Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZEITUNG 
Nr. 40 
Staub befreit, der darin sein mag. Für die Reinhaltung 
der Bureaus selbst ist eine solche Anlage natürlich sehr 
wichtig. Der Staub wird in das Souterrain geleitet. Auf 
dem Turm wird ein riesiger Scheinwerfer zu finden sein, 
dessen Licht man noch auf eine Entfernung von 100 bis 
130 km wird sehen können. 
Zur Aesthetik der ländlichen Bauten. Man 
schreibt der „Frkf. Ztg.“ aus Fulda: Der in Geschmack 
losigkeit verlaufenden Bautätigkeit auf dem Lande 
wird jetzt von Amts wegen gesteuert. Es ist in den letzten 
Jahren leider überall die Wahrnehmung gemacht worden, 
daß das malerische Aussehen der ländlichen Ortschaften 
im Schwinden begriffen ist. An Stelle der hergebrachten, 
in einfachen, wirkungsvollen Formen hergestellten Stein 
bauten oder der in Holzfachwerk ausgeführten Giebel 
häuser, die in der verschiedenen Färbung von Holz und 
Gefachen, in ihrer Verbindung mit Bäumen, Sträuchern 
und Hecken oft einen reizvollen Anblick bieten, treten 
nur zu häufig nüchterne Ziegelbauten ohne Verputz 
und Anstrich und ohne jeden Versuch, die Oede ihres 
Aussehens durch frisches Grün zu beleben; oder es ent 
stehen, was ebenso zu bedauern ist, durch allerlei Spitzen 
und Türmchen und durch angeklebte Zierate in 
Gips und Zement aufgeputzte Gebäulichkeiten. Die Ver 
schlechterung des äußeren Gewandes wird nur zu oft 
von einer minderwertigen Eaumausnutzung und 
Grundrißbildung begleitet. Von großer Wichtigkeit 
ist es, so betont die amtliche Bekanntmachung des Land 
rats, daß die Neubauten, insbesondere die Fachwerkbauten, 
nicht mit roten Ziegelsteinwänden stehen bleiben, sondern 
daß die Außenwände verputzt und die Balken ge 
strichen werden. Je heller dabei der Verputz und je 
dunkler der Balkenanstrich gewählt wird, desto male 
rischer wird das Aussehen der Gebäude im Zusammen 
hang mit der Landschaft. Und wieviel freundlicher sieht 
ein solcher in Kurhessen althergebrachter Verputz aus 
als das gleich teure Fugen der Steine oder gar die Be 
kleidung der Wände mit Blechschindeln. Die Bürger 
meister sind angewiesen, auf die Baulustigen ihrer Ge 
meinden in diesem Sinne einzuwirken und sie auf jene 
Sammlung von 38 Entwürfen hinzuweisen, die der 
Verein zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens in 
Frankfurt zum Bau von Anwesen für den Kleinbauern 
und Industriearbeiter mit kleinem landwirtschaftlichem 
Betriebe in der Provinz Hessen-Nassau hat herstellen 
lassen. 
Personalien 
Württemberg. Verliehen: dem Oberbaurat Mayer, Vor 
stand des städtischen Hochbauamts in Stuttgart, die Karl-Olga- 
Medaille in Silber, dem Regierungsbauführer Mast in Stuttgart 
dieselbe Medaille in Bronze. Ernannt: Glocker, charakteri 
sierter Baurat, Vorstand des Militärbauamts I Ulm, zum Inten 
dantur- und Baurat. Versetzt: Schmidt, Militärbauinspektor, 
charakterisierter Baurat, von der Vorstandsstelle des Militärbau 
bauamts II in diejenige des Militärbauamts I Ulm, Wirth, Militär 
bauinspektor, Bauleitender der Königin-Olga-Kaserne in Ludwigs 
burg, zur Korpsintendantur, die Bahnmeister Völlra in Aalen nach 
Tübingen und Günther in Balingen nach Möckmühl je auf An 
suchen. Beauftragt; Lang, Militärbauinspektor bei der Korps 
intendantur, mit Leitung der Ersatzbauten für die Dragonerkaserne 
in Stuttgart, Wächter, Regierungsbaumeister, Bauleitender für 
die Lagererweiterung in Münsingen, mit Wahrnehmung der Vor 
standsstelle des Militärbauamts II Ulm. 
Hessen. Verliehen: dem ordentlichen Professor an der 
Technischen Hochschule zu Darmstadt Fr. Pötzer das Ritterkreuz 
erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. 
Bücher 
Zehn Jahre „Deutsche Kunst und Dekoration“. Ein Begleit 
wort zum elften Jahrgang. Es ist jetzt etwa zehn Jahre her, da 
wehte durch die Künstlerwelt ein wundersamer Hauch. Wie ein 
schmelzender Frühlingswind brauste es daher. Allerorten knisterte 
es im Eise, köstliche Blumen sprossten hervor, zuerst noch ver 
einzelt, mit Kopfschütteln ob ihrer Seltsamkeit begrüßt, später in 
Mengen zu bunten Wiesen vereinigt, eine Augenweide für sehende 
Augen. Das war die „Jugend“ der neuen Kunst. Es ist heute 
leicht, die Kraft und Schönheit dieser „Jugend“ zu preisen! Wer 
aber vor zehn Jahren solche Kraftentfaltung vorauszusagen wagte, 
dem ward wohl mancher durchschlagende, volltönende Beweis ent 
gegengeschleudert, auf welch trügerischem Grunde sich sein Opti 
mismus auf baue! „Eine Kunst, die die Tradition verleugnet, ist 
steuerlos.“ So oder ähnlich wurden viele Warnungsrufe ausgestoßen, 
die freilich von den wagemutigen Künstlern ungehört verhallten. 
Daneben gab es aber auch eine freilich kleine Zahl weitblickender 
Männer, die sofort die kulturelle Bedeutung der neuen Bewegung 
erkannten. Ein Fürst schuf den revolutionären Geistern eine Frei 
stätte, auf daß sie mit voller Kraft die Freiheit der neuen Kunst 
betätigen könnten! Allen voran aber marschierte die „Deutsche 
Kunst und Dekoration“, die mit ihrem „Reformprogramra“ sofort 
mit ihrer ersten, nunmehr vor zehn Jahren erschienenen Nummer 
eine literarische Freistätte für alle modernen Kunstbestrebungen 
begründete. Man muß sich die ganze Zweifelsucht der damaligen 
Zeit vergegenwärtigen, um den Wagemut richtig einzuschätzen, 
der mit der Gründung dieser modern geleiteten Zeitschrift verbunden 
war! Wer an der Demokratisierung der bis dahin höchstens aristo 
kratischen Kunstübung mitarbeiten wollte, mußte natürlich an sich 
selbst beginnen und durfte sich nur mit den besten Leistungen 
genügen lassen. So ward die vornehme Ausstattung in Verbindung 
mit einem gediegenen Inhalt die wichtigste Forderung der Zeit 
schrift an sich selbst. Es war vielleicht das Geheimnis für den 
vollen Erfolg des kühnen Unternehmens! Denn einen solchen darf 
der Verlag jetzt verzeichnen. Von Jahr zu Jahr ward der Inhalt 
reicher und bedeutungsvoller. Eine Geschichte der modernen 
Kunst läßt sich nicht mehr schreiben, ohne auf die „Deutsche 
Kunst und Dekoration“ Bezug zu nehmen. In ihr spiegeln sich 
die Entwicklungen der deutschen Kunst wider, aber anderseits 
hat sie selbst diese Entwicklung mit hervorgerufen oder gefördert, 
indem sie den kühnen Neuerern einen festen Rückhalt bot und ihr 
Wirkungsfeld durch vortreffliche Wiedergabe ihrer Leistungen in 
Wort und Bild erweiterte. So entstand eine Wechselbeziehung 
zwischen der Kunst und den Künstlern mit der Zeitschrift. Zehn 
Jahre „Deutsche Kunst und Dekoration“ sind so wirklich zu zehn 
Jahren deutscher Kunst und deutscher Kultur geworden. Es ist 
deshalb bei diesem wichtigen Lebensabschnitt des Kochschen 
Werkes angezeigt, die für unsre Zeit so segensvollen Leistungen 
mit Dankbarkeit anzuerkennen und dem nie ruhenden Verleger, 
Hofrat Alexander Koch, die besten Wünsche und frohen Hoffnungen 
auszusprechen, daß sein Werk auch in der Zukunft ihm und zu 
gleich der deutschen Kunst zum Segen dienen möge. Ad multos 
annos! Prof. Dr. Vetterlein-Darmstadt. 
Der Eisenbetonban, Leitfaden für Schule und Praxis von 
C. Kersten. Teil II. Anwendungen im Hoch- und Tief 
bau. Dritte Auflage 1907. Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin. 
Preis kart. 3,60 M. Ein Jahr nach dem ersten Erscheinen des 
Buches folgt schon eine dritte, in ausgedehntem Maße erweiterte 
Auflage unter Berücksichtigung der neuen amtlichen Beton 
bestimmungen 1907. K—s. 
Tabellen zur schnellen Bestimmung der Querschnitte, Momente 
und Spannungen in Eisenbetonplatten von M.Bazoli, Ingenieur 
in Glauchau. 1907. Preis 1,20 M. Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, 
Berlin. K—s. 
Moderne Banformen, Herausgeber M.J. Gradl. Verlag Julius 
Hoffmanu, Stuttgart. Preis des Jahrgangs, 12 Hefte, 24 M. Heft 6 
dieser ausgezeichneten Zeitschrift bringt die Arbeiten von Prof. 
Billing an der Kunsthalle in Mannheim, ferner Details der Garten 
anlagen von Prof. Schultze-Naumburg und Prof. Peter Behrens. Die 
Arbeiten der genannten Architekten sind zu bekannt, als daß wir 
noch auf dieselben besonders hinweisen müssen. Die Reproduktionen 
in den „Modernen Bauformen“ sind wie immer sehr gut und können 
wir diese Zeitschrift bestens empfehlen. —e. 
Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fansei, 
Architekt W. Kiatte, beide in Stuttgart. Adresse für alle Sendungen: Bauzeitung- 
Stnttgart, BUchsenstr. 26B. Druck; Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart
	        

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