Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

222 
BAUZEITUNQ 
Nr. 28 
Aus Calw- 
Skizzen von Architekt B. Dobler-Pforzheim 
worden, daß das Mauerwerk dieselbe nicht mehr aus- 
halten konnte und einstürzen mußte. 
Außerdem sei durch die Untersuchung der stehen 
gebliebenen Teile erwiesen, daß nicht nur die Auflagerung 
aller übrigen Träger, sondern auch die Ausführung der 
meisten Mauerteile eine liederliche, aller Handwerks 
regeln spottende gewesen sei. 
Hierfür wurden nun verantwortlich gemacht: 
1) Fohrmann, weil er es versäumt habe, für eine 
kunstgerechte Auflagerung und Uramauerung des Blech 
trägers und überhaupt für eine meistermäßige Ausführung 
des ganzen Rohbaus, insbesondere auch für ein gutes 
Mauerwerk zu sorgen; 2)Schätte, 3) Buhl, weil beide, 
obgleich sie zur Kontrolle der Bauarbeiten angestellt 
waren, die genannten Kunstwidrigkeiten und Schlampe 
reien geschehen ließen; 4) der planfertigende Architekt 
Wo 11 z, weil er es unterlassen habe, den Statiker Harten 
stein durch Uebergahe einer Seitenansicht auf die Ver 
schiebung der Fensterachsen (sog. „Stelzenform“ des 
Mauerpfeilers) aufmerksam zu machen (aus den Grund 
rissen allein habe der Statiker dies nicht ersehen können), 
ferner weil er Mauermaterial und Mörtelmischung in die 
(an die Bauleitung der Rheinischen Kreditbank ausge 
händigten) Werkpläne nicht habe einschreiben und eben 
sowenig eine eiserne Auflagerplatte unter dem Blech 
träger habe einzeichnen lassen, auch eine Detailzeichnung 
der Eisenkonstruktion nicht beigefügt habe.*) 
Zu der Hauptverhandlung am 22.—25. Juni 1909 
waren als Sachverständige geladen: 
Auf Antrag des Staatsanwalts: die Sachverständigen 
der Voruntersuchung Mörike und Gunzenhauser, 
dazu Prof. Kriemler von der Technischen Hochschule, 
Baurat Kuhn von der K. Domänendirektion, Architekt 
Regierungsbaumeister Dollinger. 
Auf Antrag von Fohrmann; Prof. Boost von der 
*) Die Eisenkonstruktion, die Fohrmann, wie so manches andre, 
selber zeichnen ließ , hatte durchaus die vorschriftsmäßige Stärke 
und stand mit dem Einsturz in keinerlei Kausalbeziehung. 
:v: 
Aus Brötzingen 
Technischen Hochschule in Charlottenburg, Architekt 
Slevogt in Karlsruhe. 
Auf Antrag von Buhl: Werkmeister Rebmann hier. 
Auf Antrag von Woltz: Regierungsbaumeister 
Dr. Frank hier, Prof. Mörsch-Neustadt a. H., Ober 
baurat Eisenlohr, Baurat Hofacker hier. 
Es waren also 12 Sachverständige in der Gerichts 
verhandlung tätig. 
Nach Abschluß der SV.Jägigen Verhandlung be 
antragte der Staatsanwalt gegen Fohrmann 5 Monate, 
gegen Buhl 3 Monate, gegen Schätte 2 Monate Ge 
fängnis, die Anklage gegen Woltz ließ er fallen. 
Die Strafkammer verkündete am 2. Juli folgendes 
Urteil: Es werden verurteilt: Die Angeklagten Fohr 
mann zu vier, Buhl zu zwei Monaten Gefängnis und 
zur Tragung der Kosten des gegen sie gerichteten Ver 
fahrens. Der planfertigende Architekt Woltz und der 
Bauführer Schätte werden freigesprochen und diese 
Kosten auf die Staatskasse übernommen. 
Aus der Urteilsbegründung ist mitzuteilen: Die Straf 
kammer ist auf Grund der Gutachten der Sachverstän 
digen Mörike und Gunzenhauser, die von denen der 
meisten übrigen Sachverständigen erheblich unterstützt 
wurden, zu der Ueberzougung gekommen, daß der 
Pfeiler D, und zwar sein schlechtes Mauerwerk zu 
sammen mit dem schlechten Auflager des Blechträgers 
auf diesem Pfeiler, die Ursache des Einsturzes war. 
Die entgegengesetzte Anschauung des Sachverständigen 
Professor Boost sei als widerlegt zu betrachten. Ob 
andre Personen sich strafbar gemacht haben, darüber 
habe das Gericht nicht zu erkennen gehabt. Was die 
Verschuldung der einzelnen Angeklagten betrifft, so 
ist gegen den planfertigenden Architekten ein Verschulden 
nicht nur nicht nachgewiesen, sondern es ist positiv 
erwiesen, daß ihn überhaupt keine Schuld 
trifft, deshalb sind die Kosten auch seiner Ver 
teidigung auf die Staatskasse übernommen worden. 
Der Einwand des Angeklagten Fohrmann, daß er 
Geschäftsführer, nicht Bauführer gewesen sei, ist durch 
den Inhalt seines Vertrags mit Krüger & Lauermann
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.