Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

Sondergarten von Prof. Schnitze, Naumburg 
Sondergarten von Prof. P. Behrens (Naturtheater) 
I 
Hinter dem Eingangsbogen liegt ein von diesem, der 
Stirnseite der großen Halle und dem Bau der Wirt 
schaftshalle der Staatsbrauerei Rothaus umschlossener Vor 
platz, dem man aber die Bezeichnung eines Architektur 
platzes vorenthalten muß. Die Rückseite des Triumph 
bogens insbesondere ist sehr dürftig ausgefallen, die 
Schauseite der genannten Wirtschaftshalle hätte mit der 
selben Liebe wie das Innere behandelt werden sollen, 
gut dagegen ist die Stirnseite der großen Halle, sie atmet 
Monumentalität und zeigt, wie der ganze Hallenbau, einen 
großen Zug. Im Grundriß ist die Halle winkelförmig 
angelegt, der westliche Schenkel endet wie der südliche 
in einem zeltdachgekrönten Eckbau. Im Südflügel ist 
die Mittelachse durch einen Risalitbau, die große Palmen 
halle, betont und ausgezeichnet. Der Boden der Hallen 
liegt in Höhe der Augustaanlage, ebenso der im Westen 
und Norden vorgelegte Umgang. Verschiedene Frei 
treppenanlagen führen zu diesem empor und beleben die 
einfache Architektur. Letztere ist orientalisch beeinflußt. 
Die großen Lichtöffnungen, die einfachen glatten Lisenen 
und die anspruchslosen Gesimse ergeben aber ein hübsches 
Gesamtbild. Der Gebäudeumriß ist sehr gut, von ganz 
imposanter Wirkung war die Umrißbeleuchtung dieses 
Gebäudes, üeber die innere Ausstattung ist wenig zu 
sagen, wir erwarteten, dem Aeußeren entsprechend, eine 
weiträumigere Wirkung als die erzielte. Hübsch ist 
aber die erste Abteilung der Industriehalle, die wissen 
schaftliche Halle und die Palmenhalle. Letztere, etwa 
30 m im Licht hoch, wirkt im Innern sehr malerisch, die 
Höhe scheint dem Beschauer bedeutender zu sein, als 
sie in'Wirklichkeit ist. Der Zahlenfreund erfahre, daß 
in der Halle etwa 750 qm zur Verfügung standen. Archi 
tektonisch hübsche Bilder ergeben sich von fast jedem 
Standort des Umgangs aus, monumental wirkt insbesondere 
der Hauptaufgang zur Palmenhalle und zur wissenschaft 
lichen Halle, ersterer vor allem durch die beiden vor 
gelagerten Billingschen Gartenarchitekturstücke, die un 
zertrennlich mit dem Aufgang betrachtet werden müssen 
und nur in Verbindung mit ihm verständlich erscheinen. 
Letztgenannter Aufgang ist einfacher, durch den hübschen 
Erdabrunnen geschmückt. Die ganze Architektur der 
Hallen und ihrer Zubehörden zeigt, wie mit geringen 
Mitteln hohe Wirkung erzielt werden kann; sie sind unsers 
Erachtens künstlerisch gelungen. 
Von den Sonderarchitekturstücken liegt zunächst der 
Halle der Sondergarten Röthe-Bonn. Er ist ein vor 
nehmer Hausgarten und soll wohl als Fortsetzung einer 
reich ausgestatteten Wohnung gelten. Die Wirkung ist 
vornehm: geschickte architektonische Anlage der Treppen, 
einige schöne Brunnen- und Pergolaanlagen und der 
Prachtpavillon von Jakob Krug-Darmstadt, ein monu 
mentales Teehaus, sind die Glanzpunkte dieser Anlage, 
die bei aller Vornehmheit doch einen traulichen Eindruck 
macht. 
Auf die bereits erwähnten Billingschen Stücke folgt 
der Garten Schultze-Naumburg. Der Garten ist in der 
Stadt an der Straße gedacht, der Besitzer hat sein Tus- 
kulanum ganz ummauert, um in seinem Garten für sich 
zu sein. Der Eingang von der Straße unter dem Tee 
haus hindurch erinnert fast an ein Burgtor, die Archi 
tektur ist aber sehr friedlich, man erwartet höchstens, 
einen biederen Angehörigen der Bürgerwehr aus der 
Pforte treten zu sehen. Der Verfasser der bekannten 
„Kulturarbeiten“ geht bei seiner Anlage lediglich von 
dem Zweck aus, er schafft nicht etwas Absonderliches, 
sondern nimmt ohne weiteres Formen aus vergangenen 
Stilepochen an. Die Hauptsache im Garten ist ihm die 
Pflanze. Hübsch ist das Eingangstor in den Garten, das 
neugierige Ochsenauge in der ümfriedigungsmauer und 
der Aufgang zum Teehaus. Alles ist gut bürgerlich, 
solid, ohne nüchtern und spießbürgerlich zu werden. 
Anders spricht der Sondergarten Brahe. Er mutet 
etwas römisch an. Er könnte die Fortsetzung eines 
römischen Hauses sein und an ein Tablinum oder einen 
Oekus anschließen. Der architektonische Schmuck ist 
ein Laubgang, ein etwas modern überhauchtes Garten 
häuschen, hübsche Sitzgelegenheiten und hübsche Fliesen 
brunnen. Reizvoll ist der Ausblick vom Gartenhäuschen 
nach dem abschließenden Mittelbassin. 
An die sehr geschickte, auch architektonisch an 
sprechende Mehlhornsche Gewächshausanlage — ein rundes 
Viktoriaregiahaus ist geschickt von einer U-förmigen 
Kalt- und Warmhausanlage umfaßt — stößt die Freude 
der meisten Ausstellungsbesucher, das Schwarzwaldland- 
schäftchen. Man kann über die Berechtigung einer der 
artigen Anlage verschiedener Ansicht sein; da aber 
zweifellos die meisten Menschen noch Anhänger der 
romantischen Richtung in der Gartenkunst sind, mußte 
auch dieses Genre vertreten sein. Es bleibt ja den Eiferern 
immer noch der Ausweg übrig, es als Gegenbeispiel zum 
Beispiel zu betrachten. Daß aber die Schwarzwaldland 
schaft keine echte Kunst ist, darüber werden sich wohl 
auch ihre begeistertsten Anhänger klar sein. Uns hat an 
der Anlage das Blockhaus der Firma Luschka & Wage 
mann mit seiner reichen Sammlung exotischer Hölzer 
angesprochen. Die ganze Landschaft faßten wir als 
Rahmen um eine Ausstellung gewerblicher Erzeugnisse 
aus dem Schwarzwald auf, wenn wir auch den leisen 
Verdacht hegten, als sei die Ausstellung der Schwarz 
waldgegenstände das das Idyll nachträglich begründende 
Moment gewesen. Am Kapellchen auf der Höhe, dem 
alten und dem neuen Schwarzwaldhaus, angesichts der 
hier direkt anstoßenden Mannheimer Normalhoffassaden, 
dachten wir an die Verbandsfrage vom Bauen auf dem
	        

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