Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/114/
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BAUZEITUNÖ 
Nr. 14 
Erpresserpolitik spricht, wenn es ihr einmal nicht gelingt, 
ihrer Meinung in vollem Umfang zum Durchbruch zu ver 
helfen. 
Die Abänderungsanträge bewegen sich durchweg in 
der Richtung der von nachfolgenden Stuttgarter Architek 
tenvereinen zum Entwurf der Ortsbausatzung eingereich 
ten Aenderungsvorschläge: 
Architekten-Club Stuttgart, 
Architekten-Verein Stuttgart, 
Architekten-Vereinigung der Vororte, 
Baugewerke-Verein Stuttgart, 
Bauhütte Stuttgart, 
Bauwerkmeister-Verein Württembergs, Sektion Neckar 
kreis, 
Verein für Baukunde. 
Diese wiederum haben als ihre Vertreter für die 
Arbeit zum Ortsbaustatut ältere erfahrene Männer be 
rufen, hochangesehene Architekten Stuttgarts , - Jreie 
Kirchliche Monüfrientalarchitektur 
in England 
Es gibt wohl kaum eine altenglische Stadt, die sich nicht 
durch große landschaftbeherrschende Kirchenbaumassen 
auszeichnen würde. Abb. 1 gibt dieses häufige Fernbild 
der englischen Stadt, wobei die kleinere Friedhofskirche 
im Vordergründe die perspektivische Fernwirkung vor 
züglich empfinden läßt. 
Sehen wir nun von dem üblichen, meist schulmäßig 
Gebotenen ab, so findet echtes Künstlerempfinden noch 
eine Fülle anregender Baugedanken von neuer, befruch 
tender Wirkung: Abb. 2 ein der Normannenzeit entnom 
menes, so gut wie unbekanntes Bauwerk. Wenn über 
haupt einer einmal nach Winchester kommt, so pflegt er an 
der Kathedrale des Bädeckersternleins genug gesehen zu 
haben. Eine Stunde davon finden wir diese Heilig-Kreuz- 
Künstler und hochgestellte Beamte, die durch ihre Lebens 
arbeit sich die Kenntnisse und _die Fähigkeiten erworben 
haben, die die Berechtigung zur Mitarbeit in dieser außer 
ordentlich schwierigen Materie mit sich bringen. Den 
Vorschlägen dieser Vereine, die in der Rathauskommission 
nach Meinung der bürgerlichen Rathausvertreter nicht ge 
nügend Berücksichtigung gefunden haben, nähern sich, 
um dies nochmals zu betonen, die Abänderungsvorschläge 
der bürgerlichen Fraktionen und nunmehr wird in Ent- 
rüstungs- und Protestversammlungen gemacht, als ob eine 
Horde Vandalen in das schöne Stuttgarter Tal eingebro 
chen sei, dieses zu verwüsten. 
Man tut so und glaubt vielfach tatsächlich, als ob man 
das bestehende alte Statut rückwärts revidieren wolle, wäh 
rend es sich in der Tat doch bloß darum handelt, einige 
wichtigere Paragraphen in soweit zu kürzen, daß sie einen 
„mittleren Vorschlag“ bedeuten zwischen den Vorschriften 
der neuen Bauordnung und den Vorschlägen des Ent 
wurfs der Kommission. Es ist notwendig, auch hier dar 
auf hinzuweisen, daß die vor zwei Jahren in Kraft ge 
tretene neue Württ. Bauordnung, also das Landesbau 
gesetz, das für alle Gemeinden die Mindestforderungen 
stellt, unter die keine Gemeinde heruntergehen kann, selbst 
schon einen bedeutsamen Fortschritt in neuzeitlicher kom 
munaler Baupolitik bedeutet. 
Die einzelnen Paragraphen behandelt ein 2. Artikel. 
(Schluß folgt.) 
kirche samt Hospital, Refectorium, malerischem Innenhof 
usw., gleichzeitig eine Fundgrube für Maler und Bildhauer. 
Ein Schulbeispiel ist Abb. 3. Das Gegensätzliche des 
Horizontalismus der Westfront und des Vertikalismus 
der Turmbauten kommt jedoch nur in der photographi 
schen Wiedergabe voll zur Geltung. Die Kirche selbst 
liegt auf der stadtbeherrschenden Höhe. Die architek 
tonische Wechselbeziehung zwischen Straße und Kirchen 
masse pflegt, wie überall im Mittelalter, mehr von zufäl 
liger Wirkung zu sein (Abb. 4). Die Kirche wird meist 
umgeben von der rings ummauerten, durch reich behan 
delte Torbauten von der Straße abgegrenzten Dom - 
Immunität. Begeben wir uns in eine solche Kirche, so 
zieht uns Heutige vor allem an, einmal die wundervollen 
Monumentalfenster mit echter, alter Glasmalerei von tep 
pichartiger Wirkung, wie der reiche Grabmalschmuck 
aller Zeiten; in zweiter Linie sind es die englischen Eigen 
tümlichkeiten, wie der Transeptabschluß von Wells (Abb. 
6), als einer statisch wohlbegründeten Steinkonstruktion. 
Abb. 7 läßt uns einen Blick tun in die unter Abb. 5 sich 
befindende Kripta normännischer Zeit. Dieser Zeitperiode 
ist auch Abb. 8 zuzusprechen von normannisch-origineller 
Auffassung des römischen Kompositkapitels. Wenn 
auch aus späterer Zeit, so sei doch das hölzerne originelle 
Ziffernblatt (Abb. 9) nicht vorenthalten. Verschiedene kon 
zentrische Kreisringe bewegen sich mit durch Kugeln fest- 
markierte Punkte am Ziffernblatt entlang, während ein 
scharfer Radialstrich am oberen Minutenblatt die genaue 
Zeitablesung ermöglicht. 
Dr.-Ing. Chr. Klaiber, Schw. Gmünd.
        

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