Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/149/
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BAUZEITUNG 
Nr. 18 
V 
bestehen hier für die Schachtgräber kaum noch Ge 
fahren — es werden weder Stütz- noch Sicherheitsmittel 
erforderlich. F • Hd. 
Y ereinsmitteihmgen 
Württ. Baubeamten-Verein. Dienstag, den 4. Mai 
d. J., von 8 Uhr abends an, treffen sich unsre Mitglieder 
im Vereinslokal, I. Stock des Gesellschaftshauses „Bau 
hütte“, Büchsenstraße 53, in Stuttgart. 
Württ. Verein für Baukunde. In der 8. ordentlichen 
Versammlung am 24.April sprach Stadtbaurat Keppler- 
Heilbronn über seine Heise nach Petersburg und 
ins Innere von Rußland anläßlich des Internationalen 
Schiffahrtskongresses 1908. Der Vortragende gab zu 
nächst einen Ueberblick über Geographie und Klima des 
Riesenreiches, das etwa hundert Millionen Einwohner 
zählt; sodann wurde kurz dessen Geschichte gestreift, 
die im Jahr 860 mit der Eroberung durch die Nor 
mannen beginnt und im Jahre 1619 mit dem Auftreten 
der jetzt noch regierenden Dynastie Romanow, deren 
hauptsächlichster Vertreter Peter der Große war, ihren 
entscheidenden Wendepunkt erlebte. Was den Eisenbahn 
verkehr betrifft, so stehen die Wagen erster und zweiter 
Klasse den unsern nicht nach, dagegen ist die Geschwin 
digkeit sehr mäßig und beträgt durchschnittlich nur 30 
bis 40 km. Bei der Trassierung wird nach dem Vorgang 
Nikolaus’ I. immer noch ohne allzu große Rücksichtnahme 
auf die Ortschaften die gerade Linie bevorzugt. Die 
Ausnutzung der im ganzen 20 000 km betragenden Wasser 
straßen ist dadurch sehr beeinträchtigt, daß die letzteren 
von Oktober bis April fest zugefroren sind. Der eigent 
lich russische Baustil geht auf das vierzehnte Jahrhundert 
zurück, später wurden wie bei uns alle abendländischen Bau 
stile nacheinander durchprobiert, und erst seit einigen Jahr 
zehnten fängt man wieder an, nationalrussisch zu bauen. 
Im Anschluß an diese allgemeinen Bemerkungen schilderte 
der Redner sodann den Verlauf seiner Reise, die zunächst 
über Warschau mit seinem hübschen Altmarkt, Wilna 
mit seinem mittelalterlichen Aussehen und Dünaburg mit 
seinen vielen schmucken Holzhäuschen nach Petersburg 
führte. Das letztere ist etwas über zweihundert Jahre 
alt, wurde seinerzeit durch Peter den Großen auf 
einem teilweise noch den Schweden gehörigen Gebiet 
unter Aufbietung von 40000 Kriegsgefangenen angelegt 
und zählt heute gegen anderthalb Millionen Einwohner. 
Die Stadt ist modern angehaucht, hat Kanalisierung mit 
Rieselfeldern und andre neuzeitliche Einrichtungen, aber 
ein sehr schlechtes Pflaster. Ueber den Verlauf des 
Kongresses selbst, dessen Protektor der Zar war und 
der von dem Bruder des Zaren, Großfürst Michael, ver 
schiedentlich besucht wurde, ist schon in Nr. 43 des 
vorigen Jahrgangs unsrer Bauzeitung eingehend berichtet 
worden. Die Protektion des Zaren war überall zu 
spüren und beschützte die Teilnehmer am Kongreß vor 
Polizei- oder Zollplackereien jeglicher Art. Die Rück 
reise wählte der Redner entlang dem Todesweg des 
Napoleonischen Heeres über Smolensk nach Warschau 
und von da über Wien, Salzburg und Bregenz nach 
Hause. Die Reise hatte im ganzen vier \Vochen Zeit in An 
spruch genommen und war ziemlich anstrengend gewesen, 
hatte aber auch anderseits eine Fülle lehrreichen Stoffes 
geboten. Der Vortrag wurde unterstützt durch eine 
Reihe von Lichtbildern, die von Bauwerkmeister Albert 
Brintzinger-Eßlin gen zur Verfügung gestellt waren und 
einen vorzüglichen Leberblick über die berührten Sehens 
würdigkeiten boten. Der letztere Herr hatte von Würt 
temberg nebst den Oberbürgermeistern Hegelmaier und 
Dr.Mülberger wie Baurat Gugenhan dieReise mitgemacht. 
Lebhafter Beifall der Anwesenden sowie der Dank des 
Vorsitzenden lohnte den Redner für seine Ausführungen. 
W. 
Portal 
Bildhauerarbeiten Fr. P. Zimmer-Stuttgart
        

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