Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1914)

20. Juni 1914 
Bauernhaus 
auf der Alb 
Baukosten 
15000 M. 
noch die Waschküche und einen weiteren Raum zu 
Mostereizwecken usw. Im Erdgeschoß war die Küche 
unter allen Umständen an die Wohnstube anzuschließen 
und so zu legen, daß von dort zum Hause kommende 
Personen gesehen werden. -Die beiden anderen Zimmer 
sind als Schlafzimmer bezw. eines davon als gute Stube 
vorgesehen. Ein Zugang zum Stall, vom Gang der Woh 
nung aus, wurde gewünscht. Das obere Geschoß ent 
hält außer zwei Zimmern noch eine größere Kammer und 
die Magdkammer. In den zwei größeren Räumen sind 
Wandschränke eingebaut. Im Speicher darüber findet 
die Aufbewahrung gedroschener Früchte statt, die in der 
Tenne hochgezogen und unter dem Dachfirst zu ihrer 
Lagerstelle transportiert werden können. 
Die Außenwände der Oekonomieräume, mit Ausnahme 
des Stalles, sind durchweg auf unausgemauertem Fach 
werk mit Brettern verschalt und mit Barol zweimal ge 
strichen. Ebenso, jedoch auf ausgemauertem Fachwerk, 
sind die Außenwände am Wohnungsteil behandelt, wäh 
rend sämtliches Mauerwerk außen mit Schwarzkalkmörtel 
geputzt ist. 
Die Behandlung der Wohnräume im Innern ist mög 
lichst einfach gehalten; zu den Böden in Flur und Küche 
sind einfarbig dunkelrote Steinzeugplatten verwendet, die 
einen guten Eindruck machen und auch gut zu reinigen 
sind. Für die Zimmerböden im Erdgeschoß sind Pitsch- 
Pine-Riemen, für diejenigen im Obergeschoß Fußboden 
tafeln aus Tannenholz verwendet. Die Wände u. Decken 
sind geputzt und mit Kalk geweißt, während die Wohn- 
s!ube Wandvertäfelung erhielt. Der überdeckte Zugang 
zur Freitreppe des Hauseingangs kann als solcher, wie 
im Plan vorgesehen, benützt oder aber bei Vorrückung 
des Gartens bis zur östlichen Gebäudeflucht als Sitzplatz 
nach Feierabend verwendet werden. Wie eben ange 
deutet, ist an der Südseite die Anlage eines Gemüse 
gartens mit Holzzaun vorgesehen, um ein gegen die 
Straße abgeschlossenes Bild zu erhalten. 
Schließlich wäre noch über die Baukosten zu sagen, 
daß sich der überbaute Raum von rund 3800 cbm von 
der Kellersohle bis zum First gemessen auf 4,75 M. pro 
cbm ineinander gerechnet stellt. Hiebei sind die eigenen 
Leistungen des Bauherrn inbegriffen. Ebenso ist zu be 
rücksichtigen, daß die von auswärts bezogenen Bau 
materialien durch eigene Gespanne von der 8 km ent 
fernten Bahnstation Mögglingen über stark welliges Ge 
lände beigefahren werden muß^n. Von der Wohnung 
im Obergeschoß genießt man einen weiten, herrlichen 
Rundblick auf den Nordrand der Schwäbischen Alb vom 
Braunenberg bis zu dem sagenumwobenen Kaiserberg 
Hohenstaufen, während im Hintergrund zunächst eine 
mächtige Eiche den Hof beschattet und weiterhin dunkler 
Tannenwald stillen Frieden über die Gegend breitet. 
Zu dem Wettbewerb Freiherr 
Fritz von Qemmingen 
Der Artikel des Herrn -n. über den Wettbewerb des 
Herrn Fritz Freiherr von Gemmingen erweckt in verschie 
dener Beziehung falsche Vorstellungen, gegen die Stel 
lung zu nehmen die sachverständigen Preisrichter des 
Wettbewerbs sich veranlaßt sehen. 
1. Im Preisausschreiben sind eine Reihe Sachverstän 
diger als Preisrichter genannt, bei denen sich der Ein 
sender billiger Weise vorher über die Sachlage hätte er 
kundigen können. Dies ist nicht geschehen. 
2. Damit daß die Preisrichter ihre Namen genannt 
haben, übernehmen sie die Verantwortung für die Rich 
tigkeit der im Preisausschreiben enthaltenen Forderungen 
und Bedingungen. Ueberdies haben im vorliegenden 
Fall die Preisrichter die Bedingungen selbst aufgestellt, 
es kann sich somit seitens des Bauherrn nicht um eine 
Ausnützung der Notlage der Architekten handeln, eine 
Zumutung, die eine schwere Verletzung des Ausschreiben 
den enthält, die wir aufs bestimmteste zurückweisen. 
3. Nach der Darstellung des Einsenders erscheinen die 
Anforderungen des Wettbewerbs bedeutend größer als es 
sich in Wirklichkeit herausstellt. 
Wie in dem Preisausschreiben deutlich zum Ausdruck 
kommt, handelt es sich nicht um Vorprojekte von Gebäu 
den, die ausgeführt werden sollen, sondern lediglich um 
Ideenskizzen für die Aufteilung und rationelle Bebauung 
des Geländes.
	        

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