Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/137/
Alle Rechte Vorbehalten. 
Der neue Rosensteintunnel und die neue Eisenbahnbrücke über den 
Neckar bei Cannstatt 
Nach einem Vortrag von' Abteilungsingenieur W. Barth im WürttembergisChen Verein für Baukunde am 4. April 1914 
Der neue Rosensteintunnel. 
Der alte Tunnel, der in den Jahren 1844—46 erstellt 
worden ist, führt bekanntlich unmittelbar unter dem Kgl. 
Schloß Rosenstein hindurch (Abb. 1). Er wurde seiner 
zeit zur Vermeidung von schienengleichen Straßenüber 
gängen wie auch zur Schonung des Landschaftsbildes 
angelegt, obwohl sehr bedeutende Fachmänner gegen einen 
Tunnel waren. Aehnliche Gründe wie früher waren auch 
für die jetzige Neuanlage maßgebend. Doch geschah die 
Ausführung nicht bergmännisch, sondern in offenem Ein 
schnitt. Auch wurde die neue Trasse, um jede Gefahr für 
das Schloß auszuschließen, in 30 m mittl. Entfernung von 
dem letzteren vorbeigeführt. Die gesamten Neuanlagen in 
Cannstatt erforderten ferner eine um 3,5 m höhere Lage 
gegenüber früher. Infolgedessen war es nicht mehr mög 
lich, den neuen Tunnel wie den alten in seiner ganzen 
Ausdehnung auf dem Keupermergel aufzusetzen; vielmehr 
kamen die neuen Fundamente nur in der Nähe beider 
Portale auf diese Formation zu stehen, in der Mitte da 
gegen auf den darüber anstehenden, durchweg festgelager 
ten Kies, dem sog. Hochterrassenschotter. Dabei galt es 
einige wasserführende Schichten, die ziemlich tief lagen 
und schon bei Herstellung des alten Tunnels Schwierig 
keiten verursacht hatten, zu durchfahren. 
Die Ausführung geschah in der Weise, daß zunächst 
der obere Teil des Einschnittes zwischen einfüßigen Bö 
schungen (Abb. 2) etwa bis Kämpferhöhe mit dem Löffel 
bagger ausgehoben und in die gleichzeitig auszuführen 
den Straßenauffüllungen befördert wurde. Alsdann er 
folgte die Ausschachtung der Schlitze für die beiden Wider 
lager bis auf Sohlenhöhe, wobei der Aushub mittelst eines 
Fahrkrans gehoben wurde. Die Widerlager erhielten 
einen derartigen Querschnitt, daß sie zugleich als Stütz 
mauern gegen das dahinter liegende Erdreich dienen 
konnten; sie wurden zu diesem Zweck auf der Rückseite 
teilweise mit einer leichten Rundeisenbewehrung versehen. 
Nach Herstellung einer größeren Widerlagerstrecke 
konnte der zwischenliegende Erdkern, ebenfalls mit dem 
Bagger, ausgehoben werden, worauf sodann schleunigst 
der Einbau des Mittelpfeilerfundaments sowie der beiden 
Sohlgewölbe erfolgte. Dann war die Aufstellung des 
Lehrgerüstes (aus eisernen, leicht verschiebbaren Bögen 
von I-förmigem Querschnitt, Abb. 3) sowie der Aufbau 
des Mittelpfeilers möglich. Zur Vermeidung einer
        

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