Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/128/
12Ö 
BAUZEITUNG 
Nr. 15 
aungen zuziehen wollen. Im Zusammenhänge damit soll 
auch noch darauf hingewiesen werden, daß die Kosten für 
die Prüfungen stets der Bauende zu tragen hat, und nicht 
etwa die Firma, welche die Bauarbeiten ausführt, worüber 
schon gestritten wurde. H. 
Vereinsmitteilungen 
Württ. Verein für Baukunde. In der 7. ordentlichen 
Versammlung am 4. April wurden vom Vorsitzenden zu 
nächst geschäftliche Angelegenheiten erledigt, darunter 7 
weitere Aufnahmegesuche sowie eine Eingabe des Ver 
eins an das Stadtschultheißenamt Stuttgart betreff. Nicht 
veröffentlichung der Architekten und Unternehmer bei 
Baugesuchen. Alsdann erhielt Abteilungs-Ingenieur W. 
Barth das Wort zu einem Vortrag über den neuen 
Rosensteintunnel und die neue Eisenbahnbrücke über den 
Neckar bei Cannstatt. Der Vortrag, auf den wir noch 
mit einer besonderen Veröffentlichung zurückkommen 
werden, fand reichen Beifall und war von einer Reihe vor 
züglicher Lichtbilder nach eigenen Aufnahmen des Red 
ners begleitet, und wurden an Hand dieser Bilder alle ein 
zelnen Bauvorgänge aufs Genaueste erläutert. Der Vor 
sitzende, Herr Oberbaurat Euting, betonte in seinem 
Schlußwort, daß der Verein schon wiederholt Gelegenheit 
hatte, teils durch Vortrag, teils durch Besichtigung sich 
über die neuen Bahnbauarbeiten zwischen Stuttgart und 
Cannstatt zu unterrichten; besonders wertvoll sei es aber, 
im vorliegenden Falle gewesen, von einem Herrn, der von 
Anfang an bei der Ausführung selbst beteiligt war, die 
beiden obengenannten Bauwerke erläutert zu erhalten. 
Es schloß sich eine gemütliche Unterhaltung in den unte 
ren Räumen des Museums an. W. 
Hess. Techniker-Verband. Die Reorganisation der 
Bauverwaltung, die schon einige Jahre Gegenstand fort 
laufender Beratungen ist und alle beteiligten Gemüter in 
Spannung hält, scheint seit kurzem wieder in anderes 
Fahrwasser gelangt zu sein. Gelegentlich der diesjährigen 
Budgetberatung bei den Kapiteln über Bausachen wurde 
von verschiedenen Abgeordneten der II. Ständekammer 
an die Regierung die Anfrage gerichtet, wie weit die Ver 
handlungen über die Organisation der Bauverwaltung ge 
diehen sind und ob auf eine baldige Aenderung zu hoffen 
sei. Der Regierungsvertreter, Herr Ministerialrat Dr. 
Kratz, gab namens der Oroßherzgl. Regierung die Er 
klärung ab, daß sie einen Entwurf ausgearbeitet habe, der 
jedoch nicht die Billigung der Vereinfachungskommission 
gefunden hätte. Von dieser seien, einesteils wegen weite 
rer Personalverminderung, andernteils wegen anderer Ein 
teilung neue Vorschläge gemacht worden, die auf einer 
demnächst stattfindenden Sitzung zur Beratung gelangen 
sollen. Jedenfalls werde aber vor 1. April nächsten Jahres 
an ein Inkrafttreten der Reorganisation nicht zu denken 
sein. Nach diesen Ausführungen scheint es, daß recht 
viele Hindernisse aus dem Wege zu räumen sind, sodaß 
wohl mit einem baldigen Abschluß noch nicht gerechnet 
werden kann. Ob diese mit so viel Schwierigkeiten zu 
überwindende Organisation auch ein allseitig befriedigen 
des Ergebnis für die Baubeamten bringen wird, wollen 
wir dahingestellt sein lassen. Immerhin aber dürfen wir 
die bevorstehende Neuordnung nicht aus dem Auge ver 
lieren, da hauptsächlich der mittlere Baubeamte dabei sehr 
in Frage kommen wird. Schriftleitung. 
14. Hauptversammlung. 
Am Samstag, den 25. April d. Js., nachmittags 2'/ 2 Uhr 
beginnend, findet im Restaurant zum „Storchen“ in Frank 
furt a. M. die diesjährige Hauptversammlung statt mit 
folgender Tagesordnung. 1. Jahresbericht. 2. Rech 
nungsablage. 3. Behandlung der Anträge. 4. Ergänzungs 
wahl des Vorstandes. 5. Verschiedenes. Unsere Mit 
glieder werden zu dieser wichtigen Tagung ergebenst 
eingeladen und um allseitiges und pünktliches Erscheinen 
gebeten. Liebegott, Vorsitzender. 
Wettbewerbe 
Mannheim. Einen Ideenwettbewerb schreibt das Bür 
germeisteramt für die Gewanne Schafweide und Altwasser 
unter den Mannheimer Architekten aus. Näheres siehe die 
Bekanntmachung im Inseratenteil. 
Saarbrücken. Ideenwettbewerb für das evangelische 
Gemeindehaus zu Alt-Saarbrücken. Unter dem 31. Jan. 
1914 schrieb der Evangel. Gemeindehausbauverein zu 
Saarbrücken 1 einen Ideenwettbewerb unter den Archi 
tekten Saarbrückens aus. Der Termin der Einreichung 
endete mit dem 1. ds. Mts. Das gestern unter dem Vor 
sitz des Herrn Pfarrer Ebeling zusammengetretene Preis 
gericht erkannte unter den 34 eingereichlen Entwürfen 
folgende Preise zu: 1. Preis von 900 M. dem Herrn 
Stadtarchitekten Leiber; 2. Preis von 600 M. demselben, 
3. Preis von 300 M. dem Herrn Architekten B.D.A. Nobis. 
Außerdem empfahl das Preisgericht zwei Entwürfe zum 
Ankauf für je 150 M. und zwar einen des Herrn Stadt 
architekten Leiber und einen des Herrn Architekten am 
städtischen Hochbauamt Fricke. 
Königsberg. Bei dem Wettbewerb zur Erlangung ge 
eigneter Entwürfe für die architektonische Ausgestaltung 
des Kaiserplatzes in Königsberg i. Pr. erhielten den I. Preis 
(5000 M.) die Architekten Ernst Müller und Richard Bro- 
dersen in Charlottenburg, den II. Preis (3000 M.) Archi 
tekt Hans Joos-CharlOttenburg, den III. Preis (2000 M.) 
die Architekten Oswald Ed. Bieber und Wilhelm Hollweck- 
München. Zum Ankauf empfohlen sind die Entwürfe mit 
demKennwort„Erinnerungssäule“ u. „Eine Krönungsstadt“. 
Sprechsaal 
Anfrage, ln verschiedenen Neubauten wurden im Oktober 
1913 in den Küchen weiße Fayencewandplatten angebracht. Im 
Laufe des Winters und jetzt noch zeigt sich, daß die Glasuren 
der Platten sehr stark abspringen und zwar an den Platten der 
Innen- und Außenwände. Es scheint uns, daß dieser Uebelstand 
nur durch den Frost herrührt. Da nun für obige Zwecke keine 
frostsicheren Platten vorgesehen waren, so fragen wir an, wer für 
den Schaden aufzukommen hat, der Bauherr oder der Unternehmer, 
oder was kann sonst an dem Abspringen der Glasur die Schuld 
tragen ? X. Y. 
Antwort. Fayence-Wandplatten sind nicht frostsicher, es 
wird für sie auch nicht garantiert. Immerhin können solche ohne 
Gefahr in Küchen, Badezimmern, Aborten, Maschinenhäusern etc. 
verwendet werden und finden für diese Räume auch vorzugsweise 
Verwendung. Bei exponierten, also sehr der Kälte ausgesetzten 
dünnen Wandflächen und namentlich wenn bei heftigem Frost ein 
Fenster offen gelassen wird, kann es allerdings Vorkommen, daß 
an solchen Stellen, wo viel mit Wasser umgegangen wird, also 
an Schüttsteinen, die Glasur ausspringt, aber dies kommt nur in 
vereinzelten Fällen vor und bei diesen kann der Unternehmer nie 
dafür haftbar gemacht werden. Dies ist in Baukreisen auch all 
gemein bekannt, denn wie sollte der Unternehmer zum Voraus 
wissen, wo einmal gerade eine gefährliche Stelle für Fayence- 
Platten ist, oder anderseits, wo etwa einmal bei strengem Frost 
unvorsichtig gehandelt wird. Der Ausdehnungs-Koeffizient der 
Grundmasse stimmt nie mit dem der Glasur überein, dadurch 
entstehen manchmal kleine Haarrisse in der Glasur, die aber auf 
die Qualität und Dauerhaftigkeit der Platten absolut keinen Ein 
fluß haben. Das Ausspringen der Glasur kommt nur vom Etfrieren 
her, ist also nicht auf die Ungleichheit des Ausdehnungs-Koeffi 
zienten zurückzuführen. 
Glasierte Platten aus Steinzeugware sind frostsicher 
aber auch teurer als Fayence-Platten. Letztere finden jedoch, 
wie schon eingangs erwähnt, weitgehendste Verwendung. W. 
Verantwortlich; Karl Schüler, Stuttgart, Richard Gebhardt, Stuttgart. 
Druck: Gustav Stüraer in Waiblingen.
        

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