Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1913)

29.  November  1913

BAUZEITUNG

391

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Friedhofkunstausstellung  Stuttgart
Die  Stadt  Stuttgart  veranstaltet  im  nächsten  Jahre  eine
Ausstellung  für  Friedhofkunst.  Den  Einladungen  zur  Beteiligung ­
  an  der  Ausstellung  fügt  das  Stadtschultheißenamt ­
  bei:
Es  ist  eine  in  neuerer  Zeit  immer  wieder  erhobene
Klage,  daß  die  Friedhöfe,  wie  sie  sich  in  den  letzten  Jahrzehnten ­
  entwickelt  haben,  ein  sehr  wenig  befriedigendes
Bild  bieten.  Verantwortlich  gemacht  wird  hiefür  neben
einer  teilweise  verfehlten  Gesamtanlage  der  Friedhöfe  in
erster  Linie  das  Darniederliegen  der  Friedhofkunst.  Ihr
wird  —  übrigens  abgesehen  von  einer  Reihe  rühmlicher
Ausnahmen  —  vor  allem  ein  vielfach  zu  Tage  tretender
Mangel  an  künstlerischem  Empfinden,  Armut  an  stimmungsvollen ­
  künstlerischen  Gedanken,  gewisse  Verirrungen ­
  in  Material  und  Form  und  das  Fehlen  eines  Verantwortlichkeitsgefühls ­
  für  den  Zusammenklang  des  einzelnen
Denkmals  mit  seiner  Umgebung  vorgeworfen.
Manches  hat  sich  in  den  letzten  Jahren  unter  der  Einwirkung ­
  der  Kritik,  die  von  allen  Seiten  einsetzte,  gebessert. ­
  Eine  durchgreifende  Besserung  ist  nur  von  einem
planmäßigen  Vorgehen  aller  beteiligt  en
Faktoren  zu  erwarten.
Für  Stuttgart  ist  diese  Frage  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt ­
  deshalb  besonders  brennend,  weil  die  Stadt  im  Begriff ­
  steht,  zwei  neue  Friedhöfe  zu  eröffnen.  Es  ist  eine

2.  Preis  Grundriß
Verfasser:  Architekt  L.  Rest-Stuttgart

schöne,  aber  verantwortungsvolle  Aufgabe  für  die  württembergische
  und  Stuttgarter  Friedhofkunst,  diesen  neuen
Friedhöfen  gleich  von  Anfang  an  ein  würdiges  künstlerisches ­
  Gepräge  zu  geben.
Um  ihrerseits  nichts  zu  versäumen,  hat  die  Stadtverwaltung ­
  nach  dem  Vorgang  verschiedener  anderer  deutscher ­
  Städte  und  im  Benehmen  mit  einer  Reihe  auf  dem
Gebiet  der  Friedhofkunst  sachkundiger  Vereinigungen
eine  Denkmalordnung  und  besondere  Vorschriften  für  die
Anpflanzung  der  Gräber  aufgestellt,  die  demnächst  den
Gemeindekollegien  zur  Beschlußfassung  unterbreitet  werden ­
  sollen.
Aber  mit  Vorschriften  allein  ist  es
nichtgetan.  Man  kann  mit  ihnen  Auswüchse  beseitigen, ­
  Unerwünschtes  fernhalten,  aber  damit  ist  das  Bessere,
das  in  die  Lücke  treten  soll,  noch  nicht  geschaffen.  Dazu
ist  notwendig,  daß  die  berufenen  Träger
der  Friedhofkunst,  Bildhauer  und  Architekten, ­
  Kunstschlosser,  Kunstschreiner
und  Gärtner  zeigen,  was  sie  können.  Geschieht ­
  dies,  wird  durch  vorbildliche  Darbietung  gezeigt,
was  die  gute  Friedhofkunst  will,  so  wird  gleichzeitig  das
Verständnis  der  Bevölkerung  für  gute
Friedhofkuns,t  geweckt,  die  Bevölkerung  selbst
für  diese  gewonnen.
Um  der  Bevölkerung  nun  Gelegenheit  zu  einem  Ueberblick
  über  den  derzeitigen  Stand  der  Friedhofkunst  zu
geben,  veranstaltet  die  Stadt  Stuttgart  von  Mai  bis  Oktober ­
  1914  eine
Ausstellung  für  Friedhofkunst
auf  dem  Gelände  des  Floppenlaufriedhofs.
Dabei  werden  neben  neuzeitlichen  und  historischen
Denkmälern  aus  Stein,  Metall  oder  Flolz,  auch  Entwürfe,
Skizzen  und  Photographien  von  Denkmälern,  sowie  Friedhofliteratur ­
  und  Modelle,  Pläne  und  Ansichten  von  neueren ­
  Friedhofanlagen  und  Projekten  zur  Ausstellung  kommen. ­

Es  werden  jedoch  nur  solche  Grabdenkmäler,  Modelle, ­
  Pläne  usw.  zugelassen,  welche  von  einem  in  Württemberg ­
  ansässigen  oder  geborenen  Künstler  oder  Gewerbetreibenden ­
  entworfen  oder  verfertigt  wurden.
Ausnahmsweise  können  jedoch  auch  außerwürttembergische
  Künstler  und  Gewerbetreibende,  deren  Erzeugnisse ­
  besonders  geeignet  und  vorbildlich  sind,  zur  Ausstellung ­
  zugelassen  werden.
Die  Ausstellung  wird  in  zeitlichem  und  örtlichem  Zusammenhang ­
  mit  der  Ausstellung  für  Gesundheitspflege
stehen,  die  sich,  wie  zu  erwarten  ist,  eines  starken  Besuchs ­
  aus  dem  ganzen  Lande,  ja  über  die  Grenzen  des
            
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