Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

19. Juni 1909 
BAUZEITEN» 
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Hochbehälter in 380 m Meereshöhe auf der Gänsheide 
angenommen, während Prof. Dr. Lueger denselben auf 
Höhe 480 in die Nähe von Degerloch verlegt. 
Ahh. 3 stellt die Bodenseeentnahrae bei Priedrichs- 
hafen nebst Zuleitung auf württembergischem Gebiet über 
Oberschwaben und Ulm dar; von Ulm an folgt die Linie 
ganz der obenerwähnten Illerleitung. Das Wasser wird 
durch ein Pumpwerk am Bodensee bis auf eine Höhe 
von 654 in (bei Waldsee) gehoben und folgt von dort an 
dem natürlichen Druck. Diese Linie würde eine Länge 
von 184 km erfordern, während die vom Bauamt aus 
gearbeitete Abänderung des Luegerschen Bodenseeplans 
eine Entnahme bei Sipplingen vorsieht 
und mit einer Länge von 148 km aus 
kommt, aber gegenüber dem ersteren Ent 
wurf bei der Neckarüberquerung 25,8 At 
mosphären (gegen 19,2; vgl. oben) ergibt. 
Dabei ist allerdings im letzteren Pall 
der Stuttgarter Hochbehälter gemäß der 
Luegerschen Annahme auf 480 m verlegt. 
Pür die vom Bauamt empfohlene 
Schwarzwaldwasserversorgung ist sodann 
noch in Abb. 4 das Einzugsgebiet der 
oberen Enz samt Nebenflüssen dargestellt. 
Des weiteren sind aus dieser Zeichnung 
auch die geplanten Talsperren mit den 
zugehörigen Niederschlagsgehieten ersicht 
lich. Diese letzteren greifen teilweise 
beträchtlich in badisches Gebiet ein, wo 
gegen die durch die Sperren bewirkte 
Stauung nur bei der Eyach mit einem 
Arm ins Badische hinüberreicht. W. 
Der Wolmungsinspektor 
für Württemberg 
Eine Erwiderung auf den Artikel in Nr. 24 dieser 
Zeitung 
Ein von der Zweiten Kammer gefaßter 
Beschluß über die Anstellung eines Landes 
wohnungsinspektors für Württemberg wird 
von dem Einsender des Artikels in voriger 
Nummer mit Freuden begrüßt, und es 
werden gleichzeitig für dieses neue Amt 
gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben, welche nicht 
unwidersprochen bleiben sollten. 
Zunächst sind doch all die Gebäude, welche von dem 
Wohnungsinspektor — jedenfalls diesmal einem Techniker 
und keinem Juristen — inspiziert werden sollen, von 
Architekten und Werkmeistern erbaut. Dann sind diese 
Gebäulichkeiten alle auf Grund des Ortsbaustatuts er 
baut und genehmigt, und zudem ist zur Gebrauchsabnahme 
der Gebäude eine besondere Bescheinigung erforderlich; 
die Revision ist also für den Hausbesitzer damit — 
manchmal kann man auch sagen Gott sei Dank — er 
ledigt. 
Nun kann doch keine weitere Inspizierung in dem 
Sinne, wie sich dieselbe der Einsender jenes Artikels 
denkt, geplant sein? Die Ratschläge, welche nach dessen 
Ansicht der Wohnungsinspektor gehen soll, möchte ich 
deshalb auch näher beleuchten. 
ad 1. Eine Belästigung soll der Waschküchedampf 
sein. Sehr richtig! Derselbe kann aber nur in das 
Treppenhaus gelangen, wenn die Waschküchetüre oder 
die Treppenhausfenster offen sind. Also schließen, ebenso 
wie man auch die Fenster schließen muß, wenn alle 
Monate die bekannten gelben Wagen verfahren. Eine 
Ventilation kann wirksam nur durch ein in jeder Wasch 
küche vorhandenes Kamin bei gleichzeitigem Oeffnen des 
oberen Fensterflügels geschehen, und dies genügt hei 
verständiger Handhabung. Dagegen wird es ein Unding 
Wasserversorgung Stuttgart 
Abb. 4 
Talsperren im Enzgebiet 
sein, bei der leichten Bekleidung der Waschfrauen eine 
Waschküche in 6—8 Minuten zu lüften, und wie oft im 
Tag soll dies geschehen? Dies wäre schon kein zweck 
mäßiger Rat des Wohnungsiuspektors. 
ad 2. Die Schlafräume der Dienstboten sollen ver 
bessert werden. In dieser Beziehung geschieht heute 
schon viel, aber der Wohnungsinspektor kann doch nicht 
verlangen, daß man in bestehenden Häusern liegende 
Dachfenster, welche von der Baupolizei genehmigt sind 
und seit Jahrzehnten ortsüblich, herunterreißt und durch 
aufrechtstehende Fenster ersetzt. Und was die Isolie 
rung der Dachflächen betrifft, so müssen dieselben heute 
schon laut Ortsbaustatut gegen die Einflüsse der Außen 
temperatur isoliert bzw. geschliert werden. An bestehen 
den älteren Gebäuden können aber solche umfassende 
Aenderungen nicht verlangt werden. 
ad 3. Betreffs des Zuges der Kamine im Sommer 
bei Anheizung zu ungeeigneter Zeit, wenn etwa die 
Mittagssonne auf das Kamin brennt, wird es in München 
auch nicht anders sein wie in Stuttgart. Dabei kommt 
es aber in erster Linie auf das Anfeuermaterial an. 
Ein Kamin, welches nur den Bügelofen, wie vorgeschlagen, 
aufnehmen würde, hätte sowohl im Sommer wie im 
Winter ebenfalls dieselben Nachteile. Ebenso ist der 
vorgeschlagene, den Zug befördernde Kaminabschluß 
(Kaminaufsatz) so wenig allheilbringend wie in diesem 
Fall der Wohnungsinspektor. Für diesen Fall zündet
	        

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