Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

26. Oktober 1907 
BAUZEITUNG 
343 
zusammen 283 Mitglieder betrug, hat 
sich inzwischen derart geändert, daß nur 
noch 157 hiesige und 118 auswärtige 
Mitglieder, zusammen also 275, dem Ver 
ein angehören, somit ein Abgang von 
8 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Dieser 
erklärt sich vor allem durch eine un 
gewöhnliche Anzahl von Todesfällen im 
vergangenen Jahr (v. Laißle, Glocker, 
v. Tritschler, v. Schlierholz '[Ehrenmit 
glied], Köhler, Braun, Lambert) sowie 
durch den Austritt von 5 Mitgliedern, 
die teils infolge vorgerückten Alters, teils 
wegen Wegzugs von hier an den Ver 
sammlungen keinen Anteil mehr nehmen 
können. Eingetreten sind 5 Mitglieder 
(Weyrauch, Schmohl, Eberhardt, Pausel, 
Szivessy). Die Veranstaltungen des ver 
gangenen Jahres bestehen in 1 Haupt 
versammlung, 3 Vorstandssitzungen, 7 
ordentlichen Mitgliederversammlungen, 6 
Besichtigungen und 2 geselligen Vereini 
gungen. Die Besichtigungen galten dem 
neuen Schlachthof in Gaisburg, der Mar 
kuskirche, der Kursaalerweiterung in 
Cannstatt, der Bauhütte, dem Krema 
torium und dem städtischen Wasserwerk 
auf dem Hasenberg. An Verbands 
arbeiten wurden die beiden Aufgaben er 
ledigt: „Mit welchen Mitteln kann Ein 
fluß gewonnen werden auf die künst 
lerische Ausgestaltung privater Bauten 
in Stadt und Land?“, und „Welche Wege 
sind einzuschlagen, damit bei Ingenieur 
bauten ästhetische Rücksichten in höherem 
Grad zur Geltung kommen als bisher?“ 
Auf der vom 22. bis 26. August in Kiel 
ahgehaltenen Abgeordnetenversammlung 
des Verbands deutscher Architekten- und 
Ingenieurvereine war der Verein vertreten 
durch Baurat Hofacker und Oberbaurat 
Zügel. Nachdem noch über verschiedene 
Zuwendungen, die der Verein im ver 
gangenen Jahr hauptsächlich von staat 
lichen und städtischen Behörden erhalten hatte, Bericht er 
stattet war, trug Baurat Kuhn den Kassenbericht vor, der 
wie im Vorjahr ein erfreuliches|Bild zeigt, und hernach Bau 
inspektor Pantle den Bibliothekbericht. Damit war der 
Stoff der Hauptversammlung erledigt und es wurde sofort 
die erste Mitgliederversammlung angeschlossen, in 
welcher Baurat Hofacker über den geselligen Teil der 
Kieler Versammlung berichtete. Er hatte die Hinreise 
über Hamburg gewählt, wo insbesondere der neue Bahn 
hof das Interesse des Technikers fesselte. So gut das 
Aeußere wirkt und so zweckmäßig die Anordnungen ge 
troffen sind, so vermag der Bau doch nicht in allen Teilen 
zu befriedigen. So ist zum Beispiel der Mangel jeglichen 
Aufzugs von den Bahnsteigen in die obere Halle zu be 
anstanden, was namentlich für kranke Personen, die 
getragen werden müssen, große Unannehmlichkeiten mit 
sich bringt. Die Kieler Tage litten sehr unter der Un 
gunst der Witterung. Der Begrüßungsabend am 22. August 
fand im Hotel Bellevue statt; von dort hatte man eine 
prachtvolle Aussicht auf die Kieler Bucht, wo gerade 
fast die gesamte deutsche Kriegsflotte versammelt war. 
Am Freitag begannen um 9 Uhr die Verhandlungen, die 
sich, unterbrochen durch ein zwangloses Frühstück, bis 
5 Uhr ausdehnten. Dann besichtigte man die Germania 
werft unter Leitung unsers Landsmanns und Vereins 
mitglieds Baurat Baur und staunte insbesondere die 
neuesten Panzerschiffe, die die englischen an Größe noch 
übertreffen, gebührend an. Das vom Verein schleswig 
Bauunglüok in Stuttgart. Ansicht des Hauses nach dem Einsturz 
holsteinischer Architekten gespendete Abendessen fand 
in Ellerbeck statt und nahm unter Vorträgen aus „Geisha“ 
mit Harmonika- und Paukenbegleitung sowie unter kostü 
mierten Aufführungen mit nachfolgendem Tanz einen 
äußerst anregenden Verlauf, so daß erst um 1 Uhr nachts 
die Rückfahrt nach Kiel mittels Extraboots angetreten 
wurde. Am Samstag wurden die Verhandlungen fort 
gesetzt, unterbrochen durch ein Frühstück in der See 
badeanstalt, wo die Räume des Kaiserlichen Jachtklubs 
besichtigt wurden. Nach Schluß der Verhandlungen um 
3 Uhr wurde mittels Sonderschiffs zu der Kriegsflotte 
hinausgefahren und ein Schiff derselben unter äußerst 
liebenswürdiger Führung der Offiziere von oben bis unten 
einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Abends war 
das Festessen im Hotel Bellevue, das sich bis 1 Uhr 
hinzog und alles bot, was an Genüssen des Meeres auf 
zutreiben war. Am Sonntag wurde eine Fahrt nach 
Sonderburg unternommen; trotz ungünstiger Witterung 
war die Beteiligung eine sehr lebhafte. Nach Erreichung 
von Sonderburg ging man sofort zu Fuß nach den Düppeler 
Schanzen, wo ein Vortrag über deren Erstürmung die 
Geschichtskenntnisse der Teilnehmer wieder einigermaßen 
auffrischte. Vom heutigen militärischen Standpunkt aus 
betrachtet dürfte allerdings die geringe Anpassung der 
Schützengräben an das Gelände nicht nachahmenswert 
erscheinen. Auch der Rückweg hatte sehr unter der 
Ungunst der Witterung zu leiden, da vollständiger Nebel 
herrschte und daher fast nichts zu sehen war. Montags
	        

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