Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZEITUNG 
Nr. 35 
kaum einmonatigen Arbeit wird Prof. Sellin im nächsten 
Winter die Ausgrabung in großem Maßstabe fortsetzen; 
er erhofft von ihr eine bedeutende Förderung der biblischen 
Archäologie. 
Das Alter des Wortes „Ingenieur“. Ueber das 
Alter des Wortes „Ingenieur“ macht F. M. Feldbaus in 
der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure einige 
interessante Angaben. Danach ist der erste „Ingenieur“ 
ein Kriegsbaumeister gewesen. Im Altertum, bei den 
Römern, hieß aber der Kriegsbaumeister, auch wenn er 
Kriegsmaschinen baute, „arcbitectus militaris“, wie denn 
überhaupt bei den Römern die Maschine zur architectura, 
zur Baukunst gehörte. Erst im Jahre 1196 wird Alamannus 
de Guitelmus, der die Gräben und Palisaden der Stadt 
Piacenza anlegte, in den Annales Placentini Guelti als 
„encignerius“ bezeichnet. Dieselben Annalen bezeichnen, 
in etwas andrer Schreibweise, für das Jahr 1238 einen 
Mann namens Calamandrinus als den besten „inzegnerium“ 
der Brescianer. Im Jahre 1248 wird in Frankreich Jocelin 
de Cornaut, der den sechsten Kreuzzug mitmachte, als 
„maistre engingnierre“ bezeichnet, und im navarresischen 
Kriege (1276—1277) kommt ein „maestre Bertran“ als 
„engeynnyre“ vor. Der deutsche Kriegsbaumeister jener 
Zeit hieß aber noch „antwercmeister“, das Kriegsgerät 
hieß das „antwerc“. Dieses Wort ist keineswegs mit 
Handwerk zu verwechseln. Um die Mitte des 15. Jahr 
hunderts findet sich auf dem Titel einer im Besitz der 
Großh. Bibliothek in Weimar befindlichen kriegstech 
nischen Bilderhandschrift die Bezeichnung „ingenier“, 
doch ist nicht zu ermitteln, aus welchem Jahre der Titel 
aufdruck „ingenierkunst- und wunderbuch“ stammt. 
Personalien 
Württemberg. Beauftragt: mit den Verrichtungen des 
Vorstands der neuerrichteten Bausektion Böblingen der Ab 
teilungsingenieur Zaiser bei dem bahnbauteohnischen Bureau der 
Generaldirektion der Staatseisenbahnen, mit denen des Vorstands 
der neuerriohteten Bausektion Weikersheim der zurzeit zu der 
Eisenbahnbauinspektion Eßlingen abgeordnete Abteilungsingenieur 
Waas bei der Eisenbahnbausektion Ulm. lieb ertragen; je eine 
technische Postsekretärstelle bei der Telegrapheninspektion Stutt 
gart dem Werkmeister Fischer, bei der Generaldirektion der 
Posten und Telegraphen dem Postbauführer Boßhardt. 
Hessen. Enthoben: der ordentliche Professor der Baukunst 
an der Technischen Hochschule P. Pütz er zu Darmstadt auf sein 
Nachsuchen von der Stelle als Denkmalpfleger für die Baudenk 
mäler der Provinz Rheinhessen. Uebertragen: die Stelle eines 
Denkmalpflegers für die Baudenkmäler der Provinz Rheinhessen 
dem Architekten Prof. P. Meißner zu Darmstadt. Ernannt: die 
Regieruugsbauführer A. Dogny aus Berlin, O. Hauck aus Wies 
baden, H. Häusel aus Höchst i. Od., H.Knöll ausHeubach i.Od., 
E.StegmayerausGießen,F.Thierolf aus Darmstadt, R. Wagner 
aus Darmstadt, R. Weinerth aus Miohelstadt i. Od., G. Weskott 
aus Barmen zu Regierungsbaumeistern. 
Bücher 
Der Wasserbauverwaltungsdienst in Preussen von W. Schulz, 
Rechnungsrat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Dritte, 
neubearbeitete Auflage. Berlin 1907. Verlag von Wilhelm Ernst 
& Sohn. In Leinen gebunden 13,50 M. Der Verfasser hat mit 
großer Pünktlichkeit auf 550 Druckseiten ein sehr übersichtlich 
gehaltenes Werk nicht nur für preußische, sondern für alle deutschen 
Wasserbaubeamten und Wassernutzuugsberechtigten geschaffen. In 
fünf Teilen werden mit Angabe aller Gesetze, Verordnungen, Ver 
fügungen und Vorschriften die Wasserbauverwaltung bei den 
Zentral-, Provinzial- und Ortsbanbehörden, die Dienstverhältnisse 
der sämtlichen Beamten, die Bauausführungen, die Verwaltung der 
Wasserstraßen und die allgemeinen Vorschriften über Etats-, Kassen- 
und Rechnungssaohen geschildert. Für nichtpreußische Inter 
essenten sind insbesondere die musterhaft geregelten Bestimmungen 
über Bauausführungen von Wert, die für Bauherren und Baumeister 
zahlreiche wertvolle Winke enthalten. —u— 
Der Hypothekarkreditverkehr. Zur Theorie und Praxis der 
Grund- und Gebäudeschätzung, -besteuerung und -belehnung. Preis 
2,80 K. Unter diesem Titel veröffentlicht der Sparkassenbearate 
Prof. Robert Mully von Oppenried in dem Jahrbuche der Export 
akademie des k. k. österr. Handelsmuseums eine soeben in zweiter 
Auflage auch im Verlage Alfred Holder in Wien erschienene um 
fangreiche Arbeit, die der Aufmerksamkeit weiterer Kreise empfohlen 
sei. Die Schrift zerfällt in drei Abschnitte. Im ersten bietet der 
Verfasser eine knapp gehaltene, sorgfältige Darstellung der ein 
schlägigen Reohtsbegriffe, wie Pfand, Einverleibung, Rangord 
nung u. s. w. Im zweiten Abschnitte werden die den Realwert 
beeinflussenden Immobiliarsteuern und -gebühren behandelt, also 
Grundsteuer, Hauszinssteuer, 5°/o Gebäudereinertragssteuer, zeitliche 
Steuerfreiheiten, Gemeinde- und Landesumlagen, ferner die Ver 
mögensübertragungsgebühr, das Gebührenäquivalent sowie die mehr 
fach propagierte Bodenwertzuwachs- und Bodenwertsteuer. Der 
dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Realbewertung durch 
Sachverständige oder nach behördlichen Normativen. Der Anhang 
enthält eine statistische Darstellung der Wiener Bautätigkeit, der 
Leerstehungen und endlich eine vergleichende Darstellung der ein 
schlägigen Verhältnisse im Deutschen Reiche. Das Werk wird 
nicht nur den Sparkassen, Versicherungsanstalten und den sonstigen 
Hypothekarkreditinstituten, den Gerichts- und Gemeindeämtern 
wertvolle Dienste leisten, sondern es eröffnet auch den Grund- und 
Hausbesitzern, den Güterbeamten und Hausadministratoren sowie 
Notaren, Advokaten und privaten Geldgebern eine treffliche Aus 
sicht, in ein Gebiet, das in der Fachliteratur bisher nur mit wenigen 
Schlagworten abgetan wurde, einzudringen. 
Statik und Diagramme zum Dimensionieren der Decken 
und Stützen im Massivbau, von Regierungsbaumeister und Zivil 
ingenieur O. Kohlmorgen. Preis 2 M. mit 3 Diagrammen. Stutt 
gart 1907. Verlag Julius Hoffrnann. Erste Veröffentlichung des 
Vereins „Massivbau-Verband“ in Berlin. Die vorliegende Be 
arbeitung der statischen Beziehungen für Zwischendecken und für 
Stützen ist auf die verschiedenen Massivbauweisen ausgedehnt: 
Beton und Stein mit und ohne Eiseneinlagen. Für den Konstrukteur 
und für den Revisor sind Parallelformeln entwickelt und 3 Dia 
gramme konstruiert, aus denen die Lage der Nullinie und für 
Platten in Eisenbeton alle in Betracht kommenden Größen für ver 
schiedene Betonmischungen teils unmittelbar abgelesen, teils mit 
einigen Zirkelgriffen entnommen werden können. Beispiele erläutern 
die Anwendung der Formeln und Diagramme. 
Bürgerliche Bankunde. Entwerfen von bürgerlichen Ein 
familienhäusern, Miet- und Geschäftshäusern, Arbeiter- und Unter- 
beamtenwohnhäusern von Dr. A. Ulbrich, Architekt und Oberlehrer. 
Zweite erweiterte Auflage mit 287 Textfiguren. Preis gebunden 
6,75 M. Verlag von J.M. Gebhardt, Leipzig. Die vielseitige und 
allgemeine Benutzbarkeit des Werkes soll sowohl dem angehenden 
Techniker als auch dem im praktischen Leben Stehenden gute 
Dienste erweisen. Auf die Auswahl von Abbildungen mustergültiger 
und lehrreicher Beispiele wurde das Hauptaugenmerk gerichtet. Wir 
finden Arbeiten von Riemerschmid, Metzendorf, Altherr, Hengerer 
& Katz, Messel, Curjel & Moser, March, Eisenlohr & Weigle und 
andern bedeutenden Architekten. Das ganze Buch durchzieht als 
Leitmotiv das Bestreben, jederzeit praktisch, wohnlich, bequem und 
den sozialen Verhältnissen angemessen zu bauen, um so Lösungen 
zu erreichen, die den wirklichen Bedürfnissen entsprechen. 
Eisenkonstruktlonen im Hochbau. Kurzgefaßtes Handbuch 
mit Beispielen für den praktischen Gebrauch von Ingenieur 
K. Schindler in Meißen. Mit 115 Figuren. Preis 0,80 M. Samm 
lung Göschen, Leipzig 1907. Der Inhalt behandelt in verschiedenen 
Abschnitten eiserne Säulen und Dachkonstruktionen, Träger, Treppen, 
Oberlichte, Glasdeoken und Glasdächer. An Hand zahlreicher Bei 
spiele werden die Anwendungsarten der verschiedenen Konstruk 
tionen erläutert, die beigefügten Tabellen ermöglichen das Aufsuohen 
der betreffenden Profile. Es ist in klarer, einfacher Form das 
Wesentliche und Notwendige der am häufigsten vorkommenden 
Konstruktionen nebst ausgeführten Berechnungen dargeboten. 
Verantwortliche Schriftleitung; Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fansei, 
Architekt W. Klatte, beide in Stuttgart. Adresse für alle Sendungen: Bauzeitung- 
Stuttgart, Büchsenstr. 26 B. Druck: Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart
	        

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