Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

14. September 1907 
BAUZEITÜNG 
291 
Wettbewerb Empfangsgebäude für den Hauptbahuhof in Leipzig 
In engerer Wahl 
Längenschnitt 
Architekten Bruno Taut und Ad. Retter, Stuttgart 
in einem einzigen Jahr 10 Millionen Pfund Sterling! 
Ferner beherbergen die wohlbekannten „ Industrieparadiese “ 
Port Sunlight, Bournville und Earswick viele Tausende 
von Arbeitern nebst ihren Angehörigen unter geradezu 
idealen Wohnverhältnissen, welche die Sterblichkeit auf 
8—9 pro Mille heruntergebracht haben. Endlich ist in 
folge der außerordentlich segensreichen Gartenstadt 
bewegung, die von England ausging, eine Reihe von 
industriell-landwirtschaftlichen Gemeinwesen im Entstehen 
begriffen, die berufen sind, die Dezentralisierung in voll 
kommenster und ausgedehntester Weise mit der Schaffung 
mustergültiger Wohnstätten zu verknüpfen. 
Da die großstädtische Wohnungsnot gleichsam eine 
Folge der Abwanderung vom Lande ist, die Abwanderung 
aber häufig durch elende ländliche Wohnungsverhältnisse 
verursacht wird, macht die ländliche Wohnungsreform 
den Menschenfreunden in andern Ländern kaum weniger 
Sorge als die städtische. Auf dem Kongreß wurde die 
Anstellung ländlicher Wohnungsinspektoren für sehr 
wünschenswert erklärt, namentlich angesichts des Um 
stands, daß es in einzelnen Gegenden Englands tüchtigen, 
sozial denkenden Guts Verwaltungen gelungen ist, sowohl 
die vernachlässigten Wohnungen als auch deren vernach 
lässigte Bewohner erheblich zu verbessern. Der Belgier 
Tibbaut hob die dringende Notwendigkeit zielbewußter 
Begünstigung und Stärkung der Kleiugrundbesitzerklasse 
hervor und berichtete über den großen Erfolg der bel 
gischen Bestrebungen, die Abwanderung durch die Schaffung 
von Kleinwirtschaften zu verhüten. 
Reges Interesse fand die Erörterung über die Frage: 
Mietkasernen oder Kleinhäuser? Der Veranstalter 
und Sekretär des Kongresses, Aldridge, befürwortete ent 
schieden das Cottagesystem (Kleinhäuser); gegen die Miet 
kasernen spräche die unverhältnismäßige Höhe der Her 
stellungskosten (in London, Glasgow und Manchester zum 
Beispiel 70—116 Pfund Sterling für ein Zimmer gegen 
über 42,5—65 Pfund Sterling für ein Zimmer Cottage 
baukosten in London, Hornsey, Manchester und Sheffield), 
der Mangel eines gesunden Familienlebens sowie der 
geringere hygienische Nutzen in Mietkasernen, voraus 
gesetzt natürlich, daß die Häuschen nicht in „Slums“, 
sondern in guter Luft errichtet werden. Zur Bekräftigung 
teilte ein Redner mit, daß in New York, wo die Riesen 
häuser vorherrschen, die Sterblichkeit um die Hälfte 
größer ist als in London, wo das Kleinhauswesen über 
wiegt. Von einem andern Redner wurde der wirtschaft 
liche Mißstand beklagt, daß man nicht im Interesse der 
Gesundheit und Behaglichkeit baut, sondern um auf 
kleinem Raum möglichst viele Menschen unterzubringen 
und dadurch recht viel Gewinn zu erzielen. Ä.
	        

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