Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/132/
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BAUZEITUNG 
Nr. 16 
Größen, keineswegs aber, wie das so häufig geschieht, 
durch Weglassung der Angabe über die Herkunft dieser 
Größen, welche zwar dem Verfasser während der Herstel 
lung der Berechnung wohl bewußt sein mag, nach Wochen 
oder Monaten aber diesem oder gar einem Uneingeweihten 
nur zu oft zum Anlaß mühsamen und unsicheren Suchens 
wird. Man verbinde deshalb kurze Schlagworte mit der 
oben erwähnten Bezeichnung und schreibe z. B. Decke 
q= . . ., oder Mauer Q-= . . ., Raddruck P= . . . usf. 
Ist der Zweck der vorstehend aufgeführten Einteilung 
und Bezeichnung gleichsam die äußere Uebersichtlichkeit, 
so sei jetzt ein Umstand betont, dessen Berücksichtigung 
wesentlich zur inneren Klarheit und Sicherheit der Rech 
nung beiträgt, und dessen Außerachtlassung leicht zur 
Quelle mancher Fehler werden kann: Die Angabe der Di 
mensionen, d. h. der Maßeinheiten, in welchen die stati 
schen Größen aufgeführt und rechnerisch verarbeitet sind. 
Benutzung von Formeln aus Taschenbüchern etc. gerade 
die Prüfung auf die Richtigkeit der Dimension eine be 
queme und bewährte Vorsichtsmaßregel zur Vermeidung 
grober Fehler darstellt. Ein kurzes Beispiel möge dies 
näher beleuchten: Aus einem Taschenbuch wurde für die 
größte Durchbiegung eines am Ende durch eine Einzellast 
belasteten Kragträgers von der Länge 1, dem Elastizitäts 
maß E und dem Trägheitsmoment J die Größe f = ~ö~g _ p 
P l 3 
entnommen, während es heißen sollte ^ Die Probe 
auf die Dimension läßt sofort die Unrichtigkeit des ersten 
Wertes erkennen, denn aus denselben ergibt sich 
kgXcm 2 cm 2 
kg 
cm 2 
X cm 4 
cm- 
Backnang. Aspacher Brücke über die Murr 
Teilansicht 
Man mache es sich zur festen Gewohnheit, bei jeder Last 
oder Maßangabe, bei jedem Resultat, gleichviel ob Zwi 
schen- oder Endergebnis, die Dimension beizusetzen! 
Die Wahl der Dimension ist wohl für das Resultat, 
nicht aber für den rechnerischen Arbeitsaufwand gleich- 
gütig und sie hängt von der Art der Konstruktion und der 
Größe der dabei auftretenden Kräfte ab. Am zweckmäßig 
sten ist jene, bei welcher die am häufigsten vorkommenden 
Größen bequeme, d. h. weder sehr große noch sehr kleine 
Zahlen sind. Deshalb erweist es sich meist wünschens 
wert, bei der Bestimmung der äußeren Kräfte (Lasten, An 
griffsmomente etc.) andere und zwar größere Dimensio 
nen zu verwenden als bei der Festlegung der inneren 
Kräfte (Widerstands-, Trägheitsmomente, Spannungen etc.) 
Besondere Vorsicht ist hinsichtlich der Dimensionen 
bei Berechnungen geboten, in denen Elastizitätskonstante, 
Wärmeausdehnungskoeffizienten und dergl. verkommen, 
da diese weniger geläufig und anschaulich sind. 
Vorübergehend möge hier noch darauf hingewiesen 
werden, wie sehr bei allgemeinen Ansätzen, etwa bei der 
also eine absolute Zahl und keine Längengröße (cm), wie 
es die Durchbiegung doch sein müßte. Wenn man mit 
dieser Probe auch nicht erfährt, worin der event. Fehler 
besteht, so verhütet die Erkenntnis, daß überhaupt ein 
solcher vorliegt, doch schon viele unnütze Rechenarbeit. 
Nun noch einige Worte über die Darstellung der nume 
rischen Ansätze. Zur Erreichung der hier nötigen Klar 
heit ist es dringend geboten, die Zahlen in einer, an und 
für sich willkürlichen, aber sich stets wiederholenden 
Reihenfolge in die Rechnung einzuführen (beispielsweise 
bei Lastenberechnung stets Zahlenfaktor X Länge X Breite 
X Breite X spez. Volumgewicht), andererseits schon durch 
die Schreibweise den Charakter der Zahl ersichtlich zu 
machen; demnach schreibe man unbenannte ganzzahlige 
Faktoren ohne Dezimalen und schätzungsweise angenom 
mene oder abgerundete Worte (Eigengewichte, Nutz 
lasten etc.) auch ohne oder jedenfalls nicht mit mehr Dezi 
malen, als dieses für die erforderliche Genauigkeit des Re 
sultats unbedingt nötig ist.
        

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