Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

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BAUZEITUNG 
Nr. 19 
dem F. ein Mietausfall von 1700 Mark erwuchs. Für 
diesen Ausfall machte er die Stadt Hannover durch 
Klage beim Landgericht Hannover schadenersatzpflichtig. 
Das Landgericht wies jedoch die Klage ab, weil der 
Kläger in k;iner Weise nachgewiesen habe, daß einem 
Beamten der Stadt ein Verschulden an dem Eauverbot 
träfe, und daß der vom Baüamt, Magistrat und der Bau 
deputation eingenommene Standpunkt auf Fahrlässigkeit 
beruhe. Das Oberlandesgericht Celle verurteilte dagegen 
die Stadt, dem Kläger den Schaden, der ihm durch den 
Mietausfall erwachsen sei, zu ersetzen. Durch die Er 
klärung des Magistrats, in der er den ersten Bau genehmigte, 
und durch seine Annahme der Abtierungs- und Kanal 
kosten sei zwischen den Parteien ein privatrechtliches 
Abkommen zustande gekommen. Dadurch, daß der 
Magistrat gegen das zweite Baugesuch Widerspruch er 
hob, verletzte er seine Vertragspflicht. Der Magistrat 
sei daher verpflichtet, dem Kläger den Schaden zu ersetzen, 
welcher diesem durch die infolge vertragswidrigen Ver 
haltens der Behörde eingetretene Verzögerung des Baues 
stellt,-daß die Stadt allein nicht imstande sei, die groß 
zügigen Pläne durchzuführen, daß sie vielmehr hiezu 
einer Mitarbeit der staatlichen Behörden, der Gemeinden 
ringsum und der Kollegen des Bauvereins bedürfe. — 
Sodann wurden die einzelnen Pläne von Stadtbaurat 
Maier erläutert, der gleich zu Anfang betonte, daß es 
sich als unmöglich erwiesen habe, nur die den Eingemein 
dungen sprechenden Markungsgrenzen zu berücksichtigen, 
daß man vielmehr einen 10 km-Umkreis ziehen mußte, um 
den Verhältnissen einigermaßen gerecht zu werden. Es 
wurde nun für das Gebiet von Groß-Stuttgart bis zum 
Jahr 1950 mit einer Bevölkerungszunahme von 180 000, 
für den 10 km-Umkreis mit einer solchen von 250 000 Ein 
wohnern gerechnet, so daß also Stuttgart in dem genann 
ten Jahr 500 000 Einwohner, der 10 km-Umkreis 700 000 
Einwohner haben wird. Für diese Zahlen muß Raum 
geschaffen werden; dabei handelt es sich nicht bloß da 
rum, Wohnflächen für diese Bevölkerung vorzusehen, son 
dern auch durch entsprechende Verkehrseinrichtungen die 
täglich vor sich gehende Bevölkerungsbewegung zu be- 
Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914 Cölner Haus 
Architekt: Ludwig Paffendorf-Cöln 
entstanden sei, wenn der Magistrat nicht beweise, daß 
in seinem Verhalten kein Verschulden liege. Das Gericht 
sah jedoch in dem Verhalten des Magistrats eine Fahr 
lässigkeit, weil es ihm bei einer sorgfältigen und sach 
gemäßen Prüfung des zweiten Baugesuches nicht ent 
gehen konnte, daß es sich im wesentlichen um dasselbe 
Bauvorhaben handelte wie im ersten Baugesuch. 
Vereinsmitteilungen 
Württemb. Verein für Baukunde. Auf Einladung der 
Stadtverwaltung versammelten sich am 2. Mai abends die 
Angehörigen des Vereins nebst verschiedenen Vertretern 
staatlicher Behörden im großen Saale des Rathauses, wo 
die für die Gesundheitsausstellung bestimmten Pläne der 
neuen Stadterweiterung aufgehängt waren. Nach Eröff 
nung der Versammlung durch Oberbaurat Euting ergriff 
zunächst Gemeinderat Sigloch das Wort, um im Auftrag 
der Stadtverwaltung die Erschienenen zu begrüßen und 
in die Grundsätze, welchen man bei der Planbearbeitung 
folgte, einzuweihen. Es sollen hiemit noch keineswegs 
bindende Pläne gegeben, sondern nur Entwicklungsmög 
lichkeiten dargestellt werden; auch haben die bürgerlichen 
Kollegien zu den Entwürfen noch keinerlei Stellung ge 
nommen. Indes habe sich schon jetzt deutlich herausge- 
rücksichtigen. Hiebei kommt der Unterschied zwischen 
Wohn- und Arbeitsgemeinden in Betracht; zu den ersteren 
gehören vor allem die Filderorte, zu den letzteren z. B. 
Stuttgart, Cannstatt, Feuerbach, Kornwestheim, Unter 
türkheim. Die zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel 
sind die Staats- und Privatbahnen, die Straßen- und Vor 
ortbahnen, sowie die Straßenlinien mit ihren Fahrzeugen, 
unter denen hauptsächlich die schnellfahrenden Kraft 
wagen berücksichtigt werden' müssen. Als Gegenstück 
zu den Verkehrseinrichtungen sind auch entsprechende 
Erholungsplätze vorgesehen. Hiebei ist bekanntlich Stutt 
gart mit seinen Wäldern auf den Höhen in einer glück 
lichen Lage; es gilt nun bloß noch, die letzteren bequem 
zugänglich zu machen und in geeigneter Weise mitein 
ander zu verbinden. Alle diese Verhältnisse sind auf den 
Plänen eingehend behandelt; ferner waren noch verschie 
dene vergleichende Darstellungen der Orundpläne und 
der Verkehrsdichtigkeit anderer Großstädte zu sehen so 
wie namentlich auch zwei überaus anschauliche Relief 
karten des Neckartals und der Gartenstadt Luginsland bei 
Untertürkheim. Zum Schlüsse seiner Ausführungen be 
tonte der Redner, daß die Pläne den Hauptzweck ver 
folgen, die Oeffentlichkeit zur Beschäftigung mit diesen 
Fragen aufzumuntern und zur Aeußerung ihrer Wünsche 
und Anschauungen zu veranlassen. — Die Pläne sind im
	        

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