Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085,4-11,1914
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1914/230/
222 
BAUZEITUNG 
Nr. 28 
Maßnahmen an dem Abbruch zu beaufsichtigen und zu 
leiten hat, ein Verschulden trifft. Letzteres wird gewöhn 
lich aus den allgemeinen Bestimmungen des § 823 BGB. 
haftbar gemacht werden, wenn er den Schaden fahr- 
läßig herbeigeführt hat. Im vorliegenden Prozeß war ein 
Schaden durch das Niederreißen eines Eckpfeilers ent 
standen. Der Kaufmann H. besaß in der Paradiesstraße 
zu Stolp ein Grundstück, das er im Herbst 1900 durch 
einen Neubau ersetzen ließ. Bei dem Abbruch des Ge 
bäudes wurde das benachbarte Haus des Büchsen 
machers M. beschädigt, zeigte Risse und mußte auf 
polizeiliche Verordnung niedergerissen werden. Einen 
Teil des entstandenen Schadens versuchte nun M. von H. 
einzuklagen, wurde aber rechtskräftig abgewiesen, da H. 
die technische Leitung über den ganzen Bau übertragen 
worden sei, obwohl sich H. Vorbehalten habe, einige 
Arbeiten mit seinen Leuten selbst auszuführen. Deshalb 
treffe R. auch die Verantwortung für vorgekommene tech 
nische Versehen. Zwar habe H. den Befehl zum Ab 
reißen des Pfeilers gegeben, dadurch werde aber nicht 
R. von seiner Verantwortlichkeit befreit. R. genüge seiner 
Sorgfaltspflicht nicht schon dann, wenn er keine ver 
fehlten Maßnahmen anordne, er habe auch dafür Sorge 
zu tragen, daß dies nicht durch dritte Personen geschehe. 
Da H. ein Laie sei, so wäre es dringende Pflicht des 
Bauleiters gewesen, zu beobachten, daß durch das Ein 
greifen des H. kein Schaden erwachse. Er habe es aber 
an dieser Sorgfalt fehlen lassen und hafte daher nach 
Gewerbe- und Industrie-Ausstellung Ludwigsburg 
genügend technische Bauleitung für den Umbau bestellt 
habe. Jetzt erhob M. gegen den Bauleiter des Umbaues, 
den Baumeister R, beim Landgericht Stolp eine Schadens 
ersatzklage. In erster Instanz wurde er abgewiesen. Auf 
seine Revision gegen ein gleichfalls den Anspruch ab 
weisendes Urteil des Oberlandesgerichts Stettin hob das 
Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache zurück. 
In der neuen Verhandlung bejahte das Oberlandesgericht 
Stettin die Frage, ob R. für den durch das Niederreißen 
des Eckpfeilers entstandenen Schaden aufkommen müsse, 
erkannte den Anspruch des Klägers als dem Grunde nach 
gerechtfertigt und führte in dieser Beziehung zur Be 
gründung des Urteils aus: Die Haftung des Bauleiters 
sei aus § 823 BGB. begründet. Man habe zuerst ver 
sucht, den Pfeiler mit einer Leine gewaltsam umzureißen, 
den Rest habe man dann Stein für Stein abgetragen. 
Der Versuch aber, den Eckpfeiler gewaltsam umzureißen, 
stehe mit den Rissen am Hause des M. im ursächlichen 
Zusammenhang. Es sei auch festgestellt, daß dem R. 
§ 823 BGB. Die von dem Baumeister R. beim Reichs 
gericht eingelegte Revision, wurde zurückgewiesen. Der 
6. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes schloß sich den 
Ausführungen des Vorderrichters an. 
Vereinsmitteilungen 
Hess. Techniker-Verband. Kollege Bauaspirant Schrei 
ber zu Frankfurt a. M., Spessartstr. 13 I, seither in Stel 
lung bei Architekt Otto Bäppler, leitete in den letzten 2J4 
Jahren die umfangreichen Geschäftshausneubauten für die 
Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt zu Frankfurt a. 
M. Genannte Firma hat nun Herrn Schreiber als Leiter 
des von ihr neu errichteten Baubüros für die künftigen 
Bauarbeiten als selbständigen Bauleiter angenommen. — 
Kollege Bauaspirant Jean Degen, seither in Wongro- 
witz bei der Kgl. Eisenbahndirektion Bromberg in Stel 
lung, ist ab 1. Mai ds. Js. als Ersatz für Bauasp. Schreiber 
in das Architekturbüro von Arch. Otto Bäppler, Frank 
furt a. M. eingetreten. Wohnung; Spessartstr. 13 II.
        

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