Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZEITUNG 
Nr. 7 
Biologische Klär 
anlagen mit gernch- 
sicherer Abdeckung 
(D.R.P.) 
Da fäkalhaltige oder 
sonst stark verunreinigte 
fäulnisfähige Schmutzwässer 
in ungereinigtem Zustande 
in natürliche oder künstliche 
Abzugsgerinne nicht ein 
geführt werden dürfen, er 
gibt sich in den meisten 
Fällen die Notwendigkeit, 
diese Abwässer unschädlich 
zu machen. Dieses geschieht 
zurzeit nahezu ausschließlich 
durch das biologische Klär 
verfahren. In der überwie 
genden Mehrzahl finden die 
Kläranlagen ihre Anwen 
dung derart, daß sie auf dem 
zu entwässernden Bauwesen 
erstellt werden müssen. Die 
Geruchsbelästigung, die hier 
durch eintritt, bedingt es, diese Kläranlagen vollständig 
zu überdecken. Anderseits erfordert eine Kläranlage 
derzeit üblichen Systems eine intensive Belüftung des 
Filtermaterials, des sogenannten Tropfkörpers. 
Durch die beiden vorstehenden Anforderungen ist ein 
Widerstreit geschaffen, der in der letzten Zeit durch das 
Belüftungssystem des Zivilingenieurs Alfred Yogelsang 
in Dresden in einer glücklichen Weise gelöst wurde. Die 
bisher bekannten Klärkörper, bei denen schichtweise 
Schlacken- oder Koksstücke aufgebaut sind, arbeiten vor 
züglich, wenn sie frei liegen und die umgebende Luft 
leicht zu und unter den Klärkörper dringen kann; sie 
versagen aber vollständig, wenn sie unter der Erdober 
fläche aufgebaut werden, was in den meisten Fällen ge 
schehen muß, um Abwässer aus den Häusern ohne Hebe 
vorrichtung der Kläranlage zufließen lassen zu können. 
Die im Klärkörper erzeugte Wärme ist nämlich bei An 
ordnung in tieferen Gruben nicht mehr in der Lage, die 
Luft in gehöriger Weise durch den Klärkörper zu be 
wegen, so daß der gewünschte biologische Klärprozeß nur 
mangelhaft vor sich geht. 
Um diesen Uebelstand zu beheben und gleichzeitig 
eine energische Luftzirkulation durch den Klärkörper 
Arbeiterwohnhaus für zwei Familien, Baukosten 14 000 Mark 
Architekt Th. Preokel, i. Fa. Th. Preckel & Fr. Böhm, Pforzheim 
zu bewirken, wird nach der 
vorliegenden Erfindung die 
Kläranlage in der Weise 
ausgeführt, daß der in be 
liebiger Tiefe angelegte Klär 
körper auf einem durch 
brochenen Zwischenboden 
ruht, unter welchem die 
atmosphärische Luft durch 
eine" Luftschacht eintreten 
kann. Der ganze Raum ist 
vollkommen abgeschlossen 
und wird an einen Schorn 
stein angeschlossen, so daß 
durch den natürlichen Zug 
des Schornsteins eine Saug 
wirkung entsteht, vermittelst 
welcher die Luft durch den 
Luftschacht an die Unter 
fläche des Klärkörpers und 
von da durch das Brocken 
material in ständigem Strome 
hindurchgeführt wird. Der 
Luftschacht liegt nicht über 
dem Klärbehälter, sondern 
neben diesem. Schädliche 
und übelriechende Gase können weder aus dem Luft 
schacht noch aus der Kläranlage selbst austreten, wo 
durch die Anlage absolut geruchsicher ist. 
Es war wohl schon bekannt, den Klärkörper in ge 
schlossenen Behältern unterzubringen und in den Behälter 
als solchen frische Luft einzuführen. Die Einführung 
der frischen Luft geschah indessen über dem Klärkörper, 
so daß von der Luftzirkulation eigentlich nur die Ober 
fläche des Brockenmaterials berührt wurde, während eine 
Ergänzung der zwischen den Brocken befindlichen Luft, 
die zur Erhaltung der Kleinlebewesen und damit zur 
Herbeiführung des biologischen Prozesses unbedingt nötig 
ist, nur in sehr mangelhafter Weise stattfand. 
Der wesentliche Wert der vorliegenden Erfindung 
besteht also darin, daß sie es ermöglicht, vollkommen 
geruchsichere Kläranlagen herzustellen, welche trotz 
direkten Luftabschlusses eine beständige ausreichende 
Belüftung des Tropfkörpers ermöglichen. Ein gleich 
gutes Ergebnis wird erzielt, wenn die Durchlüftung des 
Tropfkörpers in horizontaler Richtung erfolgt, in der 
Weise, daß die Luft an der Stirnfläche des Tropfkörpers 
eintritt und an der andern abgesaugt wird. 
Die nebenstehende Abbildung zeigt eine Kläranlage, 
bei der die Durchlüftung sowohl von unten als auch von 
der Seite her erfolgt. In der Abbildung stellen O und H
	        

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