Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

17. August 1907 
BAUZBITUNÖ 
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Ministers für öffentliche Arbeiten 15 000 Kr. zur Aus 
schmückung der Bahnhöfe der dänischen Staatsbahnen 
bewilligt. In den Warteräumen und Wandelgängen sollen 
Photogravüren, Steinzeichnungen, Radierungen, gute Photo 
graphien u. s. w. angebracht werden. Im Anschluß an 
diese Meldung gibt ein Mitarbeiter der neubegründeten 
Wochenschrift „Schwäbische Heimat“ (herausgegeben vom 
Verein für ländliche Wohlfahrtspflege in Württemberg 
und Hohenzollern) folgende Anregung: Wir dürfen wohl 
eine Frage frei haben an unsre Landtage und unsre 
Minister für öffentliche Arbeiten, was sie für öffentliche 
Pflege der Schönheit tun. Nicht von der Außenerscheinung 
der Bahngebäude möchte ich jetzt reden, denn sie ist 
ein Kapitel, daß man sich krank ärgern möchte — öd 
und grau und eintönig, ohne Rücksicht auf den Zusammen 
klang stehen diese Bauten auf unsrer heitern Erde, die 
Züge selbst laufen pfeifend davon. Das dänische Bei 
spiel soll für das Innere gelten. Unsre Vorhallen und 
Warteräume, die leider gewöhnlich nicht in hellen, freund 
lichen Farben gehalten sind, wie doch die vergnügte 
Reiselust fühlt und wie sie sehen möchte, sondern 
in trübseligem Düster, sind mit Fahrplänen, Bekannt 
machungen und Reklamebildern wie ängeblümt, ja 
oft sprossen an den Außenwänden die Reklamen weiter 
— fast immer die gleichen geistlosen Darstellungen —-, 
und kaum hat man irgendwo das Odol geschluckt, so 
wird uns nach einigen Kilometern „das Beste für die 
Zähne“ wieder kredenzt. Den Wunsch regt jede Reise 
aufs neue an, unsre Bahnverwaltung möchte mit ihrer 
großen, weithin dringenden Oeffentlichkeit Pflege ästhe 
tischer Kultur übernehmen und damit gutmachen, 
was die Bahnen an sich und durch eine allzu ausschließ 
lich technisch tüchtige Architektur verdorben haben, — 
den Wunsch nach dänischem Beispiele für das Schöne als 
das Sittlichende zu wirken, höhergeistige Angelegenheiten 
unsers Volkes mit der unmittelbaren Aufgabe der Bahn 
zu verbrüdern. Vor allem wäre nötig, das Uebermaß 
von Plakaten zu vermeiden, die alt gewordenen ge 
schäftlichen zu entfernen und so unentstellte Wandflächen, 
nur Felder für Farben, herzustellen. Unsre großen Bahn 
höfe brauchen keine gerahmten Bilder. Man könnte sie 
dort zwischen den vielen notwendigen Fahrplänen und 
amtlichen Bekanntmachungen doch nicht malerisch wirk 
sam anbringen, und unter der lauten, eilig flutenden 
Menge des Publikums hätte auch der, der Zeit dazu 
hätte, nicl*t Ruhe und Stimmung, den Gehalt der Bilder 
sich wahrhaft zu erschließen. Zudem bietet die Stadt 
andre Gelegenheiten, Bilder zu betrachten. Um so mehr 
Platz aber für Steinzeichnungen und andre graphische 
Künste ist in den kleineren und kleinsten Bahnhöfen 
draußen im Lande. Dort in den kleineren Ortschaften 
besitzt die Bahnverwaltung allgemein zugängliche und 
täglich besuchte Ausstellungsräume, die einzigen am 
Platze, hier ist ein gegebenes und 'dankbares Feld für 
staatliches Wirken im Dienste der Kunst für alle. Die 
Landleute bringen hierher einen zur Aufnahme freieren 
und empfänglicheren Sinn als sonst, denn die Reise zieht 
ihr Gemüt aus der Last und den Eindrücken der Arbeit 
und der Gewohnheit heraus, sie würden hier, wenn sie 
hineingehen in die Welt, hinübergeleitet in die Erkennt 
nis, welch geistige Schätze sie enthält. Viele weilen 
doch in einem schmucken Wartesaal lieber als in Bahn 
wirtschaften. Für ein kleines Wartezimmer werden eine 
bis zwei Künstlerzeichnungen genügen. Man könnte so 
etwa 500 Bahnstationen mit einem Kostenaufwande von 
7000 bis 10 000 M. ausschmücken. Diese Summe ist bei 
einem solchen Großbetriebe als einmalige Ausgabe zu 
ertragen. Der fortlaufende jährliche Aufwand wäre ge 
ring. Die gerahmten Bilder könnten von Zeit zu Zeit 
zwischen den Stationen gewechselt werden. 
München. In Nr. 63 des „Münchner Amtsblattes“ 
erläßt das Bezirksamt folgende höchst zweckmäßige 
Bekanntmachung: „Unter Hinweis auf die Regierungs 
bekanntmachung vom 26. Juni 1907, Denkmalpflege 
betreffend, werden die Gemeindebehörden veranlaßt, An 
zeige zu erstatten, wenn die Errichtung eines Krieger 
denkmals in der Gemeinde beabsichtigt ist. Mit der 
Herstellung von Denkmalentwürfen sind nur künst 
lerisch geschulte Kräfte zu betrauen, die Aus 
führung des Denkmals darf nur in durchaus verlässige 
Hände gegeben werden, auch ist der Lieferungsvertrag 
unter allen Umständen erst dann abzuschließen, wenn die 
Entwürfe die Billigung von fachmännischer Seite und 
der zuständigen Stelle gefunden haben.“ 
München. Im Ministerium des Innern ist eine Um 
gestaltung der obersten Baubehörde in Aussicht 
genommen, die zum Teil gegen die Leiter der obersten 
Baubehörde sich richtet, da diese auf alle mögliche Weise 
gegen die Gebirgswasserkraftprojekte des Majors 
v. Donat sich gesträubt haben. Der neue Minister des 
Innern soll die elektrische Ausbeutung der Wasserkräfte 
im größten Stile sehr energisch in Angriff nehmen wollen. 
Biebrich. Der im Bau begriffene Rheinbahnhof 
in Biebrich, dessen Mauern sich bereits beträchtlich über 
den Erdboden erhoben, mußte wieder abgebrochen werden, 
weil er an der Straßenfront erbaut worden war, anstatt 
nach Vorschrift 4 m dahinter. Ein Privatarchitekt wäre 
an einem solchen Versehen wohl zugrunde gegangen. 
Personalien 
Württemberg. Verliehen: dem Vorstand der Stellwerk-und 
Oberbauahteilung des bahnbautechnischen Bureaus der General- 
direktion der Staatseisenbahnen, Eisenbahnbauinspektor tit. Baurat 
Ott, und dem Vorstand der Werkstätteninspektion Eßlingen, Eiseu- 
bahnbauinspektor tit. Oberinspektor Süßdorf, die Dienstrechte 
eines Baurats, den Eisenbahnbauinspektoren Aldinger in Böb 
lingen und Bäuerle in Sigmaringen der Titel und Rang eines 
Baurats. Befördert: die tit. Oberbauräte Gseil und Beger bei 
der Domänendirektion zu Oberbauräten, der Eisenbahnbauinspektor 
tit. Baurat Hebsacker, der Bisenbahnbauinspektor Lupfer zu 
Bauräten bei der Generaldirektiou der Staatseisenbahnen, der Ober- 
bahnmeister P a 1 m, Verwalter der Dienstwohngebäude an der Bahn 
hofstraße in Stuttgart, auf seiner derzeitigen Stelle zum technischen 
Oberbahnsekretär. Ernannt: der Regierungsbaumeister Krafft 
bei dem hochbauteohnischen Bureau der Domänendirektion zum 
etatsmäßigen Regierungsbaumeister im Einanzdepartement. Heber- 
tragen: eine Maschineningenieorstelle bei dem masohinentech 
nischen Bureau der Generaldirektion der Staatseisenbahnen dem 
Regierungsbaumeister Leohner, die Masohineningenieurstelle 
bei der Werkstätteninspektion Cannstatt dem Regierungsbau 
meister Schiller, eine Masohineningenieurstelle bei dem ma- 
sohinentechnischen Bureau der Generaldirektion der Staatseisen 
bahnen dem Regierungsbaumeister Zerrath, eine Obergeometer 
stelle bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen dem technischen 
Oberbahnsekretär M e r z bei dieser Generaldirektion, eine technische 
Oberbahnsekretärstelle bei der Oberbaumaterialverwaltung Heilbronn 
dem technischen Eisenbahnsekretär tit. Oberbahnsekretär Ruthardt 
daselbst, je eine technische Oberbahnsekretärstelle bei der General 
direktion der Staatseisenbahnen dem technischen Bisenbahnsekretär 
tit. Oberbahnsekretär K ut z b a o h daselbst, dem technischen Bisen 
bahnsekretär tit. Oberbahnsekretär Wetter daselbst, dem Bahn 
meister tit.Oberbahnmeister Holt z el in Crailsheim, den technischen 
Eisenbahnsekretären tit. Oberbahnsekretären Hebsacker bei der 
Bauinspektion Reutlingen, Menner bei der Generaldirektion der 
Staatseisenbahnen, dem technischen Bisenbahnsekretär Knoblich 
bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen, den Brücken 
ingenieuren Koppe und Geisweid daselbst, die Straßenbau 
inspektion Biberach dem etatsmäßigen Regierungsbaumeister Lam- 
parter in Biberach und die Straßenbauinspektion Calw dem 
etatsmäßigen Regierungsbaumeister Kurz in Ebingen, die an der 
Baugewerkschule in Stuttgart erledigte Professur für Chemie und 
Baumaterialienkunde dem Assistenten und Hilfslehrer Dr. Schmidt 
an dieser Anstalt, je eine Bauamts werkmeisterstelle im Finanz
	        

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