Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

26. Oktober 1907 
BAUZEITUNG 
341 
Sondergarten von Gartenarchitekt Fr. Braho, Mannheim 
Lande, den Heimat- und Denkmalschutz und die boden 
ständige Bauweise, die wir in Mannheim — nicht haben. 
Es hat also diese Anlage auch ihr Gutes und sie bietet 
sicherlich auch sonst manche Anregung. Auch die Burg 
Zähringen erschien ungefährlich, sie wird ja bei uns 
sicherlich nicht wieder aufgebaut, und andre muß man 
auch hier und da nach eigner Fasson selig werden lassen. 
Der gegenüberliegende Wirtschaftsgarten des Ziller- 
tales enthält als Schmuckstück den originellen Jungfern 
brunnen. Es scheint fast, als sei bei Erfindung der 
Formen hier und da des Guten zu viel geschehen. 
Der Henkel-Garten ist eine romantisch, landschaftlich 
beeinflußte Schöpfung, man erkennt, daß es den Schöpfern 
um malerische Gesamtwirkung und liebevolle Ausarbeitung 
aller Einzelheiten zu tun war. Das Hauptmotiv bildet 
ein exotischer Teich, um ihn Pergolen, Brücken, Sitz 
gelegenheiten, Häuschen von fast indischer Ueppigkeit 
der Formen. Die Architektur ist der direkte Gegensatz 
zu Billin g und Läuger. Obwohl das Bestreben un 
verkennbar ist, die im Garten befindlichen Dinge mit der 
Landschaft verwachsen zu lassen, ist dies doch nicht 
allenthalben gelungen, es ist aber doch ein Gesamtbild 
von großem Beiz entstanden, das bei uns Gedanken an 
das ferne Beich des Mikado auslöst. 
Ein architektonisch bedeutendes Gartenhaus am Wege 
kündet uns den Garten Behrens an. Ein eigenartiger 
Bau mit zwei anstoßenden, mit Brunnen, Pergolen und 
Sitzgelegenheiten ausgestatteten Höfen ist der Haupt 
bestandteil dieses Gartens. Das Haus enthält einen 
einzigen Baum mit hohen Fenstern, von denen aus sich 
ein reizender Blick, über die vorliegende Terrasse weg, 
Schwarzwaldhaus 
nach einem tieferliegenden Blumenparterre ergibt. Eine 
schöne Anlage ist das Naturtheater, das dem reichen 
Besitzer Gelegenheit bieten soll, die Festlichkeiten im 
Garten künstlerischer, ästhetischer, feiner zu gestalten. 
Die die Bühne umziehenden Pergolen mit den eingebauten 
Bassins bilden einen eigenartigen Abschluß des Gartens, 
der von allen Sondergärten am ehesten als reines Archi 
tekturstück und am wenigsten als Garten betrachtet werden 
kann. 
Mit einer kurzen Betrachtung des Staudengartens Goos- 
Koenemann, der wieder mehr die landschaftliche Bichtung 
pflegt und der mit einem ßichterschen Skulpturwerk, das 
im Mannheimer Bathaus dereinst in größerem Maßstab 
ausgeführt werden soll, geschmückt ist, soll die heutige 
Betrachtung geschlossen werden. Das Skulpturwerk ist 
nach dem Entwurf des der Kunst leider zu früh ent 
rissenen Prof. Schmalz-Charlottenburg ausgeführt worden. 
Eine Gartenabteilung zeigt uns auch die architektonisch 
geometrische Verwendung der Stauden. 
Dem Läugerschen Sondergarten und der Ausbildung 
der Augustaanlage seien die folgenden, das Bild ver 
vollständigenden Striche gewidmet. 
Die neue badische Landeshauordnung 
Leber den Entwurf zu einer neuen Landesbau 
ordnung für Baden ist schon auf S. 154 und 157 im 
Jahrgang 1906 dieses Blattes berichtet worden. In dem 
zweiten Artikel hatte ich bemerkt, daß ein besonders 
wichtiger Gegenstand moderner Bauordnungen, nämlich 
die Baudichtigkeit, nur ganz dürftig behandelt und 
hauptsächlich der Begelung durch örtliche Bauord 
nungen überlassen sei. Unter Hinweis auf die mit einem 
solchen Verfahren verbundenen Lebelstände wurde sodann 
die Hoffnung ausgesprochen, daß der Entwurf im Sinne 
stärkerer Einheitlichkeit noch verbessert werde. Diese 
Hoffnung ist seither auf befriedigende Weise erfüllt 
worden, namentlich infolge einer Beratung im Landes 
gesundheitsrat. Es dürfte daher, nachdem die neue 
Landesbauordnung am 1. September verkündigt worden 
ist und auf den 1. November d. J. in Kraft treten soll, 
ein abermaliger kurzer Bericht an dieser Stelle ge 
boten sein. 
Der „zulässigen Ueberbauung der Grundstücke: Hof 
raum, Gebäudehöhe, Geschoßzahl, Hintergebäude, Fenster 
abstände u. s. w.“ ist der Abschnitt §§ 22—32 gewidmet. 
Es findet sich darin die Vorschrift, daß die Höhe eines 
Gebäudes an der Straße die Breite der letzteren (ein 
schließlich Vorgärten) in der Kegel nicht übersteigen und 
daß die Höchstzahl der Hauptgeschosse in Orten und 
Ortsteilen mit ländlichen Verhältnissen zwei, in Vororten 
und Außenbezirken größerer Städte drei, im übrigen vier, 
in Hauptgeschäftsstraßen im Stadtinnern fünf betragen 
solle. Nach badischer Zählweise ist hierunter das Erd 
geschoß inbegriffen, dagegen wird ein Dachgeschoß 
noch außerdem zugelassen, welches bei zwei oder drei 
Hauptgeschossen vollständige Wohnungen, bei vier oder 
fünf Hauptgeschossen nur Einzelräume als Zubehörden 
zu unteren Wohnungen enthalten darf. 
Ferner fordert die neue Landesbauordnung: Hofraum 
mindestens ein Viertel der Grundstücksfläche, bei Eck 
häusern weniger, jedoch überall mindestens 25 qm sowie 
mindestens 3 m Breite; Abstand einer Gebäudewand, 
welche Fenster von Bäumen zu dauerndem Aufenthalt 
enthält, von einer gegenüberstehenden Wand oder von 
der Nachhargrenze mindestens 3,6 m. Das ist alles, was 
an bestimmten Zahlen im Text vorkommt, und wäre offen 
bar höchst ungenügend für das Bedürfnis an Licht und 
Luft, wenn man nicht zugleich ein System der Abstufung 
angeordnet hätte, bei welchem jene Zahlen nur als Minima 
zu gelten haben. Es soll nämlich nach ausdrücklicher 
Vorschrift der Grad der zulässigen Ueberbauung, wo
	        

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