Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

BAUZEOUN 
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN HESSEN ELr 
SASS- LOTHRINGEN* 
Inhalt: Wettbewerb für ein Lutherhaus mit Luthersaal für die Paulusgemeinde in Stuttgart. — Ein 
Riesentunnel. — Gegen die Errichtung von Arbeitskammern. — Yereinsmitteilungen. — Wettbewerbe. 
— Kleine Mitteilungen. — Bautechnisohe Rundschau. — Personalien. — Bücher. — Briefkasten. 
Alle Rechte Vorbehalten 
Wettbewerb für ein Lutherliaus mit Lutliersaal für die Paiilusgemeinde 
(Schluß.) in Stuttgart 
In unsrer heutigen Nummer lassen wir eine weitere 
preisgekrönte und eine zum Ankauf empfohlene Arbeit 
folgen. 
Entwurf mit dem Kennwort „Eine Lösung“ II. 
Verfasser Architekten Klatte & Weigle-Stuttgart. Das 
Projekt ist eine fleißige, wohldurchdachte Arbeit von 
klarer Grundanlage, welche die einzelnen Abschnitte des 
Bauprogramms geschickt gruppiert und übersichtlich in 
die Disposition des Ganzen einfügt, wobei sie allerdings 
der Schwierigkeit, welche der schiefe Anschluß des Ge 
bäudetraktes an der Arndtstraße mit sich bringt, nicht 
voll gerecht wird. Der Saalbau, an die Vogelsangstraße 
gelegt, mit dem mittleren Haupteingang, welcher über 
ein geräumiges Vestibül mit Kleiderablage zu der axialen 
Haupttreppe führt, enthält im Hauptstock den Eestsaal, 
an den sich die erforderlichen Nebenräume einwandfrei 
anschließen. — Festsaal und Empore, von günstiger Ab 
messung, zeigen ausreichende Tagesbeleuchtung, während 
der Haupteingang im Erdgeschoß und das Vestibül mit 
den Kleiderablagen bezüglich der Tagesbeleuchtung nicht 
voll befriedigen. Der Vorraum vom Austritt der Haupt 
treppe zum Festsaal ist zu knapp bemessen, wenn auch 
die vier weiteren verteilten Treppenhäuser, die vom Erd 
geschoß den Zugang zum Festsaal und zu den Emporen 
vermitteln, eine Entlastung des Verkehrs ermöglichen 
und insbesondere eine Abflutung der Menge am Schlüsse 
der Veranstaltungen erleichtern. Das Vereins- und Wohn 
haus ist an die Arndtstraße gelegt, wodurch den Wohn- 
gelassen eine nicht erwünschte nordwestliche Lage an 
gewiesen wird. Die Höhe des Gebäudes müßte eine 
Dispensation voraussetzen. In einem Zwischenbau zwischen 
Saal und Vereinshaus ist, für sich abgeschlossen, die 
Kleinkinderschule untergebracht. Die im zweiten und 
dritten Stock vorgesehenen zweizimmerigen Wohnungen 
weisen ungeeignete Abortanlagen auf. Das Aeußere an 
der Vogelsangstraße ist ruhig und klar und bringt den 
Saalcharakter glücklich zum Ausdruck, während die 
Fassadenentwicklung an der Arndtstraße unter dem Vor- 
und Zurückspringen gleichwertiger Gebäudeteile der Ruhe 
und Geschlossenheit entbehrt. 
Entwurf mit dem Kennwort „Axe“. Verfasser Regie 
rungsbaumeister G. Martz - Stuttgart und Regierungsbau 
meister E. Wagner-Degerloch. Bei diesem Entwurf liegt 
der Saaleingang mit seiner Hauptfront an der Arndtstraße 
und ist die Rückseite mit der Bühne der Vogelsangstraße 
zugekehrt. Das Vereins- und Wohnhaus liegt, unter 
Vermeidung des „Bahnschlitten“-Motivs, an der Ecke 
Vogelsang- und Arndtstraße, eine Anordnung, die als 
zweckmäßig bezeichnet werden muß. Die Grundrisse 
sind im allgemeinen gut durchgearbeitet und der Saal 
würdig zum Ausdruck gebracht, wenn auch die weit 
vorspringende Empore ungünstig zu beurteilen ist. Zu 
gänge und Treppen sind reichlich vorhanden, letztere 
teilweise allerdings nicht einwandfrei angelegt. — Die 
Architekten Klatte & Wcigle-Stuttgart 
Wettbewerb Lutherhaus. Ein Preis 600 M.
	        

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