Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1913)

29.  November  1913

BAUZEITUNG

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Zum  Ankauf  empfohlen

Ansicht  gegen  das  Ufer

und  sie  könnten  ihn  nicht  haben,  weil  das'  Geld,  das  die
Einleger  der  Sparkasse  geben,  jederzeit  kündbar  sei.  Folglich ­
  könnte  die  Sparkasse  ihrerseits,  das  Geld,  das  sie  auf
Hypotheken  gebe  eben  auch  nur  so  kurzfristig  gegen  dreimonatliche ­
  Kündigung  ausleihen.  Gewiß  werde  den
Schuldnern  von  seiten  der  Sparkasse  versichert,  daß  es  als
ausgeschlossen  betrachtet  werden  kann,  daß  je  eine  Kündigung ­
  erfolge.  Nach  der  Schuldurkunde  könne  aber  die
Sparkasse  auf  drei  Monate  kündigen  und  wenn  darnach
Zeiten,  wo  die  Einleger  in  übermäßig  großer  Zahl  ihre
Guthaben  von  der  Sparkasse  zurückziehen  müßten,  eintreten,
  wie  sie  allerdings  glücklicherweise  seit  100  Jahren
nicht  mehr  vorgekommen  seien,  so  bliebe  der  Sparkasse
schließlich  nichts  anderes  übrig,  als  von  dem  Recht  der
Kündigung  Gebrauch  zu  machen.  Man  werde  dann  gewiß ­
  suchen,  vermittelnde  Maßnahmen  zu  ergreifen,  aber
richtiger  sei  es  jedenfalls  gehandelt,  wenn  man  einer  derartigen ­
  Gefahr  überhaupt  vorbeuge.  Das  sei  nun  möglich
durch  die  der  Sparkasse  anzugliedernde  städt.  Hypothe-Zum

  Ankauf  empfohlen  Grundriß
Verfasser:  Reg.-Baumeister  Dipl.-Ing.  Th.  Mehl-Stuttgart

kenbank,  da  hierdurch  unkündbare  Gelder  durch  die  Ausgabe ­
  von  städt.  Hypothekenpfandbriefen  herangezogen
würden.  Die  Sparkassen  würden  also  dadurch  denselben
Rückhalt  bekommen  wie  die  Aktien-Hypothekenbanken,
denen  ihre  Pfandbriefe  nie  gekündigt  werden  können,  die
Hypothekenbanken  also  auch  ihren  Hypothekenschuldnern
nicht  zu  kündigen  brauchen.  Mit  dieser  Sicherheit  insbesondere ­
  mit  Rücksicht  auf  die  Hypothekenschuldner  gehören ­
  die  Sparkassen  ausgestattet.
Bei  näherer  Betrachtung  wird  man  zugeben  müssen,
daß  die  hier  ausgesprochenen  Gedanken  wert  sind,  sich
mit  ihnen  zu  beschäftigen.  Die  Sparkassen,  seiner  Zeit  als
Wohltätigkeitsanstalten  gegründet,  sind  zu  gewaltigen  Instituten ­
  von  großer  Bedeutung  für  die  Volkswirtschaft  geworden ­
  und  es  dürfte  nun  die  Zeit  gekommen  sein,  den
Sparkassen  vollends  das  Wohltätigkeits-Mäntelchen  abzuhängen ­
  und  ihnen  eine  zeitgemäße  Organisation  zu  schaffen, ­
  die  der  Entwicklung  entspricht.  Im  Zusammenhänge
damit  dürfte  auch  an  eine  Lösung  der  II.  Hypotheken  gedacht ­
  werden  und  ich  verweise  auf  das.  Beispiel,  das  die
Stadt  Freiburg  (s.  Bauzeitg.  Nr.  45)  gegeben  hat.  Wenn
Bedenken  schon  geäußert  wurden,  Häuser,  die  nach  landläufigen ­
  Begriffen  nicht  gerade  schwer  verkäuflich  sind,  bis
zu  75%  zu  beleihen,  so  halte  ich  diese  Bedenken  für  übertrieben. ­
  Von  irgend  einer  Seite  muß  das  Geld  doch  kommen ­
  und  wenn  es  ein  Privatmann  geben  kann,  so  kann  es
doch  auch  eine  städt.  Hypothekenbank.
Karl  Schüler.
Die  Gemeinschaftsarbeit
In  den  Fachblättern  des  Baugewerbes,  der  Arbeitgeberverbände ­
  und  Innungen  wird  bereits  Stimmung  gemacht ­
  für  die  Gemeinschaftsarbeit  des  Mittelstandes  mit
Großindustrie  und  Landwirtschaft  im  Sinne  der  Leipziger
vertraulichen  Abmachungen  der  führenden  Männer  dieser
Wirtschaftsgruppen.
Das  Baugewerbe  und  die  große  Gruppe  der  mit  ihm
verwandten  Gewerbe  bildet  einen  wesentlichen  Teil  des  gesamten ­
  Mittelstandes  und  es  empfiehlt  sich  daher,  diese
beabsichtigte  Gemeinschaftsarbeit  etwas  näher  unter  die
Lupe  zu  nehmen.  Dies  ist  umsomehr  geboten,  als  es  sich
augenscheinlich  bei  dieser  Gemeinschaftsarbeit  um  eine
Societas  leonina,  um  eine  Gesellschaft  zwischen  zwei  Starken ­
  und  einem  Schwachen  handelt,  wobei  der  Schwache
alle  Ursache  hat,  vorsichtig  zu  sein.  Daß  der  ganze  Mit-
            
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