Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/146/
138 
BAUZEITUNG 
Nr. 18 
siehe Abb. 5 bis 9). Der städt. Sachverständige, Prof. 
Dr.-Ing. Blum-Hannover, hat sich für diese Lösung aus 
gesprochen und erklärt, daß die Einwendungen der Eisen 
bahnverwaltung gegen dieses Projekt unerheblich seien. 
Und Professor Dr.-Ing. Weyrauch-Stuttgart äußerte 
sich dahin, daß, nachdem eine ideale Lösung im vorliegen 
den Falle überhaupt unmöglich sei, das Projekt IV der 
Stadtverwaltung einen zu begrüßenden Kompromiß dar 
stelle. Während die Projekte I und III der Eisenbahnver 
waltung den berechtigten Ansprüchen des Straßenverkehrs 
nur ungenügend Rechnung tragen, habe die Stadt mit 
ihrem Projekt IV einen Ausgleich gesucht und gefunden. 
Auch dieses Projekt wolle die Kreuzung von Bahn und 
Straße an der Brücke vom Turm abrücken, es wähle je 
doch Unterführung der Straße, welche durch eine geringe 
erläutern, hielten wir für geboten. Wie es bei einer Auf 
gabe von der Tragweite der hier in Frage stehenden nicht 
wohl anders sein kann, stehen sich sowohl Gutachten 
gegen Gutachten, als auch Laien-Ansichten gegen Laien- 
Ansichten ziemlich schroff gegenüber. Möge es daher ge 
lingen, die hier auf dem Spiele stehenden Interessen einer 
befriedigenden Lösung zuzuführen, lediglich von der Ab 
sicht geleitet, das Beste zu wollen für die Allgemeinheit. 
DasKörnigmachen derBetonfassade 
Von Architekt Fritz Fam ml er-Berlin 
(Nachdruck verboten) 
Es stellt sich immer mehr heraus, daß es für die mate 
rialgemäße Belebung der Betonfassade kein wirksameres 
Höherlegung der Bahn ermöglicht werde. Dadurch wür 
den alle bisherigen Schwierigkeiten tatsächlich behoben. 
Der Pliensauturm bliebe unberührt. Die ästhetischen 
Fragen seien günstig gelöst. Die große Straßenachse 
Brücke-Turm-Pliensaustraße-Burg bleibe erhalten. Wenn 
dem Projekt IV entgegengehalten worden sei, daß die 
Unterführung der Straße unter der Bahn eine Verkehrs 
gefahr bedeute, so sei dem gegenüber zu betonen, daß an 
jeder Straßenecke die gleiche Unübersichtlichkeit entstehe, 
wie sie eine Unterführung darstelle. Bei genügender Ab 
rundung der Einfahrt könne also ein besonderer Nachteil 
in einer Unterführung nicht erblickt werden. Was aber 
die Kostenfrage anbelange, so könne diese eine ausschlag 
gebende Rolle gegen das Projekt IV der Stadtverwaltung 
nicht spielen. 
Den Werdegang dieser wichtigen Angelegenheit na 
mentlich mit Rücksicht auf die durch das Projekt IV ge 
schaffene neue Situation in einer Veröffentlichung kurz zu 
Mittel gibt, als das Körnigmachen. Man versteht darunter 
ein durch Nachbehandlung der noch frischen Betonfläche 
erreichtes körniges Aussehen. 
An Stelle der sonst bei Betonflächen üblichen nüchter 
nen und kalten Glätte des Baustoffes tritt dadurch ein in 
lebendiger Vielheit" aus dem Material fließender Flächen 
schmuck. Der Beton pflegt ja in einem großen Teil seiner 
Masse schon von Natur aus, zufolge der Zuschlagstoffe, 
körnige Veranlagung mitzubringen. Demnach muß man 
zugeben, daß die im Körnigmachen liegende dekorative 
Tendenz eine im höchsten und strengsten Sinne material 
gerechte Schmuckweise ist. Nicht nur gerechtfertigt er 
scheint sie durch die Stoffnatur des Betons, sondern sie 
läßt sich unstreitig als ästhetische Forderung und zugleich 
ästhetische Pflicht des Materials auffassen. Daher denn 
auch, daß die körnige Betonfassade bei guter Ausführung 
immer etwas so Selbstverständliches und Naturhaftes an 
sich hat.
        

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