Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZEITUM 
FÜR WÜRTTEMBERG' 
BADEN HESSEN ELr 
SASS-LOTHRINGEN 
Stuttgart, 20. Juli 1907 
Inhalt: Die Arbeiterkolonie der Firma E. Merck zu Darmstadt. — Das Maß der Probebelastungen von 
Bisenbetonbauten im Hochbau. — Blitzableiter. — Das Bauen auf dem Lande. — Studentenkunat. — 
Yereinsmitteilungen. — Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Bücher. 
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Allo Rechte Vorbehalten 
Die Arbeiterkolonie der Firma E. Merck zu Darmstadt 
Architekt Professor Fr. Pü tz er-Darmstadt. Besprochen von Baurat H. W a g n e r - Darmstadt 
In seinem Vertrag über „die ästhetische und prak 
tische Ausgestaltung des Kleinwohnungshauses“, erstattet 
in der Hauptversammlung des Ernst-Ludwig-Vereins zu 
Darmstadt am 20. Juni 1906, hat Geh. Oberbaurat Prof. 
Hofmann u. a. auch auf die im Auftrag der Firma 
E. Merck, chemische Fabrik zu Darmstadt, von Prof. 
Putzer entworfenen und unter dessen Leitung ausgeführten 
Arbeiterhäuser hingewiesen. Wir sind durch freundliches 
Entgegenkommen des Planverfassers heute in der Lage, 
einen Teil der damals dort ausgehängten Pläne den Lesern 
der Bauzeitung hier vorzuführen. 
Wie man aus dem Gesamtlageplan (Fig. 1) erkennt, 
handelt es sich um eine großzügige Anlage, die von der 
Tätigkeit der genannten Weltfirma auch auf dem Gebiete 
der Arbeiterfürsorge das ehrendste Zeugnis ablegt. Eine 
kleine Stadt ist da im Entstehen begriffen, die an 200 
Wohnhäuser, teils Doppelhäuser, teils Reihenhäuser, um 
fassen wird, wenn sie ganz ausgebaut ist. Auch iür eine 
Schule, eine Kinderbewahranstalt ist gesorgt; eine An 
zahl andrer größerer Gebäude für besondere Zwecke ist 
an passenden Stellen vorgesehen, und diese bilden mit 
den ihnen vorgelagerten Plätzen die hervorragenden 
Sammelpunkte der Kolonie, an die sich die Wohnhäuser 
mit ihren Straßenzügen anschließen. Das Ganze ist in 
glücklicher Ausnutzung der örtlichen Eigentümlichkeiten 
nach den neuesten Grundsätzen des Städtebaues muster 
gültig projektiert. Von der ganzen Anlage, die auf dem 
Gebiet der sog. Hammelstrift, an der Grenze der Darm 
städter und Arheilger Gemarkung liegend, erstehen soll, 
ist bis jetzt nur ein Block ausgebaut; derselbe ist in 
Fig. 2 in größerem Maßstab, unter Angabe der Raum 
einteilung, der bebauten Grundfläche, der Gesamtgelände 
fläche, der Anzahl der Wohnungen u. s. w. für jedes 
Haus, dargestellt. Fig. 3—6 geben in perspektivischer 
Zeichnung die verschiedenen Straßenbilder wieder, die 
um den Platz an der Kinderbewahrschule je nach dem 
Standpunkt des Beschauers entstehen. Fig. 7 veranschau 
licht den Blick auf die gebrochene Straße, westlich von 
dem ausgebauten Bauquartier. Im allgemeinen enthalten 
die Wohnungen, abgesehen von einigen größeren Häusern, 
im Erdgeschoß zwei Zimmer und Küche, wozu im Dach 
geschoß noch Zimmer und Kammern treten. Bei der 
gebotenen Raumausnutzung ist die Abortanlage in einem 
besonderen, oft den Vorraum zum Haus umfassenden 
Anbau untergebracht. Am Ende des Gartens steht der 
Stallbau. Besonders bemerkenswert ist die zwischen den 
Grundstücken sich hinziehende sog. Stallgasse, die mit 
den Straßen in Verbindung steht. Auf Grund persön 
licher Ortseinsicht läßt sich bestätigen, daß die Aus 
führung (Fig. 8) das gehalten hat, was der Plan ver 
sprach. Namentlich ist darauf aufmerksam zu machen, 
mit wie einfachen Mitteln hier gearbeitet worden ist: 
einfache Putzflächen, rote Ziegeldächer, frei von allen 
Metalleindeckungen, schöne Farbenwirkung und schöne 
Silhouetten der Dachmassen. Besonders kam der Aus 
führung zugute, daß der Architekt auch auf die gering 
sten Kleinigkeiten besondere Sorgfalt verwendete und 
alle Einzelheiten persönlich beeinflußte. 
Aus den Ausführungen des vorerwähnten Hofmann- 
schen Vortrags,*) dem wir in den beiden letzten Sätzen 
zum Teil schon gefolgt sind, mögen zum Schlüsse 
*) Vgl. Bericht über die Hauptversammlung des Brnst-Ludwig- 
Vereins in Darmstadt am 20. Juni 1906, Darmstadt 1907. 
Fig. 1
	        

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