Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAUZEITUNG 
Nr. 19 
Amtskörperschaftsgebäude Eßlingen. Ansicht gegen die Yogelsangstraße 
Ein III. Preis. Eegierungsbaumeister G. Bisele-Eßlingen 
Harzer-Vaihingen a. F. und Architekt Kocher-Stuttgart 
in den Geschäftsausschuß gewählt. Schließlich gelangte 
noch eine Erklärung zur Annahme, in der die Landes 
versammlung den Vorstand beauftragte, beim Kultmini 
sterium vorstellig zu werden, daß bei Anstellung der 
Lehrer an der K. Baugewerkschule besonders für die 
technischen Fächer Lehrer mit praktischem Erfolg be 
vorzugt werden. Auf eine akademische Bildung sollte 
nicht ausschließlich gesehen werden. Mit lautem Beifall 
wurde außerdem ein Antrag angenommen, den bisherigen 
verdienten Landesvorstand zum Ehrenmitglied des Ver 
eins zu ernennen. 
Den geschäftlichen Verhandlungen folgte um 3 Uhr 
ein gemeinsames Mittagsmahl in der Stadthalle und 
abends ein Bankett im Saal der „Krone“. Der Montag 
war Ausflügen an den Bodensee gewidmet. K. 
Y er einsmitteilungen 
Württ. Banheamten-Verein. Als Vereinsmitglied 
hat sich angemeldet: Stadtbaumeister W. ßieger- 
Pfullingen. 
Württ. Verein für Baukunde. In der 9. ordentlichen 
Versammlung, die am 1. Mai im Landesgewerbemuseum 
ahgehalten wurde, sprach Baurat Eutin g über „Reise 
bilder aus Aegypten und Palästina“. Der Vortrag 
wurde durch vorzügliche Lichtbilder erläutert, die mittels 
des Epidiaskops unmittelbar von Ansichtskarten bzw. 
Stadtplänen durch auffallendes Licht auf die Leinwand 
geworfen wurden. Die Reise, die im September und 
Oktober v. J. ausgeführt wurde, führte den Redner über 
Wien, Budapest, Konstantinopel nach Aegypten, Palä 
stina und Griechenland. In Aegypten war es besonders 
Kairo, das mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten zu einem 
längeren Aufenthalt anregte. Die Stadt ist eine Grün 
dung des Mittelalters und wurde im siebten Jahrhundert 
von den Arabern angelegt. Sie liegt etwa 25 km südlich 
vom Beginn des Nildeltas und ist östlich von der Arabi 
schen, westlich von der Lybischen Wüste begrenzt. Die 
erstere springt mit dem Bergzug des Mokattamgebirges 
bis unmittelbar an die Stadt vor; von diesem Gebirge 
aus hat man einen prachtvollen üeberhlick über die Stadt 
mit ihren hreitgelagerten Kuppeln und schlanken Mina 
retts sowie mit der hochgewölbten alten Wasserleitungs- 
hrücke im Hintergrund und den Pyramiden als Abschluß 
des einzigartigen Bildes gegen Westen. Am Fuß des 
Berges liegt die alte Zitadelle, die indes nicht mehr militäri 
schen, sondern nur noch Altertumswert besitzt, da sie 
von oben eingesehen werden kann. Die am 
Rand der Lybischen Wüste gelegenen Pyra 
miden wirken von weitem gewaltiger als aus 
unmittelbarer Nähe, wo man merkt, wie stark 
sie verwittert sind und wie sehr sie dem Ver 
fall entgegengehen. Eine Reihe von Bildern 
aus den Straßen und Gassen der Stadt sowie 
von größeren Bauwerken wie Bibliothek, 
Bahnhof und einer ganzen Anzahl von 
Moscheen gaben eine Vorstellung von der 
ägyptisch-arabischen Bauweise. Bezeichnend 
ist hierbei, daß in der reichen Ornamentik 
Menschen- und Tiermotive nicht verwendet 
werden, sondern nur Rankenwerk, Schrift 
zeichen sowie geometrische Figuren als Unter 
lagen dienen. An den Wohnhaushauten war 
namentlich eine Reihe hübscher Erker in 
Holzarchitektur bemerkenswert; diese hatten 
ursprünglich einem rein praktischen Zweck, 
nämlich dem der Kühlung des Trinkwassers, 
zu dienen, das hier in porösen Krügen dem Zug 
der Luft ausgesetzt wurde. Ausflüge von Kairo 
führten den Redner zu den Grabmoscheen 
der Kalifen, den Mameluckengräbern, den 
Pyramiden mit ihrem zudringlichen Führerschwarm sowie 
insbesondere an die große Stauanlage, die sich am Be 
ginn des Deltas findet und die zwei Nilarme durch 68 
bzw. 58 eiserne Schützen 4 —d 1 ^ m hoch aufstaut. Der 
tiefste Wasserstand findet sich im Juni, von da ab nimmt 
der Spiegel infolge der Zenitalregen im Quellgebiet 
wieder ständig zu. Von Aegypten aus wurde sodann 
Palästina besucht. Die Hafenstadt Jaffa mit ihrer wohl 
habenden deutschen Templerkolonie ist mit Jerusalem, 
das 790 m über dem Mittelmeer liegt, durch eine Schmal 
spurbahn verbunden. Die letztere Stadt macht von außen 
mit ihrer hohen, ringsum noch erhaltenen Mauer, die 
übrigens erst aus dem Mittelalter stammt, einen gewal 
tigen Eindruck und bietet ein überaus malerisches Bild, 
während sich im Innern viel Armut und namentlich un 
säglicher Schmutz findet. Die heiligen Stätten, die, alten 
Ueherlieferungen folgend, überall gezeigt werden, dürfen 
natürlich nur geringen Anspruch auf geschichtliche Rich 
tigkeit erheben, da die Stadt nach ihrer Zerstörung durch 
Titus über 60 Jahre lang in Trümmern lag. Trotzdem 
ist der Eindruck, namentlich der Grabeskirche sowie des 
alten Tempelplatzes, wo sich jetzt die große Omarmoschee 
der Mohammedaner befindet, ein gewaltiger. Ein Ab 
stecher führte den Vortragenden am Garten Gethsemane 
sowie am Oelberg vorbei, über Bethanien und Jericho 
mit seinen Ausgrabungen nach dem Toten Meer. Das 
letztere liegt 394 m unter dem Mittelmeerspiegel, womit 
sich zwischen Jerusalem und dem Toten Meer auf eine 
Entfernung von 27 km der gewaltige Höhenunterschied 
von rund 1200 m ergibt. Das Wasser hat 25 °/ 0 Salz 
gehalt, ist aber im übrigen völlig klar und wundervoll 
tiefblau, so daß das ganze Meer mit den umgebenden 
hochragenden Bergzügen, dem Gebirge Juda und dem 
Hochland von Moab, einen unvergeßlichen Eindruck macht. 
Die Rückreise erfolgte über Alexandrien nach Griechen 
land, wo die Hauptsehenswürdigkeiten kurz besucht 
wurden, sowie schließlich über Italien nach Hause. Leb 
hafter Beifall der Anwesenden dankte dem Redner für 
seine Ausführungen. W. 
Vereinigung ehern. Baugewerkschüler Darm- 
stadt. Die diesjährige Agitation ist bis jetzt noch von 
keinem nennenswerten Erfolg begleitet, obwohl an 
die Kollegen, welche zum Frühjahr dieses Jahres die 
Baugewerkschulen Darmstadt und Bingen absolvierten, 
besondere Zirkulare mit einem zur freien Verfügung über 
lassenen Heft unsers Vereinsorgans, in welchem sich die 
Konkurrenz „Gasthaus im Odenwald“ befindet, über 
sandt wurde. Es entsteht nunmehr die Aufgabe, daß
	        

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