Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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1. Mai 1909 
BAUZEITUNG 
Soldatenheim in Ludwigsburg 
Zivilrestaurant 
erfahren und sich gut bewährt hat. Es 
beruht auf der Kompression des Bodens, 
ist also im Prinzip nichts Neues; denn 
häufig werden ja auch Pfähle in wenig 
tragfähigen Boden zu dem Zwecke ein 
gerammt, den Boden zusammenzutreiben 
und ihn auf diese Weise tragfähiger zu 
machen. In diesen Fällen haben die 
Pfähle eine wesentlich andre Aufgabe 
zu erfüllen als beim stehenden Pfahl 
rost, wo sie die Last auf den tiefliegenden 
guten Baugrund übertragen sollen. 
Das gegenwärtig in Paris angewem 
dete System ist jedoch etwas andrer 
Art. Es besteht im Prinzip darin, 
Schächte in den Grund zu bohren, ohne 
Boden zu entnehmen, d. h. die Ver 
tiefungen durch seitliche Pressung des 
Bodens zu erzeugen, diese mit Steinen 
und Beton zu füllen und die Füllung 
dermaßen zu pressen oder zu stampfen, 
daß sie in dem Bestreben, seitlich aus 
zuweichen, den Boden zwischen diesen 
Pfeilern immer dichter zusammen 
drängen. Namentlich wird der Boden 
rund um die Pfeiler sehr fest, so daß 
man ein Gesamtfundament von großer Tragfähigkeit erhält. 
Die Betonpfeiler haben auch hier nicht speziell die Auf 
gabe, die Last auf den tiefer liegenden Baugrund zu 
übertragen, sondern vielmehr einen für höhere Belastung 
völlig untauglichen Boden durch Kompression tragfähig 
zu machen. 
Es kommt immer wesentlich darauf an, die Schächte 
für die Betonschtittung schnell und wohlfeil herzustellen, 
wobei gleichzeitig die seitliche Pressung des Bodens in 
völlig gleichmäßiger Weise erfolgen muß. Man bedient 
sich zu diesem Zwecke eines etwa 13 m hohen, auf 
Schienen rollenden Dampfkranes, wobei ein Motor von 
40 Pferdekräften nach Art der Dampframmen betrieben 
wird. Als weiterer Apparat zu dieser Hamme gehört 
eine konische Stampfe mit Stahlspitze und 2200 kg Ge 
wicht, der sog. Perforator, ferner eine zuckerhutförmige 
Stampfe von 2000 kg Gewicht, und endlich eine Stampfe 
mit flacher Basis, welche 1500 kg schwer ist. Jede dieser 
Stampfen ist mit einem Stiel versehen, der am Ende 
eine Verdickung besitzt; diese ergreift automatisch einen 
an der Windekette befestigten Druck 
ring, worauf die Stampfe in wenigen 
Sekunden 12 m hoch gehoben wird. 
AVenn diese Höhe erreicht ist, so löst 
sich automatisch die Druckfeder und 
die Stampfe fällt frei herab. 
Da nun die konische Stampfe die 
Arbeit beginnt und gleich beim ersten 
Fall tief in den weichen Boden ein 
dringt, so führt sie mit Recht den 
Namen Perforator. Die Krankette wird 
nun sofort wieder hiuabgelassen, sie 
ergreift den Stiel des Perforators, hebt 
ihn wieder 12 m hoch, läßt ihn aufs 
neue mit seiner ganzen AVucht in die 
geschaffene Höhlung hinabfallen, um die 
begonnene Arbeit fortzusetzen. AVenn 
dies mehrfach wiederholt ist, so erreicht 
der Perforator schließlich den festen 
Grund unterhalb des Grundwassers der 
Seine. Innerhalb einer Viertelstunde 
ist ohne Spatenstich ein tadelloser 
Schacht fertiggestellt. 
In diesen Schacht schüttet man 
einige Karren Bruchsteine und einige 
Sack Zement mit reichlichem Sand 
zusatz. Auf eine ordnungsmäßige, gründliche Mischung, 
wie sie sonst bei Herstellung von Betonfundamenten 
üblich ist, wird wenig Gewicht gelegt. 
Es kommt nun die zuckerhutförmige Stampfe, der 
sog. Bourreur, an die Reihe; er wird am Dampfkran in 
derselben Weise wie der Perforator befestigt, und nun 
läßt man ihn mehrmals auf das Material herabfallen, 
und zwar nach jeder Schüttung, die schichtweise ein 
gebracht wird, bis schließlich der ganze Schacht voll ist. 
Die oberste Schicht besteht aus einem Beton von Kieseln 
und sehr wenig befeuchtetem Portlandzement. Da nun 
die Schüttung unten auf festen bzw. komprimierten 
Boden auftrifft, so ist die Wirkung des Rammens die, 
daß sich die geschütteten Pfeiler unten ausbauchen und 
auf den Boden eine sehr energische, seitliche Pressung 
ausüben. Diese Kompression wird schließlich durch die 
Stampfe mit flacher Basis vollendet. Die Vorzüge dieser 
Fundierungsmethode bestehen namentlich in der schnellen 
und wohlfeilen Ausführung und in der großen Dauer 
haftigkeit und Tragfähigkeit der Fundamente; außerdem 
Soldatenheim in Ludwigsburg 
Großer Saal, I. Stock
	        

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