Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/206/
19. Juni 1909 
BAUZEITUNG 
199 
Stuttgart. Die K. Kunstgewerbeschule zählt 
im laufenden Sommerbalbjahr 76, die Lehr- und Ver 
suchs werkstätte 62 Schüler. 
Rottenburg. Mit der geplanten Restauration des 
Marktbrunnens hat sich jüngst der Württ. Bund für 
Heirnatschutz beschäftigt. Im Einvernehmen mit dem 
K. Konservatorium der Altertümer wird der Gemeinde 
Rottenburg die Ersetzung des gotischen Bauwerks durch 
eine moderne Kopie widerraten, dagegen eine Wieder 
herstellung seines beschädigten Teils unter Belassung 
des Ganzen an Ort und Stelle empfohlen. Man darf 
hoffen, daß die Gemeinde diesem Gutachten entsprechend 
verfahren wird, um so mehr, als der Verein ihr unter 
dieser Voraussetzung einen erheblichen Beitrag zu den 
Kosten zugesagt hat. Hoffentlich entschließen sich auch 
andre Städte, die mit der Beseitigung oder Erneuerung 
ihrer alten Stadtbrunnen umgehen, den Württ. Hund für 
Heimatschutz zuvor um Rat zu fragen. 
Karlsruhe. Oberbaurat Prof. Dr.-Ing. F. Engeßer, 
seit 1885 Professor an der Großh. Technischen Hochschule, 
ist zum Mitglied der Akademie des Bauwesens in Berlin 
ernannt worden. 
Verband deutscher Architekten- und Ingenieur 
vereine. Für die 38. Abgeordnetenversammlung am 
27. und 28. August in Darmstadt ist eine umfangreiche 
Tagesordnung ausgegeben. Sie zerfällt in einen geschäft- 
lieben und technisch-wissenschaftlichen Teil. Ein großer 
Raum in derselben wird durch die Behandlung persönlicher 
Fragen der Techniker wie Ausbildung, Stellung u. s. w. 
eingenommen. Wir verweisen auf die Tagesordnung im 
Inseratenteil. 
Wechsel in der Stellung städtischer Tiefbau- 
beamter. Am 1. Juli d. J. tritt der Vorstand des Tief 
bauamtes der Stadt Frankfurt a. M., Stadtrat Kölle, zu 
der Firma Philipp Holzmann & Co. in Frankfurt über 
und soll in seiner neuen Stellung ein festes Einkommen 
von 40 000 M. beziehen. Er wird hier die Ausführung 
der großen Hafenanlagen leiten, welche die Stadt im 
Osten plant und von Kölle in seiner bisherigen Stellung ent 
worfen wurden. Es ist erfreulich zu sehen, wie und in 
welchem Maße die weitblickende Bauindustrie hervor 
ragende Kräfte des technischen Berufes zu finden und 
zu schätzen weiß. Das Gegenteil wird aus Mannheim 
berichtet. Der Leiter des dortigen städtischen Tiefbau 
amtes und Schöpfer des Industriehafens, der Schwemm 
kanalisation u. s. w., Stadtbaurat Eisenlohr, hat eine Be 
rufung in eine ähnliche Stellung in Straßburg i. E. er 
halten und angenommen. Während Eisenlohr in Mannheim 
ein Gehalt von 12 000 M. bezog, wird er in Straßburg 
ein solches von 15 000 M. haben. Er hat sich jedoch 
bereit erklärt, in Mannheim zu bleiben, wenn sein Gehalt 
dort auf 15000 M. erhöht werde. Während ein Teil der 
Stadtverordneten bereit war, die Gehaltserhöhung zu be 
willigen, trug der größere Teil bei aller Anerkennung 
der vorzüglichen Eigenschaften Eisenlohrs Bedenken im 
Hinblick auf die Folgen bei den übrigen Abteilungs 
vorstehern. Somit ist ein merkwürdiger Gegensatz 
zwischen den Anschauungen der Industrie und denjenigen 
der Behörden vorhanden; und diese Verschiedenartigkeit 
dürfte sicherlich nicht zum Segen der letzteren ausfallen. 
Elsaß-Lothringen. Ein kaiserlicher Erlaß bestimmt, 
daß die technischen Abteilungsvorstände der 
Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen 
bei Belassung des Ranges der Oberregierungsräte fortan 
die Amtsbezeichnung „Oberbaurat“ und die technischen 
Mitglieder dieser Behörde fortan die Amtsbezeichnung 
„Regierungs- und Baurat“ zu führen haben. 
Die Belebung der Bautätigkeit. Heber die Früh 
jahrssaison im Baugewerbe entnehmen wir der „Arbeits 
markt-Korrespondenz“ folgendes; So schwer bis zum 
Frühjahrsbeginn die Depression auf dem Baugewerbe 
lastete, so schnell hat sich seit dem Eintritt besseren 
Wetters ein Umschwung im Baugewerbe vollzogen. Von 
einem langsamen Uebergang war im laufenden Jahre so 
gut wie nichts zu verspüren; aus dem langen, schweren 
Winterschlaf kam das Baugewerbe diesmal sofort in eine 
ziemlich rege Tätigkeit. Die Unternehmungslust im Bau- 
und Terraingeschäft hatte etwa seit September 1908 den 
Boden für eine durchgreifende Belebung im Baugewerbe 
geebnet; sie zeigte auch in den ersten vier Monaten eine 
noch kräftige Zunahme gegen 1908. So kräftig die Be 
lebung der Bautätigkeit war, so war sie doch nicht in 
allen Gegenden gleich stark. In den östlichen Pi’ovinzen 
hat sich die Arbeitsgelegenheit für Bauarbeiter zusehends 
vermehrt und ist nur noch in Westpreußen eine verhält 
nismäßige Verminderung eingetreten. Aus Bielefeld, 
Münster, Dortmund wird über eine lebhafte, zum Teil 
flotte Bautätigkeit berichtet; in Köln und Krefeld ist 
die öffentliche Bautätigkeit befriedigend, die private da 
gegen noch matt. Recht erholt hat sich der Arbeits 
markt im Baugewerbe Bayerns, Sachsens und Würt 
tembergs. In Leipzig ist die Belebung schnell vor 
geschritten, hauptsächlich in der privaten Bautätigkeit, 
in Dresden dagegen etwas langsamer. In Chemnitz trat 
sogar zum Teil Knappheit an Arbeitern hervor. In Nürn 
berg befriedigt die Bautätigkeit sehr, in München und 
Würzburg weniger. Stuttgart berichtet über eine merk 
liche Zunahme der privaten Baulust. Elsaß-Loth 
ringen endlich weist von März auf April eine sehr be 
deutende Abnahme des Andranges auf. 
Der zehnte Tag für Denkmalpflege findet am 
23. und 24. September d. Js. in Trier statt. In üblicher 
Weise soll am 22. September ein Begrüßungsabend 
vorausgehen und am 25. sich ein Ausflug anschließen, 
der moselabwärts, wahrscheinlich nach Berncastel führen 
wird. Ein Zusammentagen mit dem Gesamtverein der 
deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, denen be 
kanntlich der Tag sein Entstehen verdankt, hat sich 
diesmal leider nicht ermöglichen lassen; dagegen wird 
voraussichtlich der Bund Heimatschutz auch diesmal 
zur selben Zeit und am selben Orte seine Jahresver 
sammlung abhalten. Aus der reichhaltigen Tagesordnung 
seien folgende Gegenstände hervorgehoben: Ausgestaltung 
des Platzes an der Südseite des Wormser Domes, Bericht 
erstatter Geh. Oberbaurat Hofmann - Darmstadt; Der 
Wiederaufbau der St. Michaeliskirche in Hamburg, Bericht 
erstatter Geh. Oberbaurat Hofmann-Darmstadt und Prof. 
Högg-Bremen; Die Stilfrage bei Wiederherstellung alter 
Baulichkeiten, Berichterstatter Prof. O. Weber-Danzig 
und Beigeordneter Rehorst-Köln; Die Erbaltung des 
römischen Kaiserpalastes in Trier, Berichterstatter 
M. Gary-Berlin und Geh. Regierungsrat Professor 
Dr. Löschcke-Bonn; Ueher das neue sächsische Gesetz 
gegen Verunstaltung von Stadt und Land und über 
praktische Maßnahmen zu dessen Durchführung, Bericht 
erstatter Oberbaurat K. Schmidt-Dresden und Amts 
hauptmann Dr. Hartmann-Döbeln; Hochschulunterricht 
und Denkmalpflege, Berichterstatter Regierungsrat 
E. Blunck-Berlin. Bekanntlich ist zur Teilnahme an 
der Tagung jedermann berechtigt, der zu den allgemeinen 
Kosten 5 M. beiträgt, wofür ihm noch der stenographische 
Verhandlungsbericht zugestellt wird. 
Der rechtliche Schutz der Bezeichnung „Diplom 
ingenieur“. Ueber diesen Gegenstand findet sich in 
„Glasers Annalen“ ein eingehender Bericht von Dr. Ale 
xander Lang in Berlin, der für unsre Leser von Interesse 
sein wird. Es handelt sich um Bestrafung einer miß 
bräuchlichen Bezeichnung als „Diplom-Ingenieur“ (Selbst 
promotion), wie sie zur Aufbesserung beruflichen Kredits 
vielfach geübt wird. Die vor der Strafkammer des Kölner 
Landgerichts geführte Verhandlung ergab folgende Fest 
stellungen ; „ Der Angeklagte(Geschäftsführer eines,Patent- 
und Technischen Bureaus* in Köln) hat eine technische 
Hochschule nicht besucht und demgemäß auch nicht den
        

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