Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1909)

42

BAUZBITUNG

Nr.  6

Kennwort  „Talgruppe“  Ein  II.  Preis
Architekten  Hans  und  Hermann  Moser-Ulm

bracht  werden.  Auf  die  Möglichkeit  späterer  Vergrößerung,
etwa  durch  Flügelanbauten,  ist  Bedacht  zu  nehmen.
Dem  Preisgericht,  bestehend  aus  Oberbaurat  Eisenlohr
von  Stuttgart,  Architekt  Staehelin  von  Stuttgart,  als  Ersatzmann ­
  in  das  Preisgericht  berufen  durch  Beschluß  der
bürgerlichen  Kollegien  vom  8.  Dezember  1908  für  den
erkrankten  Direktor  Paul  Schmohl,  Stadtbaumeister
Romann  von  Ulm,  Oberamtsbaumeister  Feil  in  Blaubeuren, ­
  Stadtschultheiß  Schäfer  in  Blauheuren,  Gemeinderat ­
  Rauch  in  Blaubeuren,  Gemeinderat  Rommel  in  Blaubeuren, ­
  Bürgerausschußobmann  Fischer  in  Blaubeuren,
Bürgerausschußmitglied  Dr.  Spohn  in  Blaubeuren,  wurden
164  Entwürfe  zum  Wettbewerb,  die  rechtzeitig  den  Bedingungen ­
  gemäß  eingegegangen  waren,  vorgelegt.
Bei  der  ersten  Durchsicht  sämtlicher  Entwürfe  wurden
wegen  Nichteinhaltung  der  Bedingungen  im  Programm
und  sonstiger  Mängel  91  Entwürfe  ausgeschieden.  Bei
der  zweiten  Sichtung  wurden  45  Entwürfe  ausgeschieden,
so  verblieben  zur  dritten  Sichtung  28  Nummern.  Von
diesen  wurden  bei  der  dritten  Sichtung  18  Entwürfe
wiederum  ausgeschieden  und  wurden  noch  15  Nummern
zur  engeren  Wahl  bestimmt.  Hiervon  schieden  noch
3  Entwürfe  aus  und  verblieben  somit  in  der  engsten
Wahl  die  Arbeiten  mit  den  Kennwerten:  „A.  B.  C.“,
„Talgruppe“,  „Wer  lange  sitzt,  muß  rosten“,  „Blautopf“,
„Georg  Syrlin“,  „Syrlin“,  „Im  schönsten  Wiesengrunde“,
„Mörike“,  „Livius“,  „Auf  der  Bleiche“,  „Thalia“,  „Herbst“.
Diese  Entwürfe  der  engsten  Wahl  wurden  nun  einer  besondern
  Begutachtung  unterzogen.
Da  bei  jedem  der  Entwürfe  einiges  zu  beanstanden
war,  beschlossen  die  Preisrichter,  von  der  Verteilung
eines  I.  Preises  abzusehen  und  die  für  die  Preisverteilung
vorgesehene  Gesamtsumme  von  2600  M.  auf  2600  M.  zu
erhöhen  und  in  der  Weise  zu  verwenden,  daß  zwei
II.  Preise  zu  je  800  M.  und  zwei  III.  Preise  zu  je  500  M.
zur  Verteilung  kommen  sollen.  Zugebilligt  wurden  demnach ­
  je  ein  II.  Preis:  dem  Entwurf  „Talgruppe“,  nach
Oeffnung  des  Briefumschlages:  Verfasser  Gebr.  Hans
und  Hermann  Moser,  Architekten  in  Ulm,  und  dem
Entwurf  „Mörike“,  Verfasser  R.  Haag  in  Stuttgart.
Je  ein  III.  Preis:  dem  Entwurf  „Georg  Syrlin“,  Verfasser ­
  Heinrich  Mehlin,  Architekt  in  Stuttgart,  und  dem
Entwurf  „Herbst“,Verfasser  Regierungsbauführer  W.  Hoffmann
  in  Reutlingen  und  Regierungsbauführer  Albert
Leypoldt  in  Reutlingen.
Für  den  Ankauf  durch  die  Stadt  wurden  vorgeschlagen
die  Entwürfe  „Ä.  B.  C.“,  Verfasser  Hans  und  Hermann
Moser,  Architekten  in  Ulm;  „Blautopf“,  Verfasser  Architekt ­

  Ad.  Retter  in  Stuttgart;  „Im  schönsten  Wiesengrunde“, ­
  Verfasser  Architekt  Fr.  Hauser  in  Ludwigsburg; ­
  „Livius“,  Verfasser  Bihl  &  Woltz,  Architekten  in
Stuttgart.
Heber  die  Bauausführung  wird  von  den  bürgerlichen
Kollegien  später  Beschluß  gefaßt  werden.
Ueber  die  einzelnen  Arbeiten  urteilte  das  Preisgericht
wie  folgt:
Kennwort:  „Talgruppe.“  Ein  II.  Preis.  Die  Anlage ­
  der  Schulsäle  und  die  Verteilung  der  Treppenhäuser
ist  gut.  Es  ist  ein  getrennter  Verkehr  der  Volksschüler
und  der  Lateinschüler  möglich.  Die  Schulsäle  sind  in
den  Abmessungen  teilweise  zu  klein.  Die  Fassadenausbildung ­
  ist  geschmackvoll  und  in  der  Gruppierung  der
Massen  gut,  doch  ist  die  geplante  Erweiterung  des  Schulgebäudes ­
  nach  vornen  zu  beanstanden.  Es  dürfte  sich
empfehlen,  die  Erweiterung  nach  rückwärts  vorzunehmen,
die  Wandelgänge  bis  zu  den  Gängen  neben  den  Treppenhäusern ­
  zu  führen  und  dort  die  Eingänge  anzuordnen.
Kennwort:  „Mörike“.  Ein  II.  Preis.  Grundrißanlage ­
  klar  und  übersichtlich.  Die  Schulsäle  sind  etwas
knapp  bemessen.  Die  Schüleraborte  sind  an  Anzahl  zu
gering.  Die  südwestliche  Ecke  des  Gebäudes  kommt
an  die  Grenze  zu  stehen.  Die  Ausbildung  des  Aeußeren
gehört  zu  den  besten  des  Wettbewerbs.
Kennwort:  „Georg  Syrlin.“  Ein  III.  Preis.  Der
Grundriß  ist  hübsch  auf  engen  Raum  zusammengedrängt.
Die  Anlage  der  Treppen  ist  vorteilhaft,  doch  ist  die  gemeinsame ­
  Benutzung  einer  Treppe  von  den  Volksschülern
und  den  Lateinschülern,  die  immer  zu  Unzuträglichkeiten
führt,  nicht  zu  umgehen.  Sämtliche  Schulsäle  sind  etwas
zu  schmal,  doch  ist  eine  Vergrößerung  leicht  ausführbar.
Die  Lage  des  Abortgebäudes  an  der  Südwestecke  ist  zu
beanstanden.  Das  Aeußere  zeigt  sich  gut  in  Entwurf
und  Darstellung  und  verrät  eine  geschickte  Hand.
Kennwort;  „Herbst“.  Ein  III.  Preis,  Die  Grundrißeinteilung ­
  ist  gut.  Zu  bemängeln  ist,  daß  die  Volksschulsäle ­
  um  50  cm  zu  kurz  sind.  Der  Physiksaal  ist
unzweckmäßig  angebracht,  die  Lage  der  Aborte  an  der
Vorderseite  zu  beanstanden.  Das  Aeußere  zeigt  eine
besonders  hübsche  Gruppierung.
(Schluß  folgt.)
Die  süddeutschen  Wasserstraßen
Auf  der  Delegiertenversammlung  des  Zentralverbands
Deutscher  Industrieller,  die  dieser  Tage  in  Berlin  stattfand, ­
  gab  Schiffahrtskommissar  Hoffmann-Heilbronn  im
Auftrag  des  Neckar-Donau-Kanal-Ausschusses  eine  Darstellung ­
  des  gegenwärtigen  Standes  dieser  Angelegenheit.
Was  zunächst  den  Neckarkanal  betrifft,  so  sind  die
Vorarbeiten  der  ersten  Teilstrecke  von  Mannheim  bis
Heilbronn  durch  die  württembergische  und  badische  Regierung ­
  in  Angriff  genommen.  Diesen  Vorarbeiten  wurde
das  600-t-Schiff,  eine  Mindestfahrtiefe  von  2,2  m  und  für
die  Schleusen  eine  Länge  von  85  m,  eine  Breite  von
10,5  m  und  Tiefe  von  2,5  m  zugrunde  gelegt,  es  wurden
aber  zugleich  Erhebungen  über  den  Mehraufwand  bei  der
Zulassung  von  1000-t-Schiffen  gemacht.  Das  115  km
lange  Flußbett  wii’d  in  der  Hauptsache  beibehalten  und
der  Wasserspiegel  durch  16  Haltungen  gehoben,  so  daß
die  übliche  Fahrzeit  der  Schleppzüge  im  freien  Fahrwasser ­
  infolge  der  Durchschleusungen  etwa  um  ein  Drittel
verlängert  wird.  Der  Bauaufwand  dieser  115  km  langen
Teilstrecke  wird  sich  für  das  600-t-Schiff  ohne  Hafenbauten ­
  und  Kraftwerksanlagen  auf  ungefähr  25  Millionen
Mark  stellen  und  der  Mehraufwand  für  das  1000-t-Schiff
nur  etwa  3  Millionen  Mark  betragen.  Es  ist  ohne  weiteres
einleuchtend,  daß  der  große  wirtschaftliche  Vorteil  des
1000-t-Kahns  gegenüber  einem  solchen  von  600  t,  zumal
auf  einem  mit  dem  größten  deutschen  Strom  in  Verbindung ­
  stehenden  Schiffahrtsweg,  gar  keinen  Zweifel  darüber
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.