Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

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BAÜZEITUNG 
Nr. 43 
„Hans im Glück-Brunnen“ in Stuttgart 
Die Versicherungsämter sollen nach dem Entwürfe bei 
der ersten Feststellung der Rente mitwirken, obwohl 
doch die Begründung selbst zugibt, daß die ßerufs- 
genossenschaften bei der Rentenfestsetzung durchaus ob 
jektiv zu Werke gegangen seien. Jetzt ist das Heil 
verfahren in durchaus befriedigender Weise geregelt. 
Wenn aber, wie der Entwurf will, die Unfallanzeigen in 
Zukunft an die Yersicherungsämter, statt wie bisher an 
die Berufsgenossenschaft gehen sollen, dann würde das 
sofortige Eingreifen der Berufsgenossenschaften verhindert 
werden, zum großen Nachteile der Versicherten selbst. 
Zwar sollen die Versicherungsämter die Anzeigen binnen 
24 Stunden abgeben, aber schon diese kurze Zeit würde 
in vielen Fällen dazu führen, daß der Verletzte in einer 
nicht mehr gutzumachenden Weise geschädigt werden 
würde. Wenn das Versicherungsamt die Vorverhandlung 
führen soll, dann ist es den Berufsgenossenschaften nicht 
mehr möglich, rechtzeitig das Heilverfahren zu über 
nehmen. Vorverfahren und Heilverfahren sind untrenn 
bar. Beide müssen in der Hand der Berufsgenossen 
schaften vereinigt sein, wenn der Verletzte die Gewähr 
für eine richtige Behandlung haben soll. Werden die 
Vorarbeiten für die Rentenfeststellung auf die Versiche 
rungsämter übertragen, dann müssen die Berufsgenossen 
schaften warten, bis die Aemter ihnen die Akten zu 
schicken; dann erst können sie prüfen, ob das Material 
zur Anerkennung der Ansprüche ausreicht. Ist das 
letztere nicht der Fall, dann muß weiterer Beweis er 
hoben werden. Der Verletzte aber kann inzwischen 
elendiglich umkommen; denn die Berufsgenossenschaft 
weiß ja gar nicht, wie die Sache steht. Sie kann also 
nicht rechtzeitig eine vorläufige Fürsorge eintreten lassen, 
und das Vex - sicherungsamt selbst hat nicht das Recht 
und kann es auch nicht haben, Geld anzuweisen. 
Die Mitwirkung derVersicherungsämter bei der Renten 
festsetzung ist aber auch eine Beeinträchtigung der 
Rechte der Berufsgenossenschaften und ihrer Selbst 
verwaltung. Sie würde die Einheitlichkeit bei der Renten 
feststellung gefährden; denn den Aemtern fehlen doch 
die technischen Kenntnisse und Erfahrungen, welche den 
Berufsgenossenschaften in so hohem Maße infolge einer 
langjährigen praktischen Tätigkeit eigen sind. 
Nach dem Entwürfe sollen die Versicherungsämter 
auch bei der Durchführung der Unfallverhütungsvor 
schriften mitwirken. Das ist ein besonders bedenklicher 
Vorschlag. Wie will denn das Versicherungsamt die 
Kontrolle ausüben? Will es für jede Art von Betrieb 
besonders ausgebildete Beamte anstellen, dann kann man 
die Kosten der Aemter überhaupt nicht mehr ausdenken. 
Soll die Kontrolle durch die Versicherungsvertreter aus 
geübt werden, dann wird jedes Amt mit unzähligen Bei 
sitzern aus dem Stande der Unternehmer und Arbeiter 
besetzt sein müssen. Diese Leute würden also immer 
wieder ihrer Berufsarbeit entrissen werden. Schon jetzt 
aber ist es in vielen Landesteilen unmöglich, für die 
Schiedsgerichte die erforderliche Zahl von Beisitzern 
aufzutreiben. Im übrigen ist für die Kontrolle schon 
jetzt wirklich in ausreichendem Maße gesorgt; denn es 
kontrollieren: Beamte der Baupolizei, Gewerbeaufsichts 
beamte und die technischen Aufsichtsbeamten der Berufs 
genossenschaften. 
Im Baugewerbe vertritt man überall mit großem 
Nachdruck die Ansicht, man solle das Gewerbe endlich 
mal in Ruhe seinen Geschäften nachgehen lassen. Will 
man die sozialpolitische Gesetzgebung reformieren, dann 
kann man das auch im Rahmen der bestehenden Ord 
nung der Dinge. D. A. 
Y ereinsmitteilungen 
Württ. Baubeamten-Verein. An unsre Mitglieder! 
Wir erfüllen hiermit die schmerzliche Pflicht, Ihnen von 
dem am 15. d. M. plötzlich erfolgten Hinscheiden unsers 
langjährigen Mitglieds, des Herrn Bauamtswerkmeisters 
E. Jerg, Kenntnis zu geben. Der Verein verliert in 
dem Verstorbenen einen wackeren Mitkämpfer, diejenigen, 
die ihm näher standen, einen treuen Freund, seine Fa 
milie den liebevollen sorgenden Vater, den ein tragisches 
Geschick viel zu früh abrief. Wir ehren uns selbst, 
wenn wir dem Verstorbenen ein treues Andenken be 
wahren. Friede seiner Asche! 
Verband technischer Vereine. Die schon seit 
einiger Zeit schwebenden Verhandlungen zwischen den 
einzelnen technischen Vereinen behufs Gründung eines 
Verbandes sind nun diese Woche zum Abschluß ge 
kommen. In den engeren Vorstand wurden berufen: 
Oberbaurat Eisenlohr-Stuttgart als Vorsitzender, Bau 
werkmeister Emil Kübler-Göppingen als Schriftführer 
und Ingenieur P. Geißler-Cannstatt als Rechner. Die 
aufgestellten Satzungen lauten: §1. Der Verband be 
zweckt den Zusammenschluß der technischen Vereine 
Württembergs zur Wahrung und Förderung gemeinsamer 
Ziele sowie des Ansehens und des Einflusses des tech 
nischen Standes im Interesse der Allgemeinheit. Er führt 
denNamen: „Verband technischer Vereine Württembergs.“ 
Sein Sitz ist Stuttgart. § 2. In den Verband kann jeder 
technische Verein Württembergs aufgenommen werden. 
Auch Landes- und Bezirksverbände können beitreten. 
Anmeldungen sind an den Verbands Vorstand zu richten. 
Ueber die Aufnahme entscheidet der Vorstand mit 
Stimmenmehrheit, bei Stimmengleichheit hat der Verbands 
vorsitzende eine weitere Stimme. Der Austritt kann nur 
auf den 31. Dezember erfolgen und ist dem Vorstand 
vorher schriftlich anzuzeigen. § 3.' Au der Spitze des 
Verbandes steht der Vorstand, bestehend aus den Vor 
sitzenden der einzelnen Vereine mit mehr als 50 Mit 
gliedern, oder deren Stellvertretern. Derselbe bestimmt 
aus seiner Mitte alljährlich den Verbandsvorsitzenden, 
den Schriftführer und den Rechner. Bei Abstimmungen 
erhalten Vereine mit 50 bis 100 Mitgliedern eine, Ver 
eine mit über 100 bis 500 Mitgliedern zwei, und solche 
mit mehr als 500 Mitgliedern drei Stimmen. § 4. Die 
Entscheidung über Angelegenheiten des Verbandes und 
deren Durchführung liegt beim Vorstand. Die Vorstands 
sitzungen sind vom Vorsitzenden nach Bedarf anzu-
	        

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