Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

262 
BAUZEITUNG 
Nr. 33 
umpflanzte ßeihengräberfelder entschieden vorzuziehen 
sind. Und es will uns scheinen, als sei hier die Mit 
wirkung eines Baukünstlers unerläßlich, eines Künstlers, 
der Plato folgt, welcher sagt, daß das Einfache das wahr 
haft Schöne auf Erden sei. 
Dr.-Ing. Eherbach, Regierungsbaumeister. 
Der Entwurf einer neuen Bauordnung 
in Württemberg 
Zur Generaldebatte in der Zweiten Kammer 
—x. M. In den heißesten Tagen hat der Entwurf einer 
neuen Bauordnung im Landtag seinen Einzug gehalten, 
um eine Generaldebatte über sich ergehen zu lassen. Die 
Regierung war sich dabei wohl bewußt, daß ein Gesetz, 
welches so tief in die verschiedenartigsten Interessen ein 
schneidet, auch verschiedenartig beurteilt werden wird, 
und sie tat deshalb gut, die generelle Beurteilung des 
Gesetzes zu ermitteln. Alle Redner waren darin einig, 
daß der Schwerpunkt in der Detailberatung liege, und 
so kamen hauptsächlich nur prinzipielle Fragen zur Be 
sprechung. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß 
der Entwurf eine günstige Beurteilung gefunden hat. Es 
konnte mit Befriedigung festgestellt werden, daß bis jetzt 
die Beurteilung sich mehr auf die Erfahrungen einzelner 
als auf parteipolitische Grundsätze stützte, und so darf 
der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß der Parteien 
Gunst und Haß keine Kompromißsätze zusammenbraut, 
sondern ein das Allgemeinwohl förderndes Gesetz zu 
stande kommt. Insbesondere war es der Abgeordnete 
v. Gauß, welcher zielbewußt seine Erfahrungen zum Aus 
druck brachte. 
Es haben sich die hauptsächlichsten Gegensätze, so 
wohl solche der Abgeordneten unter sich, als auch solche 
der Regierung gegenüber bereits herausgebildet; wir 
werden im speziellen in nächster Zeit hierauf zurück 
kommen. Der Entwurf wurde auf Antrag von Schmid- 
Neresheim an eine fünfzehngliedrige Kommission ver 
wiesen, welcher angehören die Abgeordneten Schmid- 
Neresheim, Walter, Speth-Wangen, Hanser (Ztr.), v. Gauß, 
Schmid-Freudenstadt, Reihling, Mayer-Ulm (Yp.), Kraut, 
Haug, Immendörfer (B.K.), Dr.Lindemann, Dietrich (Soz.), 
Häffner und Kübel (D.P.). Hoffen und wünschen wir, 
daß ein brauchbares Gesetz zustande kommt. 
Wettbewerbe 
Empfangsgebäude für flauptbahnhof Dann 
stadt. Zur Erlangung von Vorentwürfen für das 
Empfangsgebäude auf dem neuen Hauptbahnhof in Darm 
stadt schreibt die Kgl. Preußische und Großh. Hessische 
Eisenhahndirektion in Mainz einen Wettbewerb aus mit 
Preisen von 5000, 3000 und 2000 M. Termin 1. Januar 1908. 
Unter den Preisrichtern befinden sich Namen wie Messel- 
Berlin, Thiersch- München, Hoffmann-Wien, Möhring- 
Berlin, Kreis-Dresden, Schmitz-Oharlottenburg. Näheres 
besagt die betreffende Bekanntmachung im Anzeigenteil 
der Nr. 32 der „Bauzeitung für Württemberg etc.“ 
Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Ent 
würfen für eine Universitätsbibliothek in Tübingen 
wurde durch die württembergische Kammer in ihrer 
78. Sitzung beschlossen. 
Kleine Mitteilungen 
Zur Stuttgarter Theaterbauplatzfrage. Der 
Bericht über die Verhandlungen der Kommission zur Auf 
stellung eines Programms für die Theaterbauplatzfrage wird 
im „Staatsanz.“ veröffentlicht. Wir beschränken uns heute 
darauf, das Ergebnis dieser Verhandlungen kurz mitzu 
teilen, indem wir uns Vorbehalten, auf den Bericht des 
Näheren zurückzukommen. Nachdem die Unterkom 
mission die Platzfrage eingehend erörtert und die ver 
schiedenen Projekte geprüft, hielt sie die Lösung der 
Frage nach dem Reinhardtschen Entwurf (Bota 
nischer Garten) für eine befriedigende. Nach demselben 
ist das große Haus auf der Grundfläche des Botanischen 
Gartens unter Hinzunahme der Generaladjutantur gedacht, 
das kleine Haus etwas abwärts auf der Grundfläche der 
Hofgärtnerei, mit seinem vorderen Teil in die Anlagen 
vorspringend. Beide Häuser richten die Eingangsfront 
gegen die Anlagen. Zwischen den Theatergebäuden ist 
ein kleinerer Verwaltungshau angenommen mit vorliegenden 
Arkaden. Die Unterkommission gelangte zu dem ein 
stimmigen Beschluß; 1. der Gesamtkommission die Wahl 
des Platzes des Botanischen Gartens unter Bezugnahme 
auf die Situationsskizzen des Oberbaurats v. Reinhardt 
vorzuschlagen, wobei soweit tunlich eine noch weiter 
gehende Schonung der Anlagen anzustrehen wäre; 2. es 
für den Fall der Wahl dieses Platzes als dringend 
wünschenswert zu erklären, daß auf dem Areal des 
Marstalls gegenüber den beiden Theatern eine diesen 
gleichwertige Gebäudeanlage etwa entsprechend dem Ent 
wurf des Oberbaurats v. Reinhardt zur Ausführung kommt. 
Bei der Beratung dieses Vorschlags in der Vollkommission 
wurde auf eine hier aus der Mitte der Mitglieder er 
gangene Anregung zunächst noch Prof. Theodor Fischer 
veranlaßt, einen von ihm ausgegangenen weiteren Ge 
danken der Errichtung der beiden Häuser nördlich der 
verlängerten Schillerstraße weiter auszuarbeiten. Das 
kleine Haus öffnet sich hier gegen den künftigen Bahn 
hofplatz, das große Haus kommt in die Mittelachse der 
Anlagen zu liegen mit dem Eingang nach der künftigen 
Schillerstraße. Auf der andern Seite des großen Hauses 
gegen die Neckarstraße zu schließt sich das Verwaltungs 
gebäude an. Zwischen beiden Gebäuden sind Durch 
fahrten vorgesehen. Dieses Projekt fand gleichfalls lebhafte 
Unterstützung, doch wurden auch erhebliche Bedenken, 
wie Zerschneidung der Anlagen, geltend gemacht. Schließ 
lich gelangte in der Gesamtkommission, entsprechend einem 
neuen Antrag der Unterkommission, der Beschluß, in 
erster Linie die Wahl des Botanischen Gartens unter 
Bezugnahme auf die Situationsskizze des Oberbaurats 
v. Reinhardt vorzuschlagen, einstimmig und der weitere 
Beschluß, in zweiter Linie die Wahl des Platzes an der 
durchzuführenden Schillerstraße unter Bezugnahme auf 
die Skizze von Prof. Theodor Fischer vorzuschlagen, mit 
bedeutender Mehrheit zur Annahme. Dieses Gutachten 
der Gesamtkommission ist hierauf von dem Vorsitzenden, 
Finanzminister Dr. v.Zeyer, dem König vorgelegt worden. 
Stuttgart. Bei Feststellung des Stadtbauplans für das 
Gebiet des Bahnhofareals hatte der Bürgerausschuß in 
der gemeinschaftlichen Sitzung der bürgerlichen Kollegien 
vom 8. August zu den Beschlüssen des Gemeinderats ver 
schiedene Aenderungen für gut befunden, u. a. als 
wichtigste, daß die neue Straße, die von der Schloßstraße 
auf den Hauptbahnhof führen soll, an ihrem unteren Ende 
nicht schmäler sein soll wie von der Schloßstraße aus. In 
der Sitzung vom 12. August teilte nun Oberbürgermeister 
v. Gauß mit, daß dem Wunsche des Btirgerausschusses 
gemäß über die Erbreiterung der neuen Straße auf dem 
zukünftigen Bahnhofe Unterhandlungen mit verschiedenen 
Vertretern des Ministeriums des Innern und durch diese 
mit den Käufern gepflogen worden seien, mit dem Er 
gebnis, daß die Käufer sich damit einverstanden erklären, 
eine Fläche bis zu 100 qm nicht zu überbauen, sondern 
zu Straßenplatz verwenden zu lassen. Daraufhin stimmte 
der ßürgerausschuß dem Plane zu. — Der Querstraße, 
die über den Legionskasernenplatz führt, gab der 
Gemeinderat den Namen „Kleine Königstraße“, eine 
Bezeichnung, die wir für nicht sehr glücklich halten, da 
sie sicher zu Verwechslungen führen wird. 
Kunstpflege in Bahnhöfen. In dankenswertem 
Vorangehen hat der dänische Reichstag auf Antrag des
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.