Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

Jubiläumsausstellung Mannheim 
dem Materiellen den gewaltigen neuen Industriehafen und 
den umfangreichsten städtischen Schulbau, die Kurfürsten 
schule, weihte, mußte aber auch die Erreichung eines 
rein idealen, künstlerischen Zieles glücken. 
Es war ja auch kein Schritt ins Dunkel, den die 
Stadt unternahm, sondern nur ein Wiederaufnehmen alter 
Ueberlieferungen nach langem Dornröschenschlaf; das als 
materiell und kunstarm verschriene Mannheim war einst, 
in den Tagen der Pfalzmediceer Karl Philipp und Karl 
Theodor, eine Kunststätte, in der überschwenglichen 
Sprache der damaligen Zeit Pfalz-Athen genannt, von 
der, was sehr wenig bekannt ist, die Anfänge der Kunst 
stadt München ausgingen. Eine internationale Kunst 
ausstellung war in international angehauchter Stadt die 
geeignete Veranstaltung zur Erinnerung an alte glor 
reiche Zeiten, Zeiten, in denen die aus allen Ländern 
der Alten Welt hier zusammenströmenden Kunstgrößen 
Großes geschaffen hatten. Auch der mitveranstalteten 
Gartenbauausstellung fehlte die historische Beziehung 
nicht, hatten doch die pfälzischen Fürsten, die Mannheim 
hegten, hier residierten, den berühmten hortus palatinus 
auf den Schloßterrassen von Heidelberg durch Salomon 
de Gaus und den weithin bekannten Schloßpark um Pfalz- 
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Versailles, um Schwetzingen, angelegt, 
beide Schöpfungen noch heute wichtige 
Etappen iü der Entwicklung dekorativer 
Gartenkunst und Gartenarchitektur. Also 
nur ein Fortschreiten, ein Fortschreiten 
aber unter andern äußeren Verhältnissen, 
nicht mehr im Strahle der Fürstengunst 
wie ehemals, nach den Wünschen des 
Serenissimus elector, sondern ein Weg 
nach eigner Wahl, mit selbstgewählter 
Richtung, selbstgewähltem Ziele. 
lieber Baukunst auf der Jubelaus 
stellung zu reden ist nun keine leichte 
Aufgabe, einmal weil die Werke der 
Architektur mit dem Ganzen eng ver 
woben erscheinen und nicht zur Einzel 
betrachtung losgelöst werden können, dann 
vor allem, weil sie überwiegend Künstler 
händen entstammen und von Großen er 
richtet sind, bei denen für viele die 
Mahnung Mephistos in Fausts langem 
Kleide gilt: 
„Am besten ist’s auch hier, wenn Ihr nur einen hört 
Und auf des Meisters "Worte schwört.“ 
Die erste Schwierigkeit zeigt unsers Erachtens nur die 
Geschlossenheit, das Gute der ganzen Anlage, über die 
zweite kommen wir mit Horazens Ansicht nil admirari 
und dem Grundsätze sapere aude, der auch für Neulinge 
ohne Ahnen gilt, leicht hinweg. 
Doch zur Sache. Die Mannheimer Ausstellung liegt 
zwar wie fast alle derartigen Unternehmen am Ende der 
Stadt, hat aber doch den Vorzug, gleichzeitig den Ein 
gang inmitten der Stadt zu haben. In geschickter Weise 
ist der monumentale Friedrichsplatz als Eingang und 
Atrium der auf freiem Baugelände angeordneten Garten 
anlagen und des Kunsthauses verwendet. Vollständig 
selbständig ist der unvermeidliche Vergnügungspark an 
das Ganze angereiht. Die Kunsthalle kann auch als 
Reich für sich betrachtet werden, sie ist als dauerndes 
Gebäude an städtischer Straße errichtet worden, der Zu 
gang zu ihr, wie zu ihrem derzeitigen Gegenstück, dem 
Rosengarten, und die Verbindung beider Gebäude mit 
dem Ausstellungsgelände ist etwas gekünstelt ausgefallen; 
die die Rondellstraßen überführenden Holzbrücken sagen 
dem Kenner aber sofort, daß es der sonst edle Zug der 
Sparsamkeit war, der diese Anordnung wählte. 
Der bekannte Friedrichsplatz, ein großzügiges Werk 
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