Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZEITUNG 
Nr. 18 
Saalquerschnitt 
Wirtschaftszimmer mit darunter liegender Küche und 
zugehörigen Nebenräumen sind, da der größere Verkehr 
von der Moltkestraße herkomrat, an günstiger Stelle. Die 
Räume des Vereins- und Wohnhauses sind, was die Zahl 
betrifft, dem Programm angepaßt; aber ein großer Mangel 
ist, daß dieselben und namentlich die Mehrzahl der Zimmer 
der Pfarrwohnungen zu klein ausgefallen sind. Dasselbe 
gilt auch von den beiden Kleinkinderpflegeräumen. Was 
die Architektur im Aeußeren betrifft, so läßt sie Uebung 
und künstlerisches Verständnis nicht verkennen. Die 
Fassade an der Arndtstraße ist befriedigend. Dagegen 
ist die der nicht unbedeutenden Vogelsangstraße zuge 
kehrte Rückfassade des Saalbaus wenig durchgebildet 
und zeigt eine ungünstige Verteilung der Baumassen. 
Den vom Preisgericht ausgezeichneten Arbeiten lassen 
wir noch das interessante Projekt der Architekten Regie 
rungsbaumeister Fuchs und Regierungsbaumeister Henes 
folgen, welches eine originelle Gestaltung insbesondere 
des Saalbaues besitzt und in seiner Architektur manche 
Anregung bietet. 
Ein Biesentunnel 
Bekanntlich ist man jetzt seit mehr als zwei Jahren 
mit dem Bau der neuen Wasserleitung für Neuyork be 
schäftigt, und es soll in späteren Tagen gutes Gebirgs- 
wasser aus den Cats-kills, einem Gebirgszuge, ungefähr 
60 Meilen von Neuyork entfernt, an die Stelle des jetzigen, 
aus mehreren Seen und Teichen nach Neuyork geleiteten 
Wassers von oft recht fragwürdiger Güte und ziemlich 
zweifelhafter Reinheit treten. Der schwierigste Teil des 
Ansicht Yogelsangstraße 
Wettbewerb Lutherhaus, Ein Preis 500 M. 
Baues liegt, wie wir der „Welt der Technik“ entnehmen, 
in der Nähe der Stadt, wo aus verschiedenen Gründen 
die Fortführung des gewaltigen Aquädukts nicht mehr 
möglich ist, und die Leitung in einem langen Tunnel 
unter der Stadt bis nahe an ihre Grenze fortgesetzt wird. 
Dieser Tunnel beginnt bei dem Hill View Reservoir und 
wird von dort unter den Stadtteilen Bronx und Man 
hattan, ferner unter dem East River, einem Meeresarm, 
nach Brooklyn in einer Länge von 16 Meilen (englisch) 
geführt. Der Anfangsdurchmesser ist auf 14 Fuß be 
rechnet, doch verjüngen sich die Dimensionen des Tunnels 
allmählich, so daß er bei seinem Endpunkt, in Brooklyn, 
nur noch einen Durchmesser von 8 Fuß haben wird. 
Da der Tunnel unter einigen bereits gebauten Wolken 
kratzern geführt wird, da auf seiner Strecke wahrschein 
lich im Laufe der Zeit noch viele andre gebaut werden 
dürften, da er die Neuyorker Untergrundbahn dreimal 
schneidet, da unter der Erde Legionen von Gas-, elek 
trischen, namentlich Telephonleitungen, liegen, da die 
Kanalisierung in den Bezirken, durch die er führt, weit 
verzweigt ist, muß er in sehr bedeutende Tiefe gelegt 
werden, und er wird sich in einer Tiefenlage von 200 
bis 300 Fuß unter dem Straßenniveau hinziehen, so daß 
alle bestehenden wie immer gearteten Leitungen durch 
ihn nicht berührt werden. Die große Tiefe war auch 
dadurch geboten, daß die Leitung, wie bereits erwähnt, 
sich unter dem East River hinziehen wird, dessen Grund 
allein schon 180—200 Fuß unter dem Straßenniveau sich 
befindet. 
Die Pläne wurden von dem Ingenieurdepartement 
der städtischen Behörde für die Wasserzufuhr unter der 
Leitung des Chefs, Ingenieurs J. Waldo Smith, aus 
gearbeitet, wobei große Schwierigkeiten zu überwinden 
waren, weil die Stadt Neuyork bzw. der Boden, auf dem 
sie steht, auf verhältnismäßig kleiner Fläche sehr ver 
schiedene Bodeuformationen hat, oft Felsgestein, oft 
Flugsand. Es mußten daher auf der ganzen Strecke 
sehr viele Tiefbohrungen vorgenommen werden, um fest 
zustellen, wie der Grund 200 Fuß unter der Oberfläche 
an den verschiedenen Stellen beschaffen ist. Eigen 
tümlicherweise wurde der frühere Plan, das Wasser 
unterhalb der Stadt in einer gewaltigen Röhrenleitung 
zu führen, aufgegeben, weil die Leitung viel teurer käme 
als der Tunnelbau und viel weniger Garantien für die 
Sicherheit böte. Das Springen einer oder mehrerer 
Röhren wäre auch bei der sorgfältigsten Ausführung und 
der eingehendsten Kontrolle nicht ausgeschlossen, und 
das könnte dann für die Stadt eine große Kalamität be 
deuten, während der gebaute Tunnel unbedingte Sicher 
heit gewährt, ein Erdbeben ausgenommen. Da nunmehr 
die Ergebnisse vieler Tiefbohrungen vorliegen, kann die 
Strecke des Riesentunnels bereits festgesetzt werden. Sie 
geht unter dem Harlemfluß zwischen der siebten Avenue 
Ansicht Arndtstraße 
Architekten Klatte & AYeigle-Stuttgart
	        

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