Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1913)

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BAUZEITUNG

Nr.  38

Feuerbeständigkeit  der  Schoferbrandsteine

Von  Oberingenieur  Carl  Morgenstern-Stuttgart
Daß  die  patentierten  Schofer-Verbund-,  Rauch-  und
Lüftungskamine  aus  einem  neuen  Baumaterial  hergestellt
werden,  welches  aus  Ziegelkleingeschläg  mit  Portlandzement ­
  in  gewisser  Mischung  besteht,  mit  Eisen  oder
Stahl  armiert  ist,  und  nach  patentiertem  Verfahren  geformt
sind,  dürfte  genügend  bekannt  sein.  Auch  die  vorteilhaften ­
  Ergebnisse  verschiedener,  von  staatlichen  Materialprüfungsanstalten ­
  durchgeführten  Untersuchungen  auf
Druck-,  Stand-  und  Feuerfestigkeit  der  Schoferfabrikate
sind  bekannt,  noch  nicht  aber  Feuerproben,  welche  dieses
Schornsteinbaumaterial  durch  die  Praxis,  durch  Brände,
auszuhalten  hatte,  deren  Resultate  über  den  Ergebnissen
jeder  Laboratoriumsversuche  gestellt  werden  müssen,  weil
hier  die  absolute  Beständigkeit  gegen  höchste  Gewalt
einwandfrei  bewiesen  wird.
Wir  sind  nun  in  der  Lage,  über  den  Fall  einer  Feuerprobe ­
  von  Schoferbrandsteinkaminen  bei  Gelegenheit
eines  Brandfalles  zu  berichten  und  unseren  Bericht  durch
Zeichnungen  und  Bilder  zu  belegen.
Am  2.  November  1912  tobte  in  Singen  (Amt  Durlach)
ein  großer  Brand,  dessen  ganze  Gewalt  sich  gegen  eine
Laboratoriumswand  richtete,  in  welche  patentierte  Schoferkamine
  bündig  mit  der  Aussenkante  der  Wand  und  diese
7  m  überragend,  eingebaut  waren,  die  nachstehenden
Jllustrationen  zeigen  den  Verlauf  dieses  äußerst  interessanten ­
  Falles.
Der  Grundriß  (Fig.  1)  zeigt,  daß  das  neben  einem
Laboratorium  befindliche  Lager  von  Maschinenöl  und
Maschinenfett  in  Fässern,  sowie  eine  dahinter  liegende
große  mit  Heu  und  Stroh  gefüllte  Scheuer  abgebrannt ­
  sind.
Figur  2  zeigt  das  Laboratoriumsgebäude  nach  dem
Brande  mit  dem  in  seine  obere  Stirnwand  eingebauten
und  zirka  7  m  über  Dach  ragenden  patentierten  Schoferkaminen,
  unbeschädigt  und  vollständig  gebrauchsfähig,
ohne  jede  Reparatur.
Figur  3  zeigt  den  Zustand  der  Wand,  in  welche  das
Schoferkamin  bündig  eingebaut  ist,  nach  dem  Brand.
Aus  den  Bildern  ist  ersichtlich,  daß  die  dem  verheerenden ­
  Feuer  des  Maschinenöls,  Maschinenfetts,  Heu
und  Strohs  stundenlang  ausgesetzten  patentierten  Sch  ofer-Brandsteinkamine,
  trotz  der  hohen  Glut  und  langdauerndem ­

  Spritzen,  vollständig  unversehrt  geblieben  sind,
während,  wie  Figur  3  deutlich  zeigt,  die  Backsteine  der
Feuerwand  empfindlichen  Schaden  und  Zerstörungen  erlitten ­
  haben.
Bei  den  Backsteinen  der  Mauerung  ist  dem  Feuer  nur
eine  kleine  Angriffsfläche  meist  12  cm  X  6,5  cm  ausgesetzt
gewesen,  trotzdem  sind  sie  zerstört  und  abgesprungen,
die  Schoferkaminsteine  haben  eine  Angriffsfläche
von  98  cm  resp.  72  cm  Breite,  sind  oben  über  dem  Mauerzug ­
  im  ganzen  Querschnitt  freiliegend,  an  demselben  hat
das  starke  Feuer  und  Spritzen  keinerlei  Schaden  verursacht.
Der  dem  Feuer  ausgesetzte  Backstein  hat  durch  Erglühen ­
  und  die  Abkühlung  beim  Spritzen  eine  Molekular-Veränderung
  durchgemacht,  welche  Spannungsauslösungen
verursacht,  die  plötzlich  auftretend,  das  Zerspringen  der
starken  Backsteine  und  ihr  Abbröckeln  verursachen.

Figur  2.
	        
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