Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/12/
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BAUZBITUNG 
Nr. 1 
flachem Bogen vor. Im übrigen ist die Architektur 
(Ziegelbau in niederdeutschem Charakter) einfach und 
ohne Luxus. 
Eine notwendige Ergänzung der Wett 
bewerb sbestiinmnngen 
Sehr viele unsrer Wettbewerbe hinterlassen infolge 
der Beurteilung der Projekte bei den Bewerbern eine 
Mißstimmung. Die einen haben ihre Arbeit nach dem 
Gesichtspunkt gemacht: die Arbeit muß das Programm 
absolut erfüllen und darf die vorgeschriebene Summe 
nicht überschreiten; die andern legten ihrer Arbeit den 
Gedanken zugrunde: es läßt sich bei einem kleinen Ab 
Arbeit nicht entsprechen. Derjenige, welcher sich über 
ausdrückliche Bestimmungen des Programms hinwegsetzt, 
wagt viel mehr als ein andrer Bewerber. Ist nun seine 
Arbeit den andern weit überlegen und die Kostendifferenz 
keine verhältnismäßig zu große, so ist eine Auszeichnung 
durch einen Preis wohl angemessen. Die Wettbewerbe 
sollten doch in erster Linie eigenartige Lösungen von 
bleibendem Wert bieten, andernfalls wäre das ganze Ver 
fahren überflüssig. Wie oft kommt der Fall vor, daß es in 
dem Programm heißt, die Bausumme darf eine gewisse 
Höhe nicht übersteigen. Es ist aber manchmal geradezu 
unmöglich, zu dem angesetzten Preis ein annehmbares 
Projekt zu liefern, das zur Ausführung empfohlen werden 
kann. Immerhin können Arbeiten einlaufen, die äußerst 
zusammengedrängt in einem riesigen, kastenförmigen Auf 
Wettbewerb Ministerial- und Landtagsgebäude in Oldenburg Mittelbau 
Ein Preis M. 6000. Verfasser Prof. P. Bonatz und Architekt F. E. Scholer-Stuttgart 
weichen vom Programm wesentlich Besseres erreichen 
und darf dabei eine etwaige, nicht zu große üeher- 
schreitung der Bausumme keine ausschlaggebende Rolle 
führen. Welche Partei hat recht? Für einen Preis 
richter mag diese Frage oft schwer zu entscheiden sein. 
Ein oft vorkommender Fall sei erwähnt: Infolge eines 
Ausschreibens, welches die Ausnutzung eines Bauplatzes 
bestimmt vorschrieb, lief eine Anzahl Arbeiten ein, 
welche diese Bestimmung alle einhielten. Nur ein Ver 
fasser wagte es, seine Ansicht, daß durch eine andre 
Platzbebauung etwas viel Günstigeres zu erreichen sei, 
in einem vorzüglichen Projekt zum Ausdruck zu bringen. 
Auf Grund des Ausschreibens mußte diese Arbeit von 
der Prämiierung ausgeschlossen werden, trotzdem die 
Preisrichter erklärten, daß sie weitaus die beste sei. 
Diese Methode des Ausschlusses vom Preis erscheint mir 
nicht die richtige. Man sagt wohl, solche Arbeiten seien 
durch Ankauf auszuzeichnen, doch dürfte die hierfür aus 
gesetzte, meist niedere Summe dem Werte einer solchen 
bau alle verlangten Räume enthalten und damit das Pro 
gramm erfüllen. Bekommt nun eine solche Arbeit keinen 
Preis, so wird der Urheber sehr enttäuscht über das 
Preisgericht sein, das sich nicht an die gedruckten 
Bestimmungen hielt, an die er sich auch krampfhaft 
klammerte. Wird von der Prämiierung einer ästhetisch 
richtigen, aber teilweise vom Programm abweichenden 
Lösung Abstand genommen, so ist dies zu bedauern und 
der wirkliche Erfolg des Wettbewerbs in Frage gestellt. 
Die Klagen über diese Dinge treten so oft auf, daß im 
Interesse einer gesunden Weiterentwicklung des Wett 
bewerbswesens Abhilfe geschaffen werden muß. Die be 
treffenden Ausschreibungsunterlagen müßten eine aus 
drückliche Erklärung erhalten, ob nur das dem Programm 
am meisten entsprechende Projekt — die Verfasser des 
Programms können vorher auch nicht alle Ausführungs 
möglichkeiten übersehen — oder ob die für den be 
treffenden Fall absolut beste Lösung ohne engste An 
lehnung an das Programm mit dem Preise auszuzeichnen
        

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