. 
Die Vorbereitungen scheinen jetzt zu Ende, denn 
dieser Tage ist ein Preisausschreiben zwecks Erlangung 
von Bebauungsplänen für das neue Erweiterungsgebiet 
erlassen worden, das recht erhebliche Preise aussetzt 
und hoffentlich eine sehr rege Konkurrenz entfachen wird. 
Im Preisgericht werden auch zwei Städtebauer von Ruf, 
Baumeister und Hocheder, allerdings noch der alten 
Schule angehörend, sitzen, während Oberbürgermeister 
Beck, der sich seit einigen Jahren sehr viel mit der 
modernsten Richtung im Städtebau beschäftigt, mit dem 
Vorsitz des Preisgerichts zugleich die Stelle des Volks 
wirts und Verwaltungsbeamten vertreten wird, der mit 
Recht bei diesen Fragen ebenfalls zu Wort zu kommen 
hat. Auch das spekulative Interesse der Häuserbauer 
ist durch Zuziehung von zwei Bauunternehmern gewahrt, 
hoffentlich nicht zum Schaden der guten Sache; denn 
man kann füglich nach dem bisherigen Gange der bau 
lichen Entwicklung Mannheims das größte Vertrauen zu 
den Mannheimer Häuserbauern nicht haben. Ob es dann 
nicht auch besser gewesen wäre, statt der beiden tech 
nischen Amtsvorstände noch den einen oder andern Künstler 
oder einen Hygieniker zuzuziehen, die doch wohl un 
parteiischer an die Frage hätten herantreten können, 
möchte ich dahingestellt sein lassen. 
Die Gestaltung des Bebauungsplanes selbst dürfte 
größeren Schwierigkeiten kaum begegnen, da das Gebiet 
nicht groß ist und die Hauptstraßenzüge durch die Ge 
staltung des Rennplatzes und des angrenzenden Luisen 
parkes sowie durch die Zugsrichtung der Seckenheimer 
Landstraße gegeben sind. Auch die im ersten Teil der 
östlichen Stadterweiterung schon bestehende Allee längs 
des Neckars dürfte im neuen Erweiterungsgebiet ihre 
Fortsetzung erfahren, da auf diese Weise sich eine be 
queme Rundfahrt um den Rennplatz und den Luisenpark 
für die Vehikel der Mannheimer Hautefinance schaffen 
läßt. Der Schwerpunkt der ganzen Neuanlage liegt ohne 
Zweifel in der Fortsetzung der Augusta- Anlage und 
der Einschaltung des einen oder andern Stadtplätzchens 
andrer Lösung als beispielsweise der des Charlotten 
platzes ! 
Da die Stadtgemeinde ausschließliche Eigentümerin 
des ganzen Geländes ist, also irgendwelche Rücksicht 
nahme auf private Interessen nicht obzuwalten hat, ist 
die Gelegenheit günstig, hier etwas Vortreffliches zu 
schaffen, vorausgesetzt, daß die Mannheimer Bauunter 
nehmer sich nicht nachher wieder alle erdenkliche Mühe 
geben, durch ein zusammenhangsloses Nebeneinanderbauen 
von Häusern bunt zusammengewürfelter Stilarten die 
Wirkungen der künstlerisch vollendeten Plangestaltung 
wieder aufzuheben. Dr. W. Weis.
	        

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