Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-6,1909
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1909/369/
13. November 1909 
BAÜZEITUNG 
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lieh veranlaßt durch eigenartige Rechtsverhältnisse und 
starke bauliche Beengung, neue Typen. Hierzu kommt 
die schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts stark auf 
tretende Arbeitsteilung und mit dieser die naturgemäße 
Aufteilung des Einraumes. Man sucht sich zu helfen, 
indem man einen Teil des Einraumes durch eine Wand 
senkrecht zu Strebenflucht abtrennt und so einen Gang 
erhält, der den Verkehr zwischen Straße und Hof ver 
mittelt. Es ist dies die fast allen aus dem 16. und 
17. Jahrhundert stammenden Kleinbürgerhäusern Bens- 
heims und Heppenheims eigentümliche Grundrißform, 
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Abt). 6. Türbogen, Marktstr. 10, Heppenheim 
wobei zu beachten ist, daß der Gang bisweilen zu einer 
Durchfahrt auswächst. Auf dieser Anlage entwickelt sich 
harmonisch der Aufbau, an unzähligen Beispielen sehen 
wir immer wieder die gleiche Anordnung (Abb. 1—3). 
Bemerkenswert durch die formale Ausbildung des Fach- 
werks und zugleich ein sehr markantes Beispiel schwä 
bischer Holzgotik ist der alte Adelshof in Weinheim 
(Abb. 4). Ein Jahrhundert später zeigen die Fachwerk- 
architekturen ein Gemisch von fränkischer und schwä 
bischer Holzbaukunst (Abb. 2), während die Schinder 
burg zu Heppenheim (Abb. 1) schon mehr Renaissance 
charakter offenbart. Das Haus MarktstraßelO, Heppenheim ^ 
(Abb. 5—7) aus dem Jahre 1579 zeigt steinernes Unter 
geschoß, Strebenanordnung und starke Verwendung der 
Andreaskreuze. Neu ist das Vorkommen des kleinen 
dreieckigen Ecknackens. Das Dach ist gleichfalls ein 
stehendes, mit einer nicht uninteressanten Ausbildung 
des Knotenpunktes. Während das Aeußere Renaissauce- 
charakter trägt, ist die Innenausstattung gotisch; mehrere 
Türen tragen noch den Vorhangbogen zur Schau. Zeigen 
die bisherigen Beispiele noch den Zug der Einfachheit, 
so gibt der ehemalige Hof der Echter von Mespelbrunn 
das Bild eines sehr reich bedachten Fachwerkhauses 
(Abb. 8 und 9). Die gesamte Fachwerkordnung ist eine 
ausgesprochen fränkische mit starker Verwendung ge 
krümmter Hölzer. Der Dachstuhl ist liegend in der Form 
und Ausbildung, wie er bis in das 19. Jahrhundert herr 
schend blieb. Die Erbauungszeit fällt in das Ende des 
Abb. 6. Ansicht des Hauses Marktstr. 10, Heppenheim 
16. Jahrhunderts. Gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts 
wird die Vorliebe für ein reich ausgebildetes Fachwerk 
immer allgemeiner und führt bisweilen zu einer Ueber- 
ladung, zu einer allzu starken Verwendung gekrümmter 
Hölzer. Ein bezeichnendes Beispiel ist das keinen Namen 
tragende malerische Häuschen am Markt zu Bensheim 
(Abb. 10). Die Wirkung des Häuschens neben dem 
Haßlochschen Anwesen und dem stolzen hochgiebeligen 
Adelshof (Flecksches Haus) wie überhaupt die gesamte 
Straßenordnung und Führung ist eine vorzügliche und 
in städtebaulicher Hinsicht vorbildliche zu nennen. Als 
letzte Beispiele der Renaissanceepoche sind noch das 
Bendheimsche Haus in Bensheim sowie das Haus in der 
Abb. 7. Dachbinder und Knotenpunkt B des Hauses Marktstr. 10, Heppenheim
        

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