Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZElTUNG 
Nr. 4 
liste und der Denkmäler Verzeichnisse“, fortgesetzt. 
Es wurde hierbei betont und als richtig anerkannt, daß 
diese Feststellung ohne Lokalbesichtigung durch die Sach 
verständigen nicht wohl möglich sei und letztere natur 
gemäß noch Zeit erfordere. Um schneller zum Ziel zu 
kommen, sei eine Teilung der Arbeit in der Weise zu 
erstreben, daß die Feststellung der Denkmalliste Hand in 
Hand mit der neu aufgenommenen Kunstdenkmälerinven 
tarisation gehe. Nähere Vorschläge hierüber müssen Vor 
behalten bleiben. Zu Punkt 6, „Mitteilungen über 
die in Oberhessen aufgedeckten mittelalter 
lichen Wandmalereien“ (Praurombach, Hochweisel, 
Hungen), berichtete Prof. Walbe an Hand der ausge 
stellten farbigen Aufnahmen. Prof. Kautzsch besprach 
im besonderen das Verfahren bei der Aufnahme und er 
klärte sodann den Gegenstand der Fraurombacher 
Malereien, die sich als eine Darstellung des Lebens des 
Kaisers Heraklius nach einem mittelalterlichen Epos er 
wiesen haben. Die Malereien besitzen bedeutenden kunst 
geschichtlichen Wert. 
Im Anschluß hieran erstattete Prof. Kautzsch noch 
Bericht über Punkt 7 und 8 der Tagesordnung: „Ein 
richtung eines Denkmalarchivs“ und „Mittei 
lung über die Neuordnung der Herausgabe des 
Kunstdenkmälerwerks“. Das Denkmalarchiv ver 
folgt den Zweck, Abbilder von dem gesamten Denkmäler 
vorrat des Landes zu sammeln und zum Studium sowie 
für praktische Zwecke zugänglich zu machen, eine Ein 
richtung, wie sie in ähnlicher vorbildlicher Art in Bonn, 
Dresden, Straßburg bereits besteht. Bezüglich der Neu 
ordnung der Herausgabe des Kunstdenkmälerwerks ist 
zu bemerken, daß diese einem der hierfür bestellten 
Kommission verantwortlichen Leiter unterstehen soll, der 
Mitarbeiter für einzelne Kreise oder nur für Teile der 
selben, oder auch nur für einzelne Kunstgebiete oder 
einzelne Denkmäler, je nach der Art der Aufgabe, heran 
zieht. Zunächst ist beabsichtigt, die Beschreibung der 
Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten für Oberhessen, 
des Kreises Mainz für ßheinhessen und des Kreises 
Darmstadt für Starkenburg, wofür zum Teil Material 
schon vorhanden ist, in Angriff zu nehmen. Da die Be 
schreibungen für die Kreise Erbach, Offenbach, Büdingen, 
Friedberg, Worms bereits erschienen sind, diejenige für 
den Kreis Gießen der Vollendung entgegengeht, so wären 
nach Erledigung der vorbezeichneten nächsten Aufgabe, 
womit die Provinz Oberhessen abgeschlossen wäre, die 
Beschreibungen für die Kreise Bensheim, Dieburg, Groß- 
Gerau, Heppenheim (mit Ausnahme von Wimpfen, wofür 
ein Spezialband erschienen ist) für die Provinz Starken 
burg, Alzey, Bingen und Oppenheim für die Provinz 
Eheinhessen in den darauffolgenden Jahren aufzunehmen. 
Der Vorsitzende schloß um 7 1 /- 2 Uhr abends die Sitzung 
mit Dankesworten an die Erschienenen, namentlich an die 
Referenten der diesmaligen Tagung. 
Personalien 
Württemberg'. Erteilt: dem württembergisohen Staats 
angehörigen, Kgl. Preußischen Baurat L. Ne her in Frankfurt a. M. 
die Erlaubnis zur Annahme nnd Anlegung des ihm verliehenen 
Roten Adlerordens IV. Klasse. Y er willigt: dem Straßenmeister 
Mogler in Hirsau die erbetene Zuruhesetzung. 
Baden. Ernannt: der Regierungsbaumeister F. Heyl von 
Gundernhausen zum Kulturinspektor bei der Kulturinspektion Fried 
berg. 
Bücher 
Doktor-Dissertationen. Zwei im Verlag von Ernst Wasmuth 
in Berlin erschienene Dissertationen zur Erlangung der Würde eines 
Doktor-Ingenieurs sind uns von der Kgl. Technischen Hochschule 
zu Dresden zugegangen. Beide Abhandlungen gehen weit über den 
Rahmen der üblichen Dissertationen hinaus, es sind bau wissenschaft 
liche Abhandlungen von beträchtlichem Umfang und wertvollem 
Inhalt und verdienen es, jeder Pachbibliothek einverleibt zu werden. 
Die eine, deren Verfasser Dr.-Ing. Martin Hammitzsch ist, be 
handelt den Mo de r nen Th e a t er bau, insbesondere den höfischen 
Theaterbau (Anfang der modernen Theaterbaukunst, deren Entwick 
lung und Betätigung zur Zeit der Renaissance, des Barock und des 
Rokoko) mit 142 Illustrationen. Als Referent für diese Dissertation 
fungierte Geb. Hofrat Prof. Dr. Gurlitt, als Korreferent Hofrat 
Prof. Weißbach. In dem Werk werden dargelegt; die Theaterbau 
typen des Mittelalters, der moderne und höfische Theaterbau 
Italiens, das altenglische Theatergebäude, die moderne französische 
Theaterbaukunst, der moderne Theaterbau, der Uebergang vom 
höfischen zum öffentlichen Theaterbau des 18. Jahrhunderts in 
Deutschland. Ein Beispiel, wie der französische Einfluß im deut 
schen Theaterbau des 18. Jahrhunderts maßgebend war, ist u. a. die 
Umwandlung des Stuttgarter Lusthauses in ein Opernhaus, das wir 
im Bilde nach einem Originalplan des französischen Architekten 
Louis Philippe de la Guepiere vorführen. Die andre Dissertation, 
die von Dr.-Ing. Arthur Mäklt verfaßt ist und zum Referenten 
Prof. Hugo Hartung, als Korreferenten Geh. Hofrat Prof. Dr. 
Gurlitt hat, verbreitet sich über Mittelalterliche Land 
kirchen aus dem Entstehungsgebiet der Gotik, sie enthält Auf 
nahmen von 53 Landkirchen mit Erläuterungen. Die Arbeit ist 
das Ergebnis einer Reise, die den Verfasser zum Studium mittel 
alterlicher Baukunst von Juli bis November 1904 durch Nordfrank 
reich, insbesondere durch die Departements Aisne und Oise führte. 
Aus der Fülle der bildlichen Darstellungen sei eine Abbildung der 
Kirche Notre Dame in Bruyeres mit ihrem massigen Mauerwerk 
wiedergegeben. Wir verdanken die Abbildungen aus beiden Dis 
sertationen dem freundlichen Entgegenkommen -des obengenannten 
Verlags. F- 
Anfragen 
M.K. inH. Sie schreiben: Eine große Fabrik Württembergs liegt 
mit 30 ha ihres meist bebauten Areals in der Gemeinde A und nur mit 
0,50 ha unbebauten Areals in der anstoßenden Gemeinde ß. Bei der 
Projektierung von Arbeiterwohnnngen für diese Fabrik zeigt es sich, 
daß die Markungsgrenze zwischen der Gemeinde A und B die Gebäude 
etwa in der Längsachse durchschneidet. Welcher der beiden Ge 
meinden steht nun die Behandlung der Baupläne zu und zu welcher 
Gemeinde zählen die Bewohner? 
Antwort. Die Behandlung der fragl. Baupläne kommt zweifels 
ohne derjenigen Gemeinde zu, auf deren Markung der größere Teil des 
einzelnen Gebäudes zu stehen kommt. Schwierigkeiten können nur 
dann entstehen, wenn diejenige Gemeinde, in welcher der kleinere 
Teil eines Gebäudes steht, weitergehende Bauvorschriften besitzt 
(Ortsstatut) als die genehmigende Gemeinde; dann müssen eventuell 
Verständigungsverhandlungen stattfinden. Die Bewohner zählen im 
allgemeinen zu derselben Gemeinde; erhebt jedoch die andre Ge 
meinde Widerspruch, so ist eine Verständigung nicht zu umgehen. 
Die Gebäudesteuer (Gruudstückssteuer) wird genau nach den über 
bauten Gruudstücksflächen der einzelnen Gebäude für jede Markung 
ohne weiteres ausgeschieden. Bei der Einkommensteuer und Wohn- 
steuer haben sich die benachbarten Gemeinden gegenseitig zu ver 
ständigen , desgleichen bei standesamtlichen Vorkommnissen, Ge 
burten, Todesfall u. s. w., wenn sich ein Gebäude auf zwei Orts 
markungen befindet. Am einfachsten ist natürlich in solchen Fällen 
die Regulierung, d. h. entsprechendeVersohiebungderMarkungsgrenze. 
Stuttgart, 22. Januar 1907. Bezirksbaumeister Burk ha rdt. 
Briefkasten 
W. J. in U. Wir freuen uns über Ihre Anerkennung und worden 
auch fernerhin bestrebt sein, gerade auf dem Gebiete des Klein- 
wohnungsbaues bemerkenswerte Bauten zu veröffentlichen. — 
Was Ihre Anfrage wegen des Körnerschen Universalfensters 
betrifft, so setzen Sie sich am besten mit dem Erfinder oder dessen 
Vertreter in Verbindung. Im übrigen verweisen wir Sie auf eine 
bezügliche Bekanntmachung im Inseratenteil dieser Nummer. 
A.l.inE. Bei der großenNachfrage nach der neuenBinband- 
deoke 1906 haben wir noch eine größere Anzahl nachfertigen lassen, 
so daß wir den befr. Wünschen entsprechen können. Die bisherigen 
Besteller erhalten die Einbanddecke in den nächsten Tagen zngestellt. 
Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel, 
Architekt W. Klatte, beide in Stuttgart. Adresse für alle Sendungen: Bauzeitung- 
Stuttgart, Bilchsenstr. 26 B. Druck: Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart 
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