29. November 1913
BAUZEITUNG
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Friedhofkunstausstellung Stuttgart
Die Stadt Stuttgart veranstaltet im nächsten Jahre eine
Ausstellung für Friedhofkunst. Den Einladungen zur Beteiligung
an der Ausstellung fügt das Stadtschultheißenamt
bei:
Es ist eine in neuerer Zeit immer wieder erhobene
Klage, daß die Friedhöfe, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten
entwickelt haben, ein sehr wenig befriedigendes
Bild bieten. Verantwortlich gemacht wird hiefür neben
einer teilweise verfehlten Gesamtanlage der Friedhöfe in
erster Linie das Darniederliegen der Friedhofkunst. Ihr
wird — übrigens abgesehen von einer Reihe rühmlicher
Ausnahmen — vor allem ein vielfach zu Tage tretender
Mangel an künstlerischem Empfinden, Armut an stimmungsvollen
künstlerischen Gedanken, gewisse Verirrungen
in Material und Form und das Fehlen eines Verantwortlichkeitsgefühls
für den Zusammenklang des einzelnen
Denkmals mit seiner Umgebung vorgeworfen.
Manches hat sich in den letzten Jahren unter der Einwirkung
der Kritik, die von allen Seiten einsetzte, gebessert.
Eine durchgreifende Besserung ist nur von einem
planmäßigen Vorgehen aller beteiligt en
Faktoren zu erwarten.
Für Stuttgart ist diese Frage im gegenwärtigen Zeitpunkt
deshalb besonders brennend, weil die Stadt im Begriff
steht, zwei neue Friedhöfe zu eröffnen. Es ist eine
2. Preis Grundriß
Verfasser: Architekt L. Rest-Stuttgart
schöne, aber verantwortungsvolle Aufgabe für die württembergische
und Stuttgarter Friedhofkunst, diesen neuen
Friedhöfen gleich von Anfang an ein würdiges künstlerisches
Gepräge zu geben.
Um ihrerseits nichts zu versäumen, hat die Stadtverwaltung
nach dem Vorgang verschiedener anderer deutscher
Städte und im Benehmen mit einer Reihe auf dem
Gebiet der Friedhofkunst sachkundiger Vereinigungen
eine Denkmalordnung und besondere Vorschriften für die
Anpflanzung der Gräber aufgestellt, die demnächst den
Gemeindekollegien zur Beschlußfassung unterbreitet werden
sollen.
Aber mit Vorschriften allein ist es
nichtgetan. Man kann mit ihnen Auswüchse beseitigen,
Unerwünschtes fernhalten, aber damit ist das Bessere,
das in die Lücke treten soll, noch nicht geschaffen. Dazu
ist notwendig, daß die berufenen Träger
der Friedhofkunst, Bildhauer und Architekten,
Kunstschlosser, Kunstschreiner
und Gärtner zeigen, was sie können. Geschieht
dies, wird durch vorbildliche Darbietung gezeigt,
was die gute Friedhofkunst will, so wird gleichzeitig das
Verständnis der Bevölkerung für gute
Friedhofkuns,t geweckt, die Bevölkerung selbst
für diese gewonnen.
Um der Bevölkerung nun Gelegenheit zu einem Ueberblick
über den derzeitigen Stand der Friedhofkunst zu
geben, veranstaltet die Stadt Stuttgart von Mai bis Oktober
1914 eine
Ausstellung für Friedhofkunst
auf dem Gelände des Floppenlaufriedhofs.
Dabei werden neben neuzeitlichen und historischen
Denkmälern aus Stein, Metall oder Flolz, auch Entwürfe,
Skizzen und Photographien von Denkmälern, sowie Friedhofliteratur
und Modelle, Pläne und Ansichten von neueren
Friedhofanlagen und Projekten zur Ausstellung kommen.
Es werden jedoch nur solche Grabdenkmäler, Modelle,
Pläne usw. zugelassen, welche von einem in Württemberg
ansässigen oder geborenen Künstler oder Gewerbetreibenden
entworfen oder verfertigt wurden.
Ausnahmsweise können jedoch auch außerwürttembergische
Künstler und Gewerbetreibende, deren Erzeugnisse
besonders geeignet und vorbildlich sind, zur Ausstellung
zugelassen werden.
Die Ausstellung wird in zeitlichem und örtlichem Zusammenhang
mit der Ausstellung für Gesundheitspflege
stehen, die sich, wie zu erwarten ist, eines starken Besuchs
aus dem ganzen Lande, ja über die Grenzen des