Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZEITUNG 
Nr. 29 
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Fig. 2. Architekt Professor Putzer, Darmstadt 
noch die folgenden hervorgehoben werden, indem wir 
uns dem dort abgegebenen Urteil vollinhaltlich an 
schließen : 
„Eine ganz hervorragende Tat hat die Firma Merck 
hier vollbracht, indem sie sich an einen hochbegabten 
Künstler, Prof. Putzer, wandte für den Bau von Arbeiter 
häusern. Ich bin überzeugt, daß dieser Vorgang von 
Merck ebenso in die Wagschale fallen wird wie die 
(bahnbrechenden) Vorgänge, wie ich sie von England 
und auch bereits von Deutschland vorhin geschildert habe, 
und daß diese Maßnahmen noch viel von sich reden 
machen werden. Gerade so wie in dem Wohnzimmer 
alles geschickt geordnet und ausgeklügelt sein muß, gerade 
so tritt diese Raumaufgabe ein bei der städtebaulichen 
Lösung, sobald es notwendig ist, mehrere Häuser neben 
einander zu stellen; denn es ist nicht gleichgültig, wie 
sie gestellt werden. Man muß danach streben, daß ein 
mal das eine weiter vorspringt und dann das andre; 
daß das eine meinetwegen einen schönen Blick in eine 
einmündende Straße hat, das andre sich bescheiden 
zurückstellt und man aus demselben den Blick nach einer 
andern Richtung hat. Kurzum, was in dieser Beziehung 
geschehen kann, das ist hier in einem Beispiel durch Prof. 
Pützer in den Entwürfen für die Mercksche Kolonie in 
ganz hervorragendem Maße gelöst. Ich habe außer dem 
Entwurf von Henrici, der für die staatlichen Steinkohlen 
bergwerke entworfen und voriges Jahr in Aachen und 
in Westfalen ausgestellt war, keine städtebaukünstlerische 
Leistung von der Vollendung und von der Reife gesehen, 
wie das hier der Fall ist.“ 
Probeßelastnngen von 
Das Maß der 
Eisenbeton! lauten im Hochbau 
Von Baurat Schmid 
In dem Aufsatz über die Würfelfestigkeit des Betons 
habe ich die überwiegende Bedeutung der Belastungsproben 
für die Uebernahme fertiger Eisenbetonkonstruktionen 
hervorgehoben. Diese Bedeutung ist nicht bloß in der 
Unsicherheit der Bestimmung der Würfelfestigkeit be 
gründet, sondern wesentlich auch bedingt durch den über 
wiegenden Einfluß der richtigen Einlagerung der für eine 
Konstruktion berechneten Eisenstäbe. Bei 
der statischen Berechnung bestimmt man 
die Dicke der Stäbe in Millimetern, und 
die Abstände derselben von der Nullachse 
werden ebenso genau in Rechnung gezogen, 
und in der Ausführung bemühen sich manche 
nicht einmal darum, diese Äbstandsmaße 
nur auch auf Zentimetern genau einzuhalten. 
Gegenüber solchem Schlendrian nutzen die 
schönsten Ergebnisse der Würfelproben 
nichts, der härteste Beton erfüllt seinen 
Zweck nicht, wenn ihm an den richtigen 
Stellen die Eiseneinlage fehlt. 
Mit dem Worte „Schlendrian“ bin ich 
bei jenen, die von dem Wesen der Eisen 
betonkonstruktionen nichts verstehen, teil 
weise zu weit gegangen. Diesen scheint 
es meistens zu genügen, daß das Eisen 
„drinnen“ ist. „Es hat keine Not, wenn 
auch Risse entstehen, ich kann Sie ver 
sichern, daß drei Wagenladungen Eisen 
,drinnen' sind, und das wird ja wohl die 
Hauptsache sein.“ Mit diesen Worten emp 
fing mich vor ein paar Jahren ein Unglück 
licher, welchem die böse Baupolizeibehörde 
die Fabrik geschlossen hatte. Die Ver 
stärkungsarbeiten an seinem Fabrikbau er 
forderten hernach das Gefache der Her 
stellungskosten der zusammengepfuschten 
Eisenbetonkonstruktion! 
Also nicht bloß Schlendrian auf der einen Seite, sondern 
auch krasser Unverstand auf der andern Seite wirken 
zusammen, und wenn dem nicht bald Einhalt getan wird, 
so kommt der Eisenbetonbau in Verruf. 
Für den Techniker, welcher erst nach Herstellung einer 
Eisenbetonkonstruktion gerufen wird, um etwa entstandene 
Zweifel an deren Tragfähigkeit zu zerstreuen oder um 
gar die Uebernahme auszusprechen, bleibt bei solchen 
Umständen in der Regel nichts übrig als die Vornahme 
einer Probebelastung. 
Ueber das Maß der Auflast bei den Proben möchte 
ich noch einige Mitteilungen machen. In einem früheren 
Aufsatz über den Deutschen Betonverein habe ich er 
wähnt, daß die „amtlichen Bestimmungen“ für Eisen 
beton im Hochbau und die „vorläufigen Leitsätze“ für 
Eisenbetonbauten einer Neubearbeitung unterzogen wer 
den und daß diese Ergänzung auf Grund umfassender 
Versuche und eingehender Erhebungen bewirkt wird. 
Es wird eine Reihe von Jahren vergehen, bis die neue 
Auflage der allgemein gültigen Vorschriften für den 
Eisenbetonbau erscheint, und es hat daher der Deutsche 
Betonverein die Bundesstaaten gebeten, inzwischen die 
„amtlichen Bestimmungen“ oder die „vorläufigen Leit 
sätze“ zu benutzen. 
Dementsprechend kann ich für vorliegende Erörterung 
auch von diesen beiden Vorschriften ausgehen. Die „amt 
lichen Bestimmungen“ sagen unter C § 13, 3 und 4: 
Werden Probebelastungen für nötig erachtet, so sind diese 
nach Angabe des abnehmenden Beamten vorzunehmen. 
Dem Bauherrn und dem Unternehmer ist rechtzeitig 
davon Kenntnis zu geben und die Beteiligung anheim 
zustellen. Wird ein aus einem Deckenfelde herausgelöster 
Streifen einer Probebelastung unterworfen, so soll die 
gleichmäßig auf dem ganzen Streifen zu verteilende Auf 
last das Gewicht der Decke und der doppelten Nutzlast 
nicht überschreiten. Wird ein solcher Streifen ohne Los 
lösung aus dem Deckenfelde zur Probe belastet, so ist 
die Auflast um die Häfte zu erhöhen. Demnach ist, 
wenn g das Eigengewicht und p die Nutzlast bezeichnet, 
die Auflast im ersten Fall q + 2», im zweiten Fall 
1,6 g +3 p. 
Wiegt also beispielsweise eine Decke samt Fußboden
	        

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